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MELDUNG/469: Seifenoper in Endlosschleife - Pressekonferenz mit Klitschko und Haye (SB)



Gesamteinnahmen von 25 Millionen Euro erwartet

Der professionelle Boxsport zeichnet sich angesichts der notwendigen Regenerationsphasen zwischen den Auftritten dadurch aus, daß weitaus mehr und länger geredet als gekämpft wird. Wer sich erfolgreich vermarkten will, kann nicht umhin, den Medien Stoff für die überbrückende Berichterstattung zu liefern. Am besten geeignet sind dafür eingängige Klischees, die sich in der Boulevardpresse auf niedrigem Niveau reproduzieren lassen, und natürlich inszenierte Fehden, die man als Fortsetzungsgeschichte nach Belieben strecken kann.

Der britische Schwergewichtler David Haye verkauft sich mit großspurigen Tiraden und plumpen Provokationen als einzig relevante Alternative zu den Klitschkos, die er zum krönenden Abschluß seiner Karriere, deren definitives Ende er auf den Herbst terminiert hat, alle beide besiegen und als Weltmeister entthronen will. Die wortreiche Rüpelhaftigkeit des Briten erlaubt es wiederum dem ukrainischen Brüderpaar, sich dem deutschen Stammpublikum mit vermeintlichen Tugenden wie Sportlichkeit und guten Manieren anzudienen, wie auch Haye eine Tracht Prügel für dessen Frechheiten anzukündigen.

Das ewige Hin und Her zwischen den beiden Lagern mutet längst wie eine Seifenoper mit sattsam vertrauten Charakteren und einer überschaubaren Abfolge sich endlos wiederholender Versatzstücke an, deren Reiz offenbar darin besteht, den Zuschauer vor Tiefgang und Dialogstärke zu verschonen. Bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz von Wladimir Klitschko und David Haye seit knapp zwei Jahren gaben sich die Kontrahenten unversöhnlich, wobei der Brite wie üblich den Part des rotzigen Tunichtguts übernahm und seinem Widersacher den obligatorischen Handschlag vor laufender Kamera verweigerte. Dann starrten die beiden einander geschlagene drei Minuten lang Nase an Nase in die Augen, als gelte es in einem optischen Armdrücken vulgärpsychologisch eine Vorentscheidung herbeizuführen, bis Hayes Manager Adam Booth schließlich ein Blatt Papier dazwischenhielt und die Streithähne trennte.

Natürlich kamen die obligatorischen Gesten nicht ohne mehr oder minder pompöse verbale Drohgebärden aus, auf die sich der bescheidene Unterhaltungswert solcher Ereignisse meist zu beschränken pflegt. Der 35 Jahre alte Wladimir Klitschko will Haye in der Fußballarena des Bundesligisten Hamburger Sportverein, die am Abend des Spektakels voraussichtlich 40.000 Zuschauern Platz bieten wird, umhauen und damit den 50. Knockout seiner Karriere feiern. Der Brite habe in der Vergangenheit viel versprochen, ohne daß jemals etwas dabei herausgekommen sei. Er hoffe sehr, daß Haye am 2. Juli tatsächlich auftaucht. Da Skepsis geboten sei, habe er vertraglich festschreiben lassen, daß der Brite den Ring vor ihm betritt. Er selbst werde erst dann aus seiner Kabine kommen, wenn David Haye sich wirklich zeigt, lästerte der Ukrainer.

Im Gegenzug ließ der 30jährige Brite kein gutes Haar an Klitschko und behauptete, dieser habe bislang nur gegen Fallobst geboxt. Wladimirs Karriere sei künstlich gemacht und gründe auf Gegnern, die nur kamen, um sich ihren Scheck abzuholen. Er selbst habe hingegen seine Karriere erarbeitet und sei kein handverlesener Statist: "Ich bin anders, ich kann seine Gedanken lesen. Ich werde ihn k.o. schlagen und seine Geschichte beenden", so der "Hayemaker".

Wladimir Klitschko hat 55 Kämpfe gewonnen, drei verloren und ist Weltmeister der IBF, WBO sowie der unbedeutenden IBO. Für WBA-Champion David Haye stehen 25 Siege und eine Niederlage zu Buche. Das Duell der beiden Titelträger, das bereits im Sommer 2009 zustande kommen sollte, dann aber von Haye wegen einer angeblichen Verletzung abgesagt worden war, gilt als der bedeutendste Schwergewichtskampf seit Jahren. "Das ist das aktuelle Nonplusultra im Boxsport", verkündete Klitschkos Manager Bernd Bönte. Da beide Boxer Knockouter seien, werde der Kampf sicher nicht über zwölf Runden gehen. Die Rede ist von Fernsehübertragungen in 150 Länder, erwartet werden Gesamteinnahmen von rund 25 Millionen Euro, die sich die beiden Lager je zur Hälfte teilen.

11. Mai 2011



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