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MELDUNG/472: Londoner Gastspiel Brähmers gegen Waliser Cleverly (SB)



Interessantes Duell zweier britischer Talente im Vorprogramm

Am 21. Mai verteidigt Weltmeister Jürgen Brähmer aus dem Hamburger Universum-Boxstall den WBO-Titel im Halbschwergewicht in der Londoner O2-Arena gegen den Pflichtherausforderer Nathan Cleverly aus Wales. Während Cleverly in 21 Profikämpfen ungeschlagen ist, steht Brähmers Bilanz bei 36 Siegen und zwei Niederlagen. Der 32jährige Schweriner hat seinen Gürtel zuletzt im April 2010 gegen den Argentinier Mariano Nicolas Plotinsky durch technischen K.o. in der fünften Runde erfolgreich verteidigt.

Sein aufstrebender Rivale Cleverly, der gut acht Jahre jünger als der Weltmeister ist, entschied am 18. September einen Ausscheidungskampf in Birmingham gegen Karo Murat, der bei Sauerland Event unter Vertrag steht, für sich. Der Waliser ergriff sofort die Initiative und beherrschte in den Anfangsrunden das Geschehen im Ring, während sich Murat schlecht zurechtfand. Von Trainer Ulli Wegner energisch ins Gebet genommen, kam Karo Murat schließlich besser in den Kampf und traf Cleverly nun häufiger, der jedoch alles wegsteckte und sich nicht aus dem Konzept bringen liegt. Im offenen Abtausch wirkte Murat schließlich angeschlagen und fand außer seinem unermüdlichen Kampfgeist kein Mittel gegen den unverminderten Druck des Gegners. Als Karo Murat zur zehnten Runde aus seiner Ecke kommen wollte, brach der Ringrichter auf Anraten des Arztes den Kampf ab, in dem der Deutsche zu viele Treffer eingesteckt hatte.

Für Karo Murat war es die erste Niederlage im 23. Profikampf, während Nathan Cleverly auch bei seinem 20. Auftritt ungeschlagen blieb. Der Waliser bestätigte in der Folge seinen Anspruch, als Pflichtherausforderer gegen den Weltmeister anzutreten, durch einen überzeugenden Sieg gegen den Franzosen Nadjib Mohammedi.

Jürgen Brähmer freut sich nach eigener Aussage auf den Kampf gegen Nathan Cleverly und ist zuversichtlich, in London den Sieg davontragen zu können. Das Umfeld werde ihn nicht irritieren, da nur die Situation im Ring maßgeblich sei, und dort werde er den Waliser besiegen. Promoter Klaus-Peter Kohl unterstrich, daß Jürgen Brähmer keine leichte Aufgabe vor sich habe, da Cleverly ein junger und hungriger Boxer sei. Für Brähmer sprächen jedoch die Erfahrung und seine Schlagwirkung, so daß er als zweiter Universum-Boxer aus London mit dem Gürtel heimkehren werde.

Im Vorprogramm des Titelkampfs kommt es zu einer attraktiven Begegnung im Supermittelgewicht, wo mit Olympiasieger James DeGale und George Groves die beiden bislang ungeschlagenen britischen Talente in dieser Gewichtsklasse aufeinandertreffen. Groves steht bei den Hayemaker Promotions unter Vertrag, wobei es sich David Haye nicht nehmen lassen will, am Samstag persönlich in der Ecke zu stehen. Wie der WBA-Champion im Schwergewicht gegenüber dem Sunday Star sagte, sei er noch aufgeregter als wegen seines eigenen Kampfs gegen Wladimir Klitschko. Die Rivalität der Supermittelgewichtler sei noch schärfer als jene zwischen ihm selbst und Klitschko, da sich die beiden seit ihrer Kindheit kennen. Die Feindschaft sitze so tief, daß er eine Intensität wie seinerzeit im legendären Kampf zwischen Chris Eubank und Nigel Benn erwarte.

Er habe etliche Sparringsrunden mit George Groves absolviert und wisse daher aus eigener Erfahrung, wie zäh und willensstark dieser sei. Groves kämpfe bis zum Ende und werde sich dank dieser Qualitäten durchsetzen. James DeGale erinnere ihn irgendwie an Audley Harrison. Er stamme aus demselben Teil Londons, sei ein hochgewachsener Rechtsausleger, habe keinen Punch und rede viel: "Ich sehe viele Ähnlichkeiten - George hingegen ist die Wahrheit." Mit diesem Seitenhieb spielte David Haye auf den Sieg gegen seinen britischen Landsmann Harrison an, der die Niederlage so passiv über sich ergehen ließ, daß die Boxkommission sogar in Erwägung zog, ihm die Börse vorzuenthalten.

17. Mai 2011



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