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MELDUNG/491: Sebastian Zbik muß Julio Cesar Chavez den Gürtel überlassen (SB)



Umstrittene Punktniederlage gegen den Mexikaner in Los Angeles

Für den deutschen Boxsport war dies ein weiterer Tiefschlag: Nach den drei Niederlagen Arthur Abrahams im Super-Six-Turnier, dem Titelverlust Sebastian Sylvesters und der Aberkennung des Gürtels von Jürgen Brähmer ist nun auch Sebastian Zbik als Weltmeister entthront worden. Besonders bitter ist das für die Universum Box-Promotion, die damit ihren letzten verbliebenen Champion verlor.

Bei seinem ersten Auftritt in Übersee ging der 29 Jahre alte WBC-Weltmeister im Mittelgewicht von Beginn an energisch zu Werke und dominierte den Herausforderer Julio Cesar Chavez aus Mexiko zunächst. Die mehrheitlich mexikanischen Zuschauer sahen im Staples Center in Los Angeles einen Titelverteidiger, der lehrbuchmäßig und variabel boxte, während sein kleinerer Gegner in gebückter Haltung mit dem Kopf nach vorn den Infight suchte und beidhändig zum Körper schlug. Bereits in dieser Phase mußte Zbik einen Tiefschlag verkraften, doch fing er sich bald wieder. Auch in der dritten und vierten Runde zeigte sich der Mecklenburger mit hohem Druck und sehenswerten Kombinationen überlegen.

Von der fünften Runde an mußte Zbik seinem hohen Tempo und den zahlreichen Körpertreffern allmählich Tribut zollen. Von seinen Landsleuten stürmisch angefeuert kam Chavez besser zur Geltung, gestaltete den Kampf ausgeglichen und gewann mit seinen Haken und Schlägen zum Körper Schritt für Schritt die Oberhand. Um Kopfstöße zu vermeiden, drückte Zbik den Kopf seines Gegners des öfteren nach unten, was dem Herausforderer freie Bahn für Körpertreffer verschaffte. Mehrfach schlug der Mexikaner unter die Gürtellinie, ohne daß der Ringrichter dies geahndet hätte. Wenngleich der Kampf im letzten Drittel abflachte, machte doch Chavez die bessere Figur, da dem Titelverteidiger die Luft auszugehen schien. Zwar schlug Zbik nach wie vor genauer, doch fehlte es seinen Treffern an Wirkung, um den Gegner zu beeindrucken oder gar eine vorzeitige Entscheidung herbeizuführen.

Gegen Ende erhöhte der Herausforderer noch einmal den Druck und ließ dabei keine Konditionsprobleme erkennen. Zbik bäumte sich nicht mehr auf und mußte eine Niederlage nach Punkten hinnehmen, die ihn den Titel kostete (114:114, 115:114, 116:112). Der Mecklenburger wurde im 31. Profikampf erstmals besiegt, während der 25 Jahre alte Chavez nun 43 Auftritte gewonnen und einen unentschieden beendet hat, wobei ein weiterer ohne Wertung blieb.

Auf der anschließenden Pressekonferenz ließ Sebastian Zbik seinen Zweifeln am Ausgang des Duells freien Lauf. Chavez habe zwar einen starken Kampf geboten und ihn mehrmals hart getroffen. Dennoch verstehe er nicht, was für einen Kampf die Punktrichter gesehen hätten. Er selbst sei nach vorn marschiert, habe den Kampf gemacht, viel öfter getroffen und sei dennoch der Verlierer. Einige enge Runden seien leider Chavez zuerkannt worden, das mache letztlich den Unterschied, bilanzierte Zbik enttäuscht. Er fühle sich genauso betrogen wie seinerzeit Axel Schulz 1995 gegen George Foreman und Felix Sturm bei dessen Titelverlust gegen Oscar de la Hoya 2005 in Las Vegas.

Zbiks Manager Dietmar Poszwa sprach von einem spannenden Kampf. Beiden Boxern gebühre Anerkennung, doch habe Sebastian, auf den man stolz sein könne, das Duell definitiv nicht verloren. Man wolle sich zunächst in Ruhe beraten, um dann weitere Schritte in Erwägung zu ziehen. Auf jeden Fall werde man nichts unversucht lassen, um einen erneuten Kampf um die Weltmeisterschaft möglich zu machen.

Die Statistik spricht eindeutig für Sebastian Zbik, der insgesamt häufiger schlug und traf als sein Gegner. Allerdings treffen bei Duellen zwischen europäischen und US-amerikanischen Boxern oftmals nicht nur unterschiedlich gelagerte Stile und Kampfesweisen, sondern auch voneinander abweichende Prioritäten der Punktrichter aufeinander. Man geht sicher nicht fehl in der Annahme, daß Julio Cesar Chavez von seinem Heimvorteil profitiert hat und der Kampf in Deutschland anders ausgegangen wäre.

5. Juni 2011



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