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MELDUNG/455: David Haye will Pläne der Klitschkos torpedieren (SB)



Sieg gegen Wladimir soll Vitali zur Revanche zwingen

Der britische WBA-Weltmeister David Haye ist bekanntlich kein Kind von Traurigkeit und hat sich nicht nur dank seiner sportlichen Qualitäten an die Weltspitze des Schwergewichts durchgeboxt, sondern diesen Höhenflug auch mit seinem Mundwerk beflügelt. Daß der bevorstehende Kampf gegen Wladimir Klitschko zur Vereinigung der Titel als spektakulärstes und lukrativstes Duell in der Königsklasse seit Jahren gehandelt wird, verdankt sich nicht zuletzt den Tiraden und Provokationen des Briten, der sich mit boulevardesken Mitteln zum Intimfeind des ukrainischen Brüderpaars hochstilisiert hat.

Und da Bescheidenheit nicht gerade die hervorstechendste Eigenschaft des Briten ist, wird er nicht müde, seine persönliche Perspektive zum Maßstab der kommenden Ereignisse zu machen. Haye will seine Karriere wie angekündigt im Oktober beenden und zum krönenden Abschluß zuvor beide Klitschkos besiegen. Er wolle die Zukunftspläne der beiden kräftig durcheinanderwirbeln, indem er zunächst Wladimir ausschalten und damit Vitali veranlassen werde, seinen Bruder zu rächen. Dies könne dazu führen, daß der ältere Klitschko den Kampf gegen den Polen Tomasz Adamek absagt und statt dessen gegen ihn selbst antritt und dabei natürlich ebenfalls den kürzeren zieht, so der Brite.

Zwangsläufig stellt David Haye seit geraumer Zeit Überlegungen an, wie er mit den körperlich überlegenen Klitschkos fertig wird. Er werde nicht den Fehler der gescheiterten Herausforderer wiederholen und sich die Kampfesweise der Ukrainer aufzwingen lassen. Wladimir vermeide den Kampf in der Nahdistanz und halte seine Gegner lieber mit dem Jab auf Reichweite. Komme ihm ein Kontrahent zu nahe, lege er sich mit seinen 112 Kilo auf dessen Nacken und Rücken, wobei ihn die Ringrichter seltsamerweise gewähren ließen. Dies schwäche den Gegner, was man beispielsweise im Kampf gegen Samuel Peter gut studieren konnte. Wenngleich man nicht sagen könne, daß der Nigerianer andernfalls gewonnen hätte, habe dieses Manko doch seine Chancen zusätzlich gemindert.

Haye will sich Unterstützung bei seinem Landsmann Lennox Lewis holen, der seinerzeit Vitali Klitschkos Gesicht verwüstet habe. Lennox sei ein absoluter Profi und habe in seiner Ära alle geschlagen. Dies wolle er ihm nachmachen, weshalb er sich von ihm inspirieren lasse und taktische Tipps im Umgang mit den Ukrainern holen werde. Daß der Kampf gegen Wladimir Klitschko am 2. Juli in Hamburg über die Bühne geht, schreckt den Briten nicht. Er sei ans Reisen gewöhnt und habe seinerzeit Jean-Marc Mormeck in Paris und später Nikolai Walujew in Nürnberg den Titel abgenommen. Genau dasselbe werde er diesen Sommer in Deutschland wieder tun.


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Enad Licina nimmt einen neuen Anlauf

Am 12. Februar unterlag Cruisergewichtler Enad Licina in Mülheim dem Weltmeister der IBF in dieser Gewichtsklasse, Steve Cunningham aus den USA, der wie er bei Sauerland-Event unter Vertrag steht. Wenngleich ihm der erhoffte Erfolg verwehrt blieb, machte Licina gegen den erfahrenen Champion doch eine recht gute Figur, woraus er den Schluß zieht, in der Weltspitze mithalten zu können. Sein Auftritt habe ihm viel Anerkennung eingebracht, weshalb er überzeugt sei, den Titelgewinn zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.

Mit Karsten Röwer habe er den richtigen Trainer gefunden, da dieser nie versucht habe, seine Kampfesweise von Grund auf zu ändern, sondern in der Lage sei, mit den vorhandenen Fertigkeiten eines Boxers zu arbeiten. Auftrieb habe ihm zudem gegeben, daß sein Trainer an ihn glaube und er sich im gesamten Team wohlfühle.

Der 31 Jahre alte Licina, dessen Bilanz nun bei 19 Siegen und drei Niederlagen steht, bekommt am 7. Mai in Neubrandenburg Gelegenheit, einen neuen Anlauf zu nehmen. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung steht die Titelverteidigung des IBF-Weltmeisters Sebastian Sylvester gegen Daniel Geale im Mittelgewicht. In einem der Vorkämpfe trifft Enad Licina auf den Italiener Michele De Meo, für den 13 gewonnene und vier verlorene Auftritte zu Buche stehen.

23. April 2011



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