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MELDUNG/428: Susianna Kentikian und Alexander Dimitrenko setzen sich durch (SB)



Mitreißende Kämpfe vor kleiner Kulisse

Vor rund 600 Zuschauern im ausverkauften Gym der Hamburger Universum Box-Promotion haben Weltmeisterin Susianna Kentikian und Europameister Alexander Dimitrenko ihre Titel erfolgreich verteidigt. Da Promoter Klaus-Peter Kohl über keinen Fernsehpartner mehr verfügt, fanden die Auftritte in kleinem Rahmen statt. Die Kämpfe waren bei Bild.de live im Internet zu sehen.

Susianna Kentikian bleibt Titelträgerin der Verbände WBA, WBO und WIBF im Fliegengewicht. Die 23jährige Hamburgerin besiegte Ana Arrazola aus Mexiko einstimmig nach Punkten (98:90, 98:92, 97:92) und feierte in ihrem 28. Profikampf den 27. Sieg (ein Auftritt ohne Wertung). Die Mexikanerin mußte im 28. Kampf die sechste Niederlage hinnehmen, wobei drei ihrer Auftritte unentschieden geendet hatten. Nach acht Monaten Pause zeigte sich die Weltmeisterin in ausgezeichneter Verfassung und dominierte den Kampf. Arrazola steckte jedoch alle Treffer unbeeindruckt weg und teilte ihrerseits kräftig aus. Die Mexikanerin bot trotz ihrer technischen Defizite bedingungslos Paroli, um nach zwei vergeblichen Anläufen auf die Weltmeisterschaft im dritten Versuch ihre Chance zu nutzen. Sie konnte jedoch lediglich die fünfte Runde zu ihren Gunsten gestalten, während ansonsten die Weltmeisterin das Feld beherrschte.

Wenngleich ihr der erhoffte vorzeitige Erfolg versagt geblieben war, konnte Susianna Kentikian mit ihrer Rückkehr in den Ring sehr zufrieden sein. "Ich war nach acht Monaten Pause heiß auf den Kampf", berichtete sie im Interview mit Bild.de. "Die Gegnerin war richtig zäh. Ich habe sie nicht unterschätzt. Ich weiß, daß sie auch richtig einstecken kann. Ihr seht mich bald wieder."

Zufrieden war auch Promoter Ulf Steinforth, dessen SES-Boxstall Susianna Kentikian vier Tage zuvor von Universum übernommen hatte. Das Frauenboxen sei nicht tot und Susi könne eine Galionsfigur sein, unterstrich Steinforth, der eine Reihe erstklassiger Boxerinnen unter Vertrag hat.


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Albert Sosnowski unterliegt durch K.o. in der zwölften Runde

Europameister Alexander Dimitrenko hat seinen Titel im Schwergewicht erfolgreich verteidigt und den polnischen Herausforderer Albert Sosnowski durch K.o. in der zwölften Runde besiegt. Der gebürtige Ukrainer mit deutschem Paß hat nun 31 Siege und eine Niederlage auf dem Konto, während für den gescheiterten Herausforderer 46 gewonnene und vier verlorene Auftritte sowie ein Unentschieden zu Buche stehen. Ursprünglich sollten die Kontrahenten bereits am 4. Dezember 2010 in Schwerin aufeinandertreffen, doch konnte Dimitrenko nicht antreten, da er unmittelbar vor dem Kampf wegen einer Magenverstimmung in der Kabine zusammengebrochen war.

Da der 28jährige Dimitrenko zwölf Zentimeter größer als sein vier Jahre älterer Gegner war, setzte er darauf, seine Größen- und Reichweitenvorteile aus der Distanz auszuspielen, während Sosnowski den Infight suchte. Aus dieser Gemengelage entwickelte sich ein spannender Kampf auf Biegen und Brechen, bei dem beide Akteure gute Aktionen zeigten, die vom Publikum mit viel Beifall bedacht wurden. Der Titelverteidiger hatte in den ersten sechs Runden Vorteile, mußte aber auf Dauer dem hohen Tempo Tribut zollen. Da er rascher als der Pole müde zu werden schien, suchte er des öfteren sein Heil im Klammern, wofür er in der elften Runde verwarnt wurde.

Angetrieben aus seiner Ecke setzte Sosnowski nun alles auf eine Karte und wollte einen Niederschlag erzwingen, doch war es Dimitrenko, dem der entscheidende Treffer gelang. Nach 1:38 Minuten der letzten Runde schickte er den Polen mit einem lehrbuchmäßigen Uppercut zu Boden, worauf der Kampf sofort abgebrochen wurde. Sosnowski blieb minutenlang liegen und mußte im Ring behandelt werden. Anschließend brachte man ihn zur Untersuchung ins Hamburger Universitätskrankenhaus, das er am frühen Sonntagmorgen ohne folgenschwere Diagnose wieder verlassen konnte.

Dimitrenko freute sich über seine erste erfolgreiche Titelverteidigung und dankte den Zuschauern für ihre Unterstützung. Er habe in der zweiten Runde gemerkt, daß er Sosnowski treffen könne, und sich dann in den mittleren Runden zurückgehalten, um Kraft zu sparen. Den Uppercut habe man im Trainingslager speziell einstudiert. Als sein Gegner in der zwölften Runde konditionell am Ende war, habe er ihn voll erwischt.

Auch Trainer Michael Timm zeigte sich erleichtert, daß sein Schützling wieder zu seinen boxerischen Mitteln gefunden und sich durchgebissen habe. Promoter Klaus-Peter Kohl sprach von einem Schlüsselkampf, der Dimitrenko Selbstvertrauen gebe.

Mit Blick auf den Fortbestand des Universum-Boxstalls unterstrich der 66jährige Promoter, daß man für die Zukunft plane und keinen Ausverkauf mache. Die Boxer, die er brauche, werde er nicht gehen lassen. Hatte das vormals größte Boxunternehmen Europas früher 45 Profis unter Vertrag, so sind es inzwischen noch zwölf. Das sei die Größe, die man brauche, sagte Kohl. Im nächsten Schritt verteidigen die Weltmeister Jürgen Brähmer (21. Mai in London) und Sebastian Zbib (4. Juni in Los Angeles) ihre Titel im Ausland. Dort erziele man größere Erlöse als in Deutschland, unterstrich der Hamburger Promoter.

27. März 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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