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MELDUNG/532: Britisches Kräftemessen zweier Schwergewichte (SB)



Tyson Fury und Dereck Chisora küren den Kronprinzen

Die britische Schwergewichtsszene profitiert in jüngerer Zeit von der Stagnation in der Königsklasse, hervorgerufen durch die Dominanz der Klitschkos, denen seit Jahren kein Herausforderer mehr das Wasser reichen kann. Da sich in den USA kein talentierter Nachwuchs in Szene setzen konnte und das ukrainische Brüderpaar jenseits des großen Teichs weitaus weniger zugkräftig ist als in Europa, avancierten englische Akteure zu unverbrauchten und vielversprechenden Anwärtern auf einen Titelkampf. Namentlich David Haye verstand es, sich mit gewaltigem Werbeaufwand in eigener Sache zu einem Kandidaten hochzustilisieren, der einen Umbruch herbeiführen könnte. Zwar gelang es ihm nicht, Wladimir Klitschko wie angekündigt vom Thron zu stoßen, doch hielt er sich bei der Niederlage im Hamburger Stadion besser, als die nachträglichen Kritik glauben machen wollte, die zu wesentlichen Teilen der Enttäuschung über die ausgebliebene Sensation geschuldet war.

Als sich das Duell zwischen Haye und Klitschko auf unabsehbare Zeit verzögerte, winkte Dereck Chisora die Chance, als Herausforderer des Ukrainers in die Bresche zu springen. Im Dezember 2010 verhinderte jedoch eine Verletzung Wladimir Klitschkos dieses Duell, der auf Grund derselben Malaise im Frühjahr auch den angesetzten Nachholtermin absagen mußte. Allerdings zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine mögliche Einigung zwischen ihm und Haye ab, so daß man wohl zwischen den Zeilen lesend vermuten kann, daß Chisora, der nie mehr als ein bloßer Ersatzkandidat gewesen war, nicht zuletzt dem wesentlich attraktiveren Duell mit David Haye zum Opfer fiel.

Am Samstag kommt es nun zu einem reizvollen Kräftemessen zweier britischer Schwergewichtler, bei dem Dereck Chisora auf seinen Landsmann Tyson Fury trifft. Beide sind in vierzehn Profikämpfen ungeschlagen, doch gilt Fury in dieser Auseinandersetzung trotz der zeitweiligen Anwartschaft seines Gegner auf einen Titelkampf mit Klitschko als Favorit. Er ist nicht nur ein Hüne von Gestalt, sondern verfügt auch nach Einschätzung Emanuel Stewards über so viel Talent, daß der renommierte Trainer sich vorstellen kann, aus ihm einen künftigen Champion zu formen.

In diesem Kampf wird die Frage geklärt, wer hinter David Haye, der seine Karriere womöglich im Oktober beenden wird, zum britischen Kronprinzen in der höchsten Gewichtsklasse avanciert. Nebenbei steht auch die britische und die Commonwealthmeisterschaft auf dem Spiel, da Chisora im Besitz beider Titel ist. Das Beispiel Hayes vor Augen, der seine werbewirksame Fehde mit den Klitschkos unermüdlich durchgetragen und sich erfolgreich in die Medien geredet hat, was mit einer riesigen Börse honoriert wurde, nimmt auch Tyson Fury kein Blatt vor den Mund. Er scheut vor dem bislang bedeutendsten Kampf seiner Karriere vor riskanten Prognosen nicht zurück und geht dabei so weit, seine Karriere vom Ausgang dieses Duells abhängig zu machen. Obgleich er erst 22 Jahre alt ist und damit im Prinzip noch Jahrzehnte in diesem Geschäft vor sich hat, will er im Falle einer Niederlage die Boxhandschuhe an den Nagel hängen.

An seinem Gegner läßt er dabei kein gutes Haar, was für die Berichterstattung in der Presse natürlich weit interessanter als die einförmige Leerformel ist, man wisse um die Stärke des Kontrahenten, werde ihn aber dennoch besiegen. Seine Karriere wäre vorbei, würde er Chisora nicht schlagen, verkündet Fury, da er im Falle eines Scheiterns kein Recht hätte, sich Profiboxer zu nennen. Er halte ihn für eine Flasche und wäre selbst eine noch viel größere, sollte er den kürzeren ziehen. Dereck Chisora habe doch nur den in die Jahre gekommenen Danny Williams und Sam Sexton ein zweites Mal besiegt. Körperlich sei er ihm überlegen, und ernsthaft in Schwierigkeiten bringen könnten ihn dessen ohnehin nur sporadischen Schläge keinesfalls.

Mag Tyson Fury wie ein Aufschneider klingen, so hat er doch kürzlich Besonnenheit gezeigt, als er Spekulationen um einen möglichen Kampf gegen Wladimir Klitschko für verfrüht erklärte. Dafür fehle es ihm an Erfahrung, die er in der klassischen Schrittfolge sammeln wolle. Erst komme der Kampf gegen Chisora als Standortbestimmung, dann nehme er die Europameisterschaft ins Visier. Über die Herausforderung eines Weltmeisters könne man später reden.

22. Juli 2011



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