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MELDUNG/542: Polnischer Schwergewichtler Mariusz Wach hat noch viel vor (SB)



Eindrucksvoller Sieg gegen den Iren Kevin McBride

Der polnische Schwergewichtler Mariusz Wach ist nun in 25 Profikämpfen ungeschlagen und darf sich Internationaler Meister des WBC nennen. Im Mohegan Sun Casino von Uncasville im US-Bundesstaat Connecticut dominierte er den Iren Kevin McBride auf ganzer Linie und besiegte ihn durch Knockout in der vierten Runde. Sein prominenter Landsmann Tomasz Adamek, der wesentlich kleiner und leichter ist, hatte sich im April gegen McBride zu einem einstimmigen Punktsieg abgemüht. Wach kämpfte dank seiner Größe von 2,02 m hingegen auf gleicher Augenhöhe mit dem Iren und hatte keinerlei Probleme, die geeignete Distanz zu finden.

Kevin McBride hatte sich einst mit seinem überraschenden Sieg gegen Mike Tyson einen Namen gemacht und seither von dem verblassenden Ruhm gezehrt sowie von seiner imposanten Statur profitiert. Nun brachte er mit 134,4 kg das höchste Gewicht seiner Laufbahn auf die Waage und war viel zu langsam, um den behenden Angriffen des Polen auszuweichen. Wach kombinierte fast nach Belieben zum Kopf und Körper seines schwerfälligen Kontrahenten, der wenig Gegenwehr zu leisten imstande war. In der vierten Runde wurde McBride so schwer getroffen, daß er bewußtlos zu Boden stürzte und mit einer Trage aus dem Ring gebracht werden mußte.

Wie der Sieger im nachfolgenden Interview unterstrich, habe er jederzeit den Kampf bestimmt. Dabei habe sich der Ire unsauberer Tricks bedient und ihn mit der linken Hand festgehalten, um gleichzeitig seinen rechten Haken ins Ziel zu bringen. McBride sei jedoch zuletzt so langsam geworden, daß man jeden seiner Schläge kommen sah. Zu diesem Zeitpunkt habe er keine Zweifel mehr gehegt, daß ein Niederschlag nur noch eine Frage der Zeit war, so Wach.

Der 31 Jahre alte Mariusz Wach, der vor diesem Kampf in der Rangliste des WBC an dreizehnter Stelle geführt wurde, dürfte dank dieses Erfolgs ein Sprung nach vorn machen. Er plant seinen nächsten Auftritt für Oktober und weiß realistisch genug, daß für ihn vorerst einige weitere Aufbaukämpfe anstehen, in denen er sich einen Namen beim Publikum machen muß. Ende nächsten Jahres werde man ihn wohl in einem bedeutenden Kampf sehen und irgendwann wolle er wie jeder, der mit diesem Sport groß wird, natürlich Weltmeister werden.


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Mühsamer Erfolg Beibut Schumenows gegen Danny Santiago

Weltmeister Beibut Schumenow hatte bereits nach der erfolgreichen Verteidigung des WBA-Titels im Halbschwergewicht gegen den 40 Jahre alten William Joppy im Januar Kritik einstecken müssen, er suche sich zu leichte Gegner aus. Auch der aktuelle Herausforderer Danny Santiago schien unter diese Kategorie zu fallen, da er in Rangliste der WBA nur an 15. Stelle geführt wurde. Hoch favorisiert, wie der Kasache unter diesem Umständen war, brauchte er doch in Las Vegas neun Runden, um den überforderten Gegner zu besiegen.

Der 27 Jahre alte Champion tat sich schwer mit dem beherzt angreifenden Santiago, da es ihm nicht gelang, klare Treffer zu setzen. Zwar schlug der Titelverteidiger häufig und dominierte das Geschehen, das jedoch geraume Zeit recht langweilig vonstatten ging. Erst in der vierten Runde mußte der 38jährige Santiago zwei Schläge zum Kinn verkraften, doch ging Schumenow weiterhin nicht präzise und entschlossen genug zu Werke, um den New Yorker in die Enge zu treiben. Der hatte sogar in der siebten Runde seine besten Szenen, als er den Weltmeister mehrmals traf.

Da der Herausforderer nicht über die Mittel verfügte, den Champion ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen, und Schumenow zufrieden schien, seinen Vorsprung auf den Zetteln der Punktrichter weiter auszubauen, war der Unterhaltungswert nach wie vor gering. Erst in der neunten Runde zeigte der Kasache Feuer, als er Santiago mit einem Hagel von Schlägen bearbeitete. Dieser verschanzte sich an den Seilen hinter seiner Deckung und schlug nicht zurück, was der Ringrichter zum Anlaß nahm, den Kampf abzubrechen. Da sich der Herausforderer zwar passiv verhalten hatte, aber nicht Gefahr zu laufen schien, niedergeschlagen zu werden, protestierte er gegen die Entscheidung, bei der es jedoch blieb.

Mühsam hatte Beibut Schumenow seinen Titel zum dritten Mal erfolgreich verteidigt und den zwölften Sieg seiner jungen Profikarriere gefeiert. Exweltmeister Jean Pascal saß als aufmerksamer Beobachter am Ring und schlug dem Sieger einen Kampf in Kanada vor. Dagegen hatte der Kasache im Prinzip nichts einzuwenden, wenngleich er sich für Las Vegas aussprach, wo alle Champions am liebsten boxten. Ob Jean Pascal, Tavoris Cloud oder Chad Dawson, er sei für jeden bereit, kündigte Schumenow für seine nächste Titelverteidigung denn doch einen hochkarätigen Gegner an.

2. August 2011



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