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MELDUNG/430: Dmitri Pirog reißt beim Sieg über Maciel keine Bäume aus (SB)



Argentinier stellt WBO-Champion vor ungeahnte Probleme

Der 30 Jahre alte Russe Dmitri Pirog hat vor heimischem Publikum in Ekaterinburg den Titel der World Boxing Organization (WBO) im Mittelgewicht erstmals erfolgreich verteidigt. Er bezwang den Herausforderer Javier Maciel aus Argentinien einstimmig nach Punkten (115:112, 115:111, 117:110) und feierte in seinem 18. Profikampf den 18. Sieg. Für den unterlegenen Argentinier stehen nunmehr 18 gewonnene und zwei verlorene Auftritte zu Buche.

Da Javier Maciel zum ersten Mal in seiner Karriere im Ausland antrat, rechneten viele voreilig mit einer leichten Aufgabe, die Pirog im Handumdrehen abarbeiten werde. Der Latino-Champion der WBO bot dem Weltmeister jedoch energisch Paroli und hielt anfangs hinter einer soliden Deckung stand. Vom dritten Durchgang an ging er zunehmend zum Angriff über und lieferte dem Russen einen ausgeglichenen Kampf. War es Pirog, der in der vierten Runde leichte Wirkung erzielte, so revanchierte sich Maciel später mit einigen Körpertreffern. Im folgenden Durchgang traf der Argentinier dann mit wilden Schwingern, worauf der Titelverteidiger angeschlagen wirkte und seine Zuflucht im Klammern nahm. Erst als der Argentinier gegen Ende Konditionsprobleme bekam, konnte Pirog mit einem furiosen Endspurt glänzen, bei dem er mit sehenswerten Kombinationen zu Werke ging.

Wenngleich der Russe verdient nach Punkten gewann, konnte er in diesem Kampf keine Bäume ausreißen. Der argentinische Herausforderer belehrte die Skeptiker eines Besseren, die ihn als bloßes Kanonenfutter eingestuft hatten, und bereitete dem Weltmeister beträchtliche Probleme. Nach dem spektakulären K.o.-Sieg gegen Daniel Jacobs im Juli 2010 war Dmitri Pirog plötzlich in aller Munde. Nach dem mühsamen Arbeitssieg gegen Javier Maciel dürfte sich sein Marktwert im Kreis der Weltmeister auf ein realistischeres Maß einpendeln.

Da sein Promoter German Titov Vereinigungskämpfe mit anderen Champions im Mittelgewicht sicher nicht ausschließt, sollte er die deutschen Weltmeister Sebastian Sylvester oder Felix Sturm ins Auge fassen. Hingegen liegt der Argentinier Sergio Martinez gegenwärtig wohl außerhalb seiner Reichweite. Dessen Berater Sampson Lewkowicz zeigte sich jedenfalls wenig angetan von Pirogs jüngstem Auftritt und schloß im Gespräch mit BoxingScene ein Duell mit seinem Schützling aus. Der Russe solle den Namen Martinez besser nicht in den Mund nehmen, da noch eine Menge Arbeit vor ihm liege, wolle er sich für einen solchen Kampf qualifizieren und nicht zuletzt den Sender HBO überzeugen.

Sergio Martinez hatte im vergangenen Jahr überraschend den US-Star Kelly Pavlik als Weltmeister entthront und sein Können im November mit einem spektakulären Sieg über Paul Williams in der zweiten Runde bestätigt. Nachdem ihn der Verband WBC aufgefordert hatte, den Titel gegen Interimschampion Sebastian Zbik zu verteidigen, gab der Argentinier auf Anraten des Senders HBO den Gürtel kampflos zurück und trat statt dessen gegen Sergei Dsindsiruk an. Mitte März entzauberte Martinez den exzellenten Techniker und WBO-Weltmeister im Halbmittelgewicht in der siebten Runde, nachdem er den Ukrainer in diesem Kampf nicht weniger als fünfmal niedergeschlagen hatte.

Mit diesem überzeugenden Auftritt bekräftigte Sergio Martinez seine Ambitionen, dem Kreis der weltbesten Boxer aller Gewichtsklassen anzugehören. In diesem Klassement rangiert er derzeit hinter Manny Pacquiao und Floyd Mayweather jun., wobei der US-Amerikaner diese Einstufung zu verlieren droht, sollte er nicht bald in den Ring zurückkehren. Martinez will eigenen Angaben zufolge seinen Titel im Sommer freiwillig verteidigen, wofür als möglicher Herausforderer der frühere IBO-Champion Peter Manfredo im Gespräch sein soll. Im Herbst möchte der Argentinier dann gegen den Sieger des Kampfs zwischen WBC-Champion Sebastian Zbik und dessen Pflichtherausforderer Julio Cesar Chavez jun. antreten.

29. März 2011



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