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MELDUNG/514: Enormer Gewichtsunterschied zwischen Klitschko und Haye (SB)



Was setzt der Brite den physischen Vorteilen des Ukrainers entgegen?

Beim offiziellen Wiegen trafen Wladimir Klitschko und David Haye zum letzten Mal vor ihrem Kampf im Hamburger Fußballstadion aufeinander. Der etwa zehn Zentimeter größere Ukrainer brachte mit einem Gewicht von 110 kg beachtliche 13,5 kg mehr auf die Waage als der Brite, für den 96,5 kg registriert wurden. Bei beiden Boxern entspricht dies in etwa ihrem optimalen Kampfgewicht. Haye, der ein Kilo schwerer als bei seinem letzten Kampf gegen Audley Harrison ist, hat als Amateur im Halbschwergewicht begonnen und 21 seiner insgesamt 26 Profikämpfe im Cruisergewicht bestritten, wo er Weltmeister mehrerer Verbände war. Klitschko ist zwei Kilo leichter als im September 2010 gegen Samuel Peter.

Vitali Klitschko zeigte sich von Hayes vergleichsweisen niedrigem Gewicht überrascht, das den Briten zum zweitleichtesten Gegner in der Profikarriere Wladimir Klitschkos macht. David Haye sei einfach zu leicht, befand der ältere Bruder, er sei kein echtes Schwergewicht. Um in dieser Gewichtsklasse zu bestehen, müsse man ein echtes Schwergewicht wie Wladimir sein, der seine gesamte Laufbahn im höchsten Limit gekämpft habe. An eine leichte Aufgabe in der Hamburger Imtech Arena glaubt Vitali Klitschko dennoch nicht, zumal kein Experte der Welt einen Schwergewichtskampf vorhersagen könne, in dem oftmals ein einziger Treffer über Sieg und Niederlage entscheide.

Exweltmeister Mike Tyson räumt David Haye nur geringe Chancen ein und rechnet nicht mit einem langen Kampf. Logisch betrachtet werde Klitschko durch K.o. gewinnen. Als neutraler Beobachter gehe er davon aus, daß der Brite nach zwei oder drei Runden geschlagen am Boden liegt. David habe nie jene Schlagwirkung an den Tag gelegt, die einen Gegner vom Kaliber des Ukrainers in den Rückwärtsgang zwingen kann. "Klitschko hat keine Schwachpunkte, es sei denn, er bekommt einen Herzinfarkt in diesem Kampf", schließt Tyson seine Prognose.

Der 62jährige frühere Champion George Foreman rechnet hingegen mit einem Kampf über volle zwölf Runden, den David Haye knapp nach Punkten gewinnen könne. Der Brite werde defensiv boxen und seinen Gegner mit einzelnen schnellen Aktionen überraschen. Da Haye nicht über den Punch verfüge, den er im Mund führt, werde er Klitschko kommen lassen und auf seine eigene Beweglichkeit setzen. Wladimir ziehe es vor, den Kampf aus der Defensive mit seinem linken Jab zu kontrollieren. Gegen einen wendigen Mann wie Haye aktiv zu boxen, liege ihm weniger. Daher sei mit einem zähen, von Taktik geprägten Kampf über die gesamte Distanz zu rechnen, in dem der flinke Brite leichte Vorteile bei den Punktrichtern haben werde.

Lennox Lewis, der das Spektakel für den britischen Sender Sky Sports vor Ort kommentieren wird, ist überzeugt, daß sein Landsmann in Deutschland nur durch K.o. gewinnen kann. Er habe den Kampf zwischen Felix Sturm und Matthew Macklin gesehen und sei schockiert, daß so etwas heute noch möglich ist. Klitschko sei auf Grund des Heimvorteils, seiner Erfahrung und nicht zuletzt wegen seines Trainers Emanuel Steward favorisiert. Andererseits sei Haye sein gefährlichster Gegner seit langem und werde sofort versuchen, Wladimir kalt zu erwischen und am Kinn zu treffen. Die wenigen Boxer, die das in der Vergangenheit gewagt hätten, seien damit gut gefahren. "Ich weiß ganz genau, daß David Haye zu denen gehört, die rausgehen, um Wladimir zu treffen."

2. Juli 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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