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MELDUNG/528: Europameister Eduard Gutknecht müht sich zum Sieg (SB)



Lorenzo di Giacomo chancenlos aber unbequem

Im Münchner Olympia-Eisstadion hat Europameister Eduard Gutknecht den Titel im Halbschwergewicht erstmals erfolgreich verteidigt. Der 29 Jahre alte Champion aus dem Sauerland-Boxstall besiegte den Italiener Lorenzo di Giacomo über zwölf Runden einstimmig nach Punkten (120:105, 119:107, 119:107). In einem zerfahrenen Kampf dominierte Gutknecht auf Grund seiner besseren Technik nahezu jede Runde, doch erwies sich der Italiener wie befürchtet als unbequemer Boxer, dessen unorthodoxe und bisweilen unsaubere Aktionen kaum einen Gegner gut aussehen lassen. Zudem bediente sich der Herausforderer in der zweiten Hälfte einiger Tricks, um über die volle Distanz zu kommen.

Der Titelverteidiger machte von Beginn an die bessere Figur und brachte in der zweiten Runde Treffer ins Ziel. Er hatte gegen den kleineren Italiener aus der Distanz deutlich Vorteile, ließ sich aber zu oft auf den Infight ein. In den folgenden beiden Durchgängen leistete der Herausforderer heftige Gegenwehr, ohne jedoch die Dominanz des Europameisters zu brechen. Gutknecht mühte sich ab, mit seinen boxerischen Fähigkeiten zum Zuge zu kommen, was ihm aber nur eingeschränkt gelang. Obgleich er diverse Körpertreffer anbringen konnte, hielt di Giacomos Deckung stand, der bei seinen wilden Attacken den einen oder andern Schwinger ins Ziel brachte.

In der achten Runde schien der Italiener konditionell deutlich abzubauen. Der Gifhorner schickte ihn mit Körpertreffern auf die Bretter, doch wurde kein Niederschlag gegeben, da er sich aufgestützt hatte. Ab der elften Runde klagte Giacomo über Probleme mit dem Ohr, wobei unklar blieb, ob er sich damit womöglich lediglich Luft verschaffen wollte. Der Herausforderer wirkte zunehmend desinteressiert und bekam wegen Kopfstoßens zwei Punkte abgezogen, worauf er sich im letzten Durchgang fast ausschließlich auf den Rückwärtsgang beschränkte. Gutknecht versuchte nachzusetzen, konnte den Italiener jedoch nicht entscheidend treffen.

Er sei froh, den Titel zum ersten Mal verteidigt zu haben, könne mit seiner Leistung jedoch nicht zufrieden sein, befand Gutknecht hinterher. Irgendwie sei ihm der Gegner immer weggerutscht. "Ich war heute etwas unkonzentriert und hätte besser boxen können. Ich muß noch besser umsetzen, was Herr Wegner von mir fordert. Das ist mir heute gleich zu Beginn nicht so recht gelungen."

Trainer Wegner unterstrich im anschließenden Interview, daß sein Schützling viel mehr könne, als er an diesem Abend gezeigt habe. "In vielen Situationen hat er sein großes Können angedeutet. Daß er es voll zur Entfaltung bringt, daran werden wir zusammen arbeiten. Das geht auch nicht von jetzt auf gleich - wir sind ja erst seit kurzer Zeit ein Team." Der Geschäftsführer von Sauerland Event, Chris Meyer, wies darauf hin, daß Gutknecht nach diesem Sieg in den Top 15 aller Weltverbände geführt werde. Es sei von Vorteil, Erfahrungen gegen zähe Gegner gesammelt zu haben, da im nächsten Schritt eine schwere Pflichtverteidigung anstehe.


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Dominik Britsch sichert sich einen Titel

In einem weiteren Kampf des Münchner Vorprogramms gewann Dominik Britsch, der ebenfalls von Ulli Wegner trainiert wird, durch technischen K.o. in der neunten Runde gegen den US-Amerikaner Ryan Davis den Intercontinentaltitel der IBF im Mittelgewicht. Der 23jährige Neckarsulmer beherrschte in den ersten drei Runden eindeutig das Geschehen. Nachdem Davis in der Folge besser zur Geltung kam, stellten mahnende Worte Wegners an seinen Boxer wieder die ursprünglichen Verhältnisse her. Als der US-Amerikaner den Serien Britschs nichts mehr entgegenzusetzen hatte, machte der Ringrichter dem ungleichen Kampf ein Ende. Der vielversprechende deutsche Mittelgewichtler freute sich über den Titel und seinen Einzug unter die Top 15 seiner Gewichtsklasse. Nun wolle er den Gürtel so schnell wie möglich verteidigen und eines Tages natürlich Weltmeister werden.


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Arthur Abraham kehrt ins Mittelgewicht zurück

Nach drei Niederlagen in fünf Kämpfen des Supermittelgewichts zieht Arthur Abraham Konsequenzen und kehrt auf Drängen Promoter Sauerlands ins Mittelgewicht zurück. Dort war der 31jährige Berliner ungeschlagen und Weltmeister der IBF gewesen. Wie Wilfried Sauerland mitteilte, bekomme Arthur eine neue Chance. Er solle sich in zwei oder drei Aufbaukämpfen vom Gewicht her schrittweise auf das Limit des Mittelgewichts zubewegen.

Abraham, dessen nächster Auftritt für November ins Auge gefaßt ist, gibt sich überzeugt, in seiner alten Gewichtsklasse wieder an seine Glanzzeiten anschließen zu können. Man solle ihn nicht abschreiben, weil er zuletzt verloren habe. Er verfüge nach wie vor über sportlichen Ehrgeiz und werde beweisen, daß er zurückkommen könne.

18. Juli 2011



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