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MELDUNG/509: Emanuel Steward möchte David Haye künftig trainieren (SB)



Erfolgstrainer will Briten nach der Niederlage übernehmen

Vor dem Duell der Schwergewichtsweltmeister, bei dem am 2. Juli Wladimir Klitschko (WBO, IBF, IBO) und David Haye (WBA) in der Hamburger Intech Arena vor großer Kulisse aufeinandertreffen, läßt der Brite nichts unversucht, seinen Gegner zu provozieren. Wie er in einem Interview mit dem "Spiegel" ankündigte, werde er Wladimir am Kinn treffen, an den Armen, den Schultern, im Nacken. "Wladimir ist kein geborener Fighter wie ich. Wenn wir beide Tiere wären, dann wäre ich ein Leopard und er ein beschissener Esel", stänkert Haye unermüdlich.

Dabei räumt der 30jährige unumwunden ein, daß es ihm nicht zuletzt darum geht, Aufmerksamkeit zu erregen. Er überlege sich, wie er aus seinem Kampf ein Drama machen, wie er Schlagzeilen produzieren könne. "Die Leute sollen denken: Wer ist dieser Kerl? Und dann schauen sie sich den Kampf an, weil sie wissen wollen, ob ich was kann. Oder weil sie hoffen, daß ich verprügelt werde." Wenn der Brite im Interview behauptet, er sei als Kind bei den Pfadfindern gewesen und habe noch mit 23 Jahren am Daumen gelutscht, dürfte auch dies einzig und allein der Absicht geschuldet sein, für Querschüsse zu sorgen.

Zugleich versucht David Haye aber auch, Wladimir Klitschko zu irritieren und aus dem Konzept zu bringen. Sein Plan sei es, der Stachel im Fleisch seines Gegners zu sein: "Ich will meinem Gegner unter die Haut gehen. Er soll wütend auf mich sein. Er soll mich hassen." Obgleich der Ukrainer sieben Zentimeter größer und rund zwölf Kilo schwerer ist, gibt sich der Brite überzeugt, den Kampf am Samstagabend im Hamburger Fußballstadion gewinnen zu können.

Wladimir sei zwar der beste Boxer, mit dem er je im Ring gestanden habe, doch kämpfe der Ukrainer wie ein Roboter. Führhand, Führhand, Klammern, heiße es monoton. "Wenn er eine Lücke in meiner Deckung findet, wird es schwer für mich. Aber das wird er nicht schaffen. Er hat nur gegen fette Puddings gekämpft, die sich nicht wehren konnten. Nun trifft er zum ersten Mal auf einen Gegner, der fitter ist als er, der besser boxt. Ich werde ein Zauberwürfel sein, den er nicht lösen kann."

Dann schwelgt der Brite, der von seinen 25 Siegen 23 durch K.o. erzielt und nur einen Kampf verloren hat, in Siegesphantasien. Er sehe Vitali Klitschko am Ring stehen und eine weiße Fahne schwenken: "Der will den Kampf stoppen, weil er weiß, daß Wladimir schlimme Schmerzen hat." Wladimir Klitschko hingegen bedient sich zurückhaltender Worte. Er werde David Haye bessere Manieren beibringen, ihn zwölf Runden lang vermöbeln und kurz vor dem Schlußgong zur Krönung auf die Bretter schicken.

Angetan von David Hayes Können ist offenbar Wladimir Klitschkos Trainer Emanuel Steward. Wie der 66jährige in einem Interview mit der britischen Zeitung "News Of The World" ankündigte, möchte er den Briten in Zukunft trainieren. Er würde gern mit David zusammenarbeiten, der ein schneller Puncher sei und viel Power habe. Er verfüge in Kopf und Oberkörper über eine ausgezeichnete Beweglichkeit, er wirke dabei wie ein explosiver Sugar Ray Leonard.

Emanuel Steward gilt als Experte der Kunst, den Stärken und Schwächen seines jeweiligen Schützlings auf eine Weise Rechnung zu tragen, die einen Champion aus ihm formt. Der legendäre US-Amerikaner hat zahlreiche Weltmeister unter seinen Fittichen gehabt, darunter auch Lennox Lewis und Wladimir Klitschko. Und insbesondere ist ihm schon mehrfach gelungen, talentierte Boxer nach einer schweren Niederlage zu übernehmen und wieder aufzubauen.

Steward ist überzeugt, daß David Haye auch nach seiner Niederlage gegen Wladimir Klitschko, von der der Trainer wie selbstverständlich ausgeht, eine Zukunft im Boxsport haben könnte. Er müsse diese Rückschläge verkraften und könne es schaffen zurückzukommen, nachdem Wladimir ihn geschlagen habe. Haye sei schnell, verfüge über Schlagwirkung und kämpfe spektakulär. Er könne nach wie vor ein Faktor im Schwergewicht sein. Es gebe zwar Wladimir und seinen älteren Bruder Vitali, doch die anderen Akteure der Königsklasse seien schwer und schlampig.

27. Juni 2011



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