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MELDUNG/535: Tyson Fury gewinnt Prestigeduell gegen Dereck Chisora (SB)



Verdienter Punktsieg des Herausforderers aus Manchester

In einem Prestigeduell zweier britischer Schwergewichtler hat sich Tyson Fury in der Londoner Wembley Arena gegen seinen Landsmann Dereck Chisora durchgesetzt. Der 22jährige Sieger aus Manchester mußte etliche kritische Situationen überstehen, behielt aber am Ende klar nach Punkten die Oberhand (118:111, 117:112, 117:112), baute seine Profibilanz auf 15 Siege aus und wurde neuer Britischer Meister und Commonwealth-Champion. Chisora mußte sich in seinem fünfzehnten Kampf erstmals geschlagen geben.

Der 27 Jahre alte Chisora konnte zum Auftakt mit dem überraschend locker zu Werke gehenden Fury wenig anfangen, verpaßte ihm jedoch in der zweiten Runde mehrere schwere Treffer, die den Gegner auf den Boden der Tatsachen zurückholten. Nachdem die Oberhand auch in den nächsten beiden Durchgängen gewechselt hatte, kam Fury von der Mitte des Kampfs an immer stärker auf, während Chisora erste Konditionsprobleme erkennen ließ und zu passiv agierte.

Dereck Chisora, der mit dem höchsten Gewicht seiner Karriere angetreten war, was die Frage nach seiner körperlichen Verfassung laut werden ließ, war offensichtlich nicht in der Lage, ein hohes Tempo durchzuhalten. Er setzte zwangsläufig auf einen entscheidenden Treffer, bereitete jedoch seine Rechte so ungenügend vor, daß Fury die Gefahr kommen sah und ihr aus dem Weg gehen konnte. Um Chisoras Jab zu vermeiden, suchte der Herausforderer aus Manchester trotz seiner größeren Reichweite häufig den Infight, in dem er eine gute Figur machte. Davon abgesehen konterte er immer wieder mit schnellen Schlägen, während sein Gegner zwar phasenweise voran marschierte, aber dabei wenig auszurichten verstand.

Chisoras Ecke sah die Felle davonschwimmen und spornte ihren Boxer in den Pausen an, das Blatt mit Macht zu wenden. Dieser war jedoch nur noch zu einem Strohfeuer in der zehnten Runde in der Lage, während Fury ansonsten dominierte und den Kontrahenten mehrfach in ernste Schwierigkeiten brachte. So endete ein durchaus spannender Kampf mit dem verdienten Punktsieg des Herausforderers aus Manchester.

Tyson Fury sprach im anschließenden Interview von einem harten Kampf vor erfreulch großer Kulisse, in dem ein Traum für ihn wahr geworden sei. Wie er unterstrich, sei er zu keinem Zeitpunkt angeschlagen gewesen, und hätte er sich nicht die linke Hand verletzt, wäre ihm sicher noch etwas mehr gelungen. Er dankte seinem Gegner und bat ihn, das Gerede im Vorfeld ihres Duells zu vergessen.

Durch diese Niederlage ist Dereck Chisoras Prestige gesunken, das zuvor durch die Verbindung zu Wladimir Klitschko über Gebühr aufgewertet worden war. Ursprünglich sollte es im Dezember letzten Jahres zu einem Titelkampf gegen den Ukrainer kommen, doch mußte der Titelverteidiger verletzungsbedingt absagen. Auch der im April angesetzte Nachholtermin konnte nicht realisiert werden, da Klitschko die noch nicht vollständig ausgeheilte Bauchmuskelverletzung geltend machte. Der Weltmeister gab dem Duell mit David Haye den Vorzug, womit Chisora endgültig ins Hintertreffen geriet. Nur ein Erfolg gegen Fury hätte ihm die Tür möglicherweise offengehalten, zumal Wladimir Klitschko einen weiteren Kampf gegen einen britischen Gegner nicht ausgeschlossen hat.

Tyson Fury feierte seinen bislang bedeutendsten Erfolg und bleibt auf Kurs, anspruchsvollere Aufgaben in Angriff zu nehmen. Er hat sich zu einem klassischen Aufstiegsweg bekannt und will nach Gewinn des nationalen Titels nun die Europameisterschaft ins Visier nehmen. Wenn man nach seinem Erfolg in London voreilig einen Kampf gegen Klitschko herbeizureden sucht, wäre Fury gut beraten, seiner Devise treu zu bleiben, daß es ihm dazu noch an Erfahrung fehlt.

25. Juli 2011



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