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MELDUNG/394: Sebastian Zbik erhofft eine Zusage Felix Sturms (SB)



In schwierigen Zeiten wäre dies eine Lösung nach Maß

Der Schweriner Mittelgewichtler Sebastian Zbik teilt das Schicksal jener Boxer, deren Bekanntheitsgrad beim Publikum weit hinter ihren sportlichen Erfolgen zurückbleibt. In 30 Profikämpfen ungeschlagen, hofft der 28 Jahre alte Champion aus dem Hamburger Universum-Boxstall seit Jahren vergeblich auf spektakuläre Auftritte mit prominenten Gegnern, in denen er nicht nur seine Qualitäten unter Beweis stellen, sondern sie auch einer wesentlich breiteren Zuschauerschaft zu Gemüte führen und mithin lukrativer vermarkten kann.

Zbik war seit Juli 2009 Interimsweltmeister des World Boxing Council (WBC) im Mittelgewicht, doch führte dieser Status nicht wie erhofft zum Duell mit dem regulären Champion des Verbands. Erst im Oktober 2010 ernannte ihn das WBC auf seiner Jahrestagung in Cancun zum offiziellen Pflichtherausforderer. Dies hinderte den Argentinier Sergio Martinez jedoch nicht daran, eine Titelverteidigung gegen den Schweriner auszuschlagen, da er andere Pläne hatte. Zuguterletzt wurde Zbik am grünen Tisch zum regulären Weltmeister ernannt.

Dies verbesserte seine Ausgangsposition, da nun diverse potentielle Kontrahenten einschließlich seines Vorgängers Gewehr bei Fuß stehen, um ihm den Gürtel wieder abzujagen. Aus deutscher Sicht wäre ein Duell mit Felix Sturm sicher reizvoll, den der Verband WBA als Superchampion führt. Der Leverkusener hatte bislang wohl mit Blick auf den geringen Bekanntheitsgrad des Schweriners abgewinkt, scheint sich aber nach seinem jüngsten Sieg über den US-Amerikaner Ronald Hearns eines Besseren besonnen zu haben. Um den Einwand aus dem Feld zu schlagen, er habe sich für seinen zweiten Auftritt in Eigenregie einen Gegner ausgesucht, der ihm nicht gefährlich werden konnte, schloß er einen Kampf zweier deutscher Weltmeister gegen Zbik nicht mehr aus.

Dieser hatte den Auftritt des Leverkuseners in der Stuttgarter Porsche-Arena im Fernsehen verfolgt und zeigte sich anderntags in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" eher skeptisch, was die Wahl des Herausforderers betraf. Sturm habe seines Erachtens seine Sache sehr gut gemacht, da er beweglich zu Werke gegangen und stets dominant gewesen sei. Indessen habe Hearns fast ohne Deckung gekämpft und eine nennenswerte Schlagwirkung vermissen lassen, so daß Sturm in diesem Duell nicht ernsthaft geprüft worden sei.

Sollte es zum Kampf mit dem Leverkusener kommen, der sein Wunschgegner sei, würde er sich riesig darüber freuen. Für beide Boxer mache dies Sinn, ein Fernsehsender sei vorhanden und reges Interesse des deutschen Boxpublikums könne man sicher voraussetzen. Er sei jedenfalls bereit und rechne sich durchaus Chancen aus, als Sieger aus diesem Auftritt hervorzugehen. Den Einwand, er habe seit Juli 2010 nicht mehr im Ring gestanden und mute sich mit einer Titelvereinigung gegen diesen hochkarätigen Gegner womöglich zu viel zu, will der Schweriner nicht gelten lassen. Ein faires Angebot in finanzieller Hinsicht vorausgesetzt habe er keine Probleme damit, ja es dränge ihn im Gegenteil dazu, endlich wieder zu boxen.

Sebastian Zbiks Situation ist auch als regulärer Weltmeister keineswegs geklärt. Ein im Frühjahr geplanter Kampf gegen Pflichtherausforderer Julio Cesar Chavez jun. ist ungewiß, da der Mexikaner im März mit einem anderen Gegner in den Ring steigt. Demzufolge müßte das WBC auch Zbik eine zwischenzeitliche Alternative gestatten, wobei Felix Sturm die sicherste Option wäre, da Titelvereinigungen Vorrang haben. In Frage käme andererseits auch IBF-Weltmeister Sebastian Sylvester, gegen den anzutreten Zbik jedoch gewisse Vorbehalte einräumt. Da dieser ebenfalls aus Mecklenburg stamme, sei ein solcher Kampf nicht gerade sein größter Wunsch. Davon abgesehen hege er die Befürchtung, daß dessen Promoter Sauerland abwarten wolle, bis der langjährige Konkurrent Universum endgültig in die Knie geht, um ihn selbst so günstig wie möglich verpflichten zu können.

Natürlich macht Sebastian Zbik die ungewisse Zukunft seines Boxstalls zu schaffen, der seit Auslaufen des Vertrags mit dem ZDF Ende Juli 2010 keinen Fernsehpartner mehr hat. Diese Entwicklung führte dazu, daß auch der Schweriner lange keinen Kampf mehr bestreiten konnte. Er stehe jedoch in ständigem Kontakt mit der Geschäftsleitung und wolle seinen Teil dazu beitragen, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen - und das wäre ein Duell mit Sturm.


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Luan Krasniqis Comeback gegen Johnathon Banks abgesagt

Das für den 26. Februar geplante Comeback Luan Krasniqis gegen Johnathon Banks mußte abgesagt werden. Da sich Krasniqi in den letzten Tagen des Trainingslagers eine schwere Nebenhöhlenentzündung zugezogen hat, kann er nicht wie erhofft in den Ring der Arena in Ludwigsburg steigen, die bereits ausverkauft war. Er sei sehr enttäuscht, wobei ihm die Zuschauer besonders leid täten, doch sei an einen Auftritt am kommenden Samstag nicht zu denken, teilte der 39jährige mit.

Johnathon Banks sagte daraufhin die Reise nach Deutschland ab. Wie er unterstrich, habe er sich sehr auf den Kampf gefreut, der von RTL im Hauptabendprogramm ausgestrahlt worden wäre. Nun hoffe er, daß man das Duell zu einem späteren Zeitpunkt nachholen könne. Für die Promotion K2 der Klitschkos, die erstmals einen Kampf ohne Beteiligung der Ukrainer veranstalten wollte, teilte deren Sprecher Tom Löffler mit, daß dies für Johnathon Banks eine gute Gelegenheit gewesen wäre, um gegen einen erfahrenen Boxer wie Krasniqi seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Damit setzt sich im deutschen Boxjahr 2011 die Serie der Absagen fort. Am 7. Januar wollte Jürgen Brähmer als amtierender Weltmeister der WBO im Halbschwergewicht gegen den WBA-Champion Beibut Schumenow antreten, um die Titel der beiden Verbände zusammenzuführen. Da sich der Schweriner aus dem Universum-Boxstall jedoch in Kasachstan eine akute Magendarmerkrankung zuzog, mußte er den Kampf kurzfristig absagen und nach Deutschland zurückkehren. Anstelle dessen verteidigt er nun seinen Titel am 2. April in der Londoner Wembley Arena gegen Pflichtherausforderer Nathan Cleverly aus Wales. Sebastian Sylvester konnte den IBF-Titel im Mittelgewicht nicht wie geplant am 22. Januar in Neubrandenburg verteidigen. Der Weltmeister aus dem Sauerland-Boxstall mußte den Kampf gegen den französischen Herausforderer Mehdi Bouadla wegen einer Viruserkrankung absagen. Der ausgefallene Kampf soll zeitnah im Neubrandenburger Jahnsportforum nachgeholt werden.

21. Februar 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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