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MELDUNG/457: Wer kann den Klitschkos das Wasser reichen? (SB)



Arreola sieht Adamek gegen Vitali Klitschko auf verlorenem Posten

Die jahrelange Regentschaft der Klitschkos als Weltmeister dreier maßgeblicher Verbände im Schwergewicht hat dazu geführt, vor jedem ihrer Auftritte die ewig gleiche Frage zu wälzen, was den aktuellen Herausforderer im Unterschied zu seinen gescheiterten Vorgängern befähigen könnte, ernsthaft am Thron der Ukrainer zu rütteln. Dann läßt man gern Kandidaten zu Wort kommen, die das zumindest versucht haben, da man ihnen eine kompetentere Einschätzung als dem Gros jener Kommentatoren zutraut, die zu Recht oder Unrecht als Experten firmieren.

Den Polen Tomasz Adamek, der am 10. September mit dem Kampf gegen Vitali Klitschko ein für die Europameisterschaft im kommenden Jahr neu errichtetes Fußballstadion einweihen soll, zeichnet aus drei Gründen jene heißbegehrte Frische aus, welche die Schwergewichtsszene so schmerzlich vermissen läßt. Zum ersten war er früher Weltmeister im Halbschwer- und Cruisergewicht, so daß er nicht mit schierer Größe und Masse aufwarten kann, wohl aber über beträchtliche technische und taktische Fertigkeiten verfügt. Zweitens ist er seit seinem Aufstieg ins Schwergewicht in sechs Auftritten ungeschlagen, weshalb man ihm einen gewissen Nimbus attestieren kann. Als dritten Pluspunkt kann er für sich verbuchen, mangels Gelegenheit noch nie gegen einen Klitschko verloren zu haben und deshalb zumindest theoretisch für eine Überraschung gut zu sein. Hinzu kommt natürlich, daß ihn seine Landsleute frenetisch anfeuern werden und Vitali Klitschko mithin die Mehrzahl der Zuschauer gegen sich haben wird.

Daß all das nicht reichen wird, wenn Adamek gegen den WBC-Champion antritt, meint Chris Arreola, der als einziger Boxer mit beiden im Ring gestanden hat: Der 29 Jahre alte US-Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln räumt dem Polen allenfalls geringe Chancen ein. Wenngleich sich Arreola in beiden Fällen geschlagen geben mußte, bietet der unterschiedliche Verlauf der Kämpfe seines Erachtens doch klare Anhaltspunkte für eine recht sichere Prognose. Im September 2009 unterlag er in seinem bislang einzigen Kampf um die Weltmeisterschaft Vitali Klitschko durch Aufgabe nach der zehnten Runde, da er der Überlegenheit des Ukrainers nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Im April 2010 verlor er gegen Adamek nur knapp nach Punkten, wobei zwei Wertungen zugunsten des Polen ausfielen, während die dritte unentschieden lautete.

Im Gespräch mit On the Ropes Boxing Radio erklärte Arreola hinsichtlich einer Vorhersage, wie Adamek gegen Klitschko abschneiden werde, darauf falle ihm die Antwort leicht. Von Vitalis Fähigkeiten abgesehen könne man Größe nicht trainieren. Kombiniere man beides, komme eine Naturgewalt heraus. Tomasz Adamek sei kein besonders großer Schwergewichtler, und obwohl er selbst nicht so stark wie Vitali sei, habe er den Polen locker durch den Ring getrieben. Folglich sehe er Klitschko in diesem Duell eindeutig in Front. [1]

Obgleich man diese Einschätzung durchaus teilen kann, bleibt doch interessant, daß Wladimir Klitschko mit WBA-Weltmeister David Haye und Vitali Klitschko mit Tomasz Adamek jeweils Gegner vor die Fäuste bekommen, die sich nach bemerkenswerten Erfolgen im Cruisergewicht auch in der Königsklasse gegen körperlich überlegene Kontrahenten durchgesetzt haben. Die von den Klitschkos repräsentierte Suprematie physischer Bevorteilung harrt einer Widerlegung, die frischen Wind ins Schwergewicht brächte. Haye und Adamek wissen nur zu gut, daß sie auf verlorenem Posten stehen, sobald sie sich die Kampfesweise der Ukrainer aufzwingen lassen. Daher ist zumindest nicht auszuschließen, daß sie gerade in Anbetracht ihrer Unterlegenheit Strategien entwickeln, die sich als Gift für das perfektionierte Distanzboxen der Klitschkos erweisen.

Anmerkungen:

[1] http://www.boxen.de/news/chris-arreola-adamek-ist-gegen-vitali-chancenlos-9380

25. April 2011



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