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MELDUNG/410: Trainer Atlas setzt auf Titelkampf Powetkins gegen Mormack (SB)



US-Coach sieht sich mit seiner Strategie kurz vor dem Ziel

Im Sommer 2010 führte der Russe Alexander Powetkin aus dem Berliner Sauerland-Boxstall die IBF-Rangliste im Schwergewicht an und sollte als Pflichtherausforderer am 11. September in Frankfurt/Main gegen Weltmeister Wladimir Klitschko antreten. Powetkin ließ diese langersehnte Chance jedoch ungenutzt verstreichen, unterschrieb den Kampfvertrag nicht und überließ aus zunächst ungeklärten Gründen dem Nigerianer Samuel Peter das Feld. Offenbar hatte sich Trainer Teddy Atlas mit der Auffassung durchgesetzt, der Russe sei noch nicht reif für einen Titelkampf und brauche mehr Zeit. Anfang August stufte die IBF Powetkin wegen dessen Verzichts auf den anberaumten Titelkampf in ihrer Rangliste auf den elften Platz zurück.

Da man bei Sauerland Event unzufrieden mit dieser enttäuschenden Entwicklung war, ließ man durchblicken, daß Powetkin wieder mit seinem alten Trainer zusammenarbeiten sollte. Das brachte Atlas derart auf die Palme, daß er Anfang Januar 2011 in einem Interview Kalle Sauerland als "Wolf im Schafspelz" bezeichnete, der in seinem ganzen Leben noch nie geboxt habe und daher die Risiken nicht kenne. Während er selbst Powetkins sportliche Zukunft im Blick habe, wolle Sauerland den Russen nur kontrollieren und aus ihm den größtmöglichen Profit herausquetschen.

Nach diesem teilweise öffentlich ausgetragenen Streit schien es für eine weitere Zusammenarbeit zwischen dem US-amerikanischen Trainer und Sauerland keine Grundlage mehr zu geben. Da wochenlang keine definitiven Aussagen hinsichtlich dieses Konflikts folgten, konnte man nur mutmaßen, daß Powetkin zu seinem früheren Trainer Waleri Below zurückkehren würde. Unterdessen teilte Powetkins russischer Manager Wladimir Hrijunow mit, daß der Schwergewichtler die Verletzung an der rechten Schlaghand aus seinem Dezemberkampf gegen Nikolai Firtha auskuriert habe und wieder im Training stehe. Er bereite sich auf seinen nächsten Kampf vor, den man für April ins Auge gefaßt habe.

Offenbar ist man jedoch im Hause Sauerland inzwischen zu dem Schluß gekommen, daß Teddy Atlas, der bereits 2009 einen möglichen Kampf zwischen Powetkin und Wladimir Klitschko verhindert hatte, mit seiner Einschätzung hinsichtlich der Verfassung des Russen nicht so falsch liegt. Alexander Powetkin war zwar vor drei Jahren als Sieger eines Viererturniers der IBF frühzeitig in seiner Karriere zum Herausforderer Klitschkos aufgestiegen, hatte aber bei seinen spärlichen Auftritten in der Folge kaum Anlaß zur Erwartung gegeben, daß er es mit dem Ukrainer aufnehmen könnte.

Jedenfalls scheint Atlas nach wie vor als Trainer Powetkins fest im Sattel zu sitzen, da er nun die Auffassung geäußert hat, er halte einen Titelkampf seines Schützlings gegen Jean-Marc Mormeck für wahrscheinlich. Der US-Coach rechnet damit, daß WBA-Weltmeister David Haye vom Verband nach der Vertragsunterzeichnung mit Wladimir Klitschko in den Status des "Superchampions" versetzt wird, wie dies im Falle von Vereinigungskämpfen zweier Weltmeister inzwischen gängige Praxis der WBA ist. In diesem Fall wäre der Titel des regulären Champions vakant, um den Powetkin gegen den früheren Weltmeister im Cruisergewicht aus Frankreich kämpfen könnte.

Da Powetkin seines Wissens inzwischen an Nummer zwei der Rangliste geführt werde und Mormeck der nächste verfügbare Gegner auf der Liste sein könnte, setze er auf diese Option, so Atlas. Der Kampf könne im Juli in Deutschland über die Bühne gehen. Habe man erst einmal den Titel gewonnen, könne man zu Vereinigungskämpfen gegen David Haye oder die Klitschkos antreten, denkt der US-Trainer weit über den Tag hinaus. Unterdessen legt Sauerland-Geschäftsführer Chris Meyer größere Zurückhaltung an den Tag. Nach seinen Worten steht Jean-Marc Mormeck zwar ganz oben auf der Wunschliste, doch seien noch keine Verträge unterschrieben.

8. März 2011



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