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MELDUNG/483: Niederlagen werfen Abraham nicht aus der Bahn (SB)



Berliner will seine Karriere fortsetzen

Ungeachtet seiner drei Niederlagen in Folge, die er im Turnier der namhaften Supermittelgewichtler gegen Andre Dirrell, Carl Froch und zuletzt Andre Ward bezogen hat, will Arthur Abraham die Boxhandschuhe nicht an den Nagel hängen. Der frühere IBF-Weltmeister im Mittelgewicht, für den der Aufstieg ins höhere Limit in ein Debakel mündete, sagte im Gespräch mit der Berliner Tageszeitung (B.Z.), das Leben gehe weiter, er gebe nicht auf. Er wolle unbedingt noch Weltmeister im Supermittelgewicht werden. Das bleibe sein großes Ziel.

Am 14. Mai war Abraham, der bei Sauerland Event unter Vertrag steht und von Ulli Wegner trainiert wird, im Halbfinale des Super-Six-Turniers ausgeschieden, als er im kalifornischen Carson bei Los Angeles deutlich nach Punkten gegen Lokalmatador Andre Ward verlor. Nur in den ersten drei Runden schien Abraham von seinen alten Untugenden kuriert, boxte er doch angriffslustig und irritierend für seinen US-amerikanischen Gegner. Danach zog sich der Berliner jedoch wie so oft in der Vergangenheit hinter eine Doppeldeckung zurück und überließ dem 27 Jahre alten Ward das Feld, der stetig Punkte sammelte und bald uneinholbar in Führung lag.

Zu spät versuchte Abraham, nach alter Manier den Kampf durch einen Niederschlag umzudrehen, doch geriet er damit auch bei diesem Kontrahenten an den falschen. Andre Ward hat seit 1997 - damals kämpfte er noch im Amateurlager - keinen Kampf mehr verloren und als Profi 24 Gegner besiegt. Er ist das, was man jenseits des großen Teichs einen "Stinker" nennt, da er sich insbesondere darauf verlegt, seinen Gegner zu stören und dessen Taktik zu durchkreuzen, wobei er sich nicht scheut, auch mit regelwidrigen Mitteln zu Werke zu gehen. Ward boxte aus der Distanz und verhinderte sofort durch Abtauchen oder Klammern weitere Aktionen, sobald Abraham ihm zu nahe kam. Wie immer hatte der US-Amerikaner den Ringrichter auf seiner Seite, der nicht einmal die Tiefschläge monierte, die Abraham in der zehnten Runde aus dem Konzept bringen sollten.

Allerdings unterstreicht die Wertung der Punktrichter (120:108, 118:110, 118:111), daß der Berliner klar unterlegen war und auch von den unsauberen Praktiken seines Gegners abgesehen zu Recht verloren hat. Wie schon gegen Andre Dirrell und den Briten Carl Froch reicht es für Abraham im Supermittelgewicht offensichtlich nicht, Runde für Runde abzuwarten, bis der Kontrahent sich verausgabt hat, um dann über ihn herzufallen und ihn niederzuschlagen. Das hat im Mittelgewicht funktioniert und den Wegner-Schützling zum Weltmeister gemacht, was ihn zu der Überzeugung verleitete, er boxe schlauer als die Konkurrenz. In der höheren Gewichtsklasse fallen ihm die eigenen technischen und taktischen Grenzen mit voller Wucht auf die Füße, da er offenbar gegen hochklassige Gegner keine Chance hat, die den Kampf auf die eine oder andere Weise zu dominieren verstehen.

Wie der 31 Jahre alte Berliner im aktuellen Interview unterstrich, setze er weiterhin auf seinen Trainer Ulli Wegner: "Wir haben so lange erfolgreich zusammengearbeitet, das will ich nicht einfach wegwerfen." Auch an seiner Verbundenheit mit Promoter Wilfried Sauerland gebe es nichts rütteln, da er menschlich und geschäftlich bestens mit ihm klarkomme.

28. Mai 2011



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