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MELDUNG/460: Zsolt Erdeis zweiter Auftritt in den USA (SB)



Ungar kämpft in Atlantik City gegen Byron Mitchell

Im Halbfinale des Super-Six-Turniers trifft der britische WBC-Champion im Supermittelgewicht, Carl Froch, am 4. Juni in der Boardwalk City Hall in Atlantic City auf den gebürtigen Jamaikaner Glen Johnson. Von der Aufmerksamkeit, die dieses vom Sender Showtime in den USA vermarktete Duell auf sich zieht, könnte auch Zsolt Erdei profitieren, der im Vorprogramm einen Kampf gegen Byron Mitchell bestreitet. Für den Ungarn, der früher Weltmeister im Halbschwer- und Cruisergewicht war, ist dies nach der Trennung vom Hamburger Universum-Boxstall der zweite Auftritt unter der Regie seines neuen Promoters Lou DiBella. Der 36jährige Erdei gilt angesichts seiner makellosen Bilanz von 32 gewonnenen Profikämpfen als Favorit im Duell mit dem ein Jahr älteren Mitchell, für den 28 Siege, sieben Niederlagen und ein Unentschieden zu Buche stehen.

Zsolt Erdei, der in seiner Zeit bei Universum von Fritz Sdunek trainiert wurde, war fast sechs Jahre Weltmeister der WBO im Halbschwergewicht. Im November 2009 wurde er auf Anhieb WBC-Champion im Cruisergewicht, in dem er sich jedoch nicht wohlfühlte. Zur Rückkehr in seine angestammte Gewichtsklasse kam es aber beim Hamburger Boxstall nicht mehr, zumal sich Jürgen Brähmer inzwischen den WBO-Titel gesichert hatte.

Da die Gespräche mit Universum aus Sicht des Ungarn keine für ihn angemessene Perspektive erkennen ließen, kam es zur Trennung, worauf geraume Zeit ungewiß blieb, ob Erdei je wieder boxen würde. Er meldete sich schließlich mit der Ankündigung zurück, er habe in Europa fast alles erreicht und suche sein Glück nun in den USA. Dort wolle er mit namhaften Gegnern seiner Gewichtsklasse in den Ring steigen und sie besiegen. Wenngleich ihm bewußt sei, um welch große Herausforderung es sich handle, habe er doch derart schwierige Aufgaben nie gescheut. Er werde jedenfalls seine Karriere nicht beenden, ohne es in den USA versucht zu haben. Boxen sei nun einmal das, worauf er sich am besten verstehe, und da er sich gut fühle und noch immer ungeschlagen sei, wolle er die Handschuhe vorerst nicht an den Nagel hängen.

Nach einer langen Pause bestritt der Ungar unter Promoter Lou DiBella am 20. November in New Jersey sein Debüt in den USA. Im Vorprogramm des Titelkampfs im Mittelgewicht zwischen Sergio Martinez und Paul Williams traf Erdei in Atlantic City auf den Kenianer Samson Onyango, der 20 Auftritte gewonnen und sechs verloren hatte. Daß sein letzter Kampf gegen den Italiener Giacobbe Fragomeni ein Jahr zurücklag, merkte man dem Ungarn phasenweise durchaus an, was ihn jedoch nicht daran hinderte, am Ende klar nach Punkten zu gewinnen. Wie er im anschließenden Interview freimütig einräumte, habe sein Herz geklopft und er sei ein wenig zu zögerlich zu Werke gegangen. Nun habe er aber den Ringrost abgeschüttelt und werde sich bei seinem zweiten Auftritt in den USA besser in Szene setzen: "Ich bin für den nächsten Schritt bereit."

Lou DiBella hat ihm mit Byron Mitchell einen Gegner zugeteilt, der einst zur Weltspitze gehörte, inzwischen aber von seinem guten Namen früherer Tage zehrt. Der US-Amerikaner war von 2001 bis 2003 Champion der WBA im Supermittelgewicht und mußte durch eine knappe Punktniederlage im Vereinigungskampf den Gürtel an IBF-Weltmeister Sven Ottke abtreten. Nach diesem Titelverlust trat Mitchell bereits im nächsten Kampf gegen WBO-Weltmeister Joe Calzaghe an, dem er durch technischen K.o. in der zweiten Runde unterlag. In der Folge zog sich der US-Amerikaner vier Jahre zurück und erreichte nach seiner Wiederkehr nie mehr das Niveau seiner besten Tage. Bei seinem letzten Auftritt verlor er im November 2010 gegen Luis Garcia durch technischen K.o. in der zweiten Runde.

28. April 2011



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