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MELDUNG/547: Wladimir Klitschkos Auge ist auf Mariusz Wach gefallen (SB)



Pole erhält überraschende Offerte für Titelkampf im November

Von der unablässigen Suche der Klitschkos nach Gegnern, die sie noch nicht besiegt haben, so daß sie dem Publikum als unverbraucht und vielversprechend präsentiert werden können, profitiert der Pole Mariusz Wach. Wenngleich in 25 Profikämpfen ungeschlagen, war der 31jährige ein eher unbeschriebenes Blatt, bis er sich jüngst mit seinem Sieg gegen Kevin McBride den internationalen Titel des WBC sichern konnte. Der Ire verfügte seit seinem Überraschungssieg gegen Mike Tyson über einen gewissen Bekanntheitsgrad, der nun seinem polnischen Bezwinger zugute kommt.

Das K2-Management hat Mariusz Wachs Promoter Global Boxing ein Angebot für einen Kampf gegen Wladimir Klitschko im November gemacht, das dem Polen entweder früher als erhofft einen Titelkampf beschert oder ihn im Falle eines Scheiterns der weiteren Gespräche oder eines anderen Hinderungsgrunds zumindest Medienpräsenz beschert. Bei Global Boxing hat man den Eingang einer entsprechenden Offerte bestätigt und erwartet nun genauere Details. Man wolle die Konditionen eingehend prüfen und in einer Entscheidung des gesamten Teams abwägen, ob dieser Kampf zum gegenwärtigen Zeitpunkt die beste Option ist.

Wenngleich man natürlich im Boxsport faustdicke Überraschungen nie ausschließen kann, ginge Wach als krasser Außenseiter in den Kampf mit Wladimir Klitschko. Der Weltmeister der Verbände IBF, WBO und IBO sowie seit seinem Sieg gegen David Haye auch Superchampion der WBA hat zuletzt mit dem Briten den wohl gefährlichsten Konkurrenten bezwungen. Um den derzeit besten polnischen Schwergewichtler, Tomasz Adamek, der von ähnlichem Kaliber wie Haye sein dürfte, kümmert sich Vitali Klitschko im September.

Mariusz Wach ist mit seinen 2,02 m sogar größer und vermutlich auch schwerer als Wladimir Klitschko. Mit dem behäbigen Kevin McBride, der rund 135 Kilo wog, kam der Pole glänzend zurecht, da der Ire viel zu langsam war und infolgedessen bereits in der vierten Runde geschlagen am Boden lag. Wach gilt jedoch keineswegs als gefährlicher Knockouter, und was gegen den von besseren Tagen zehrenden McBride recht flüssig wirkte, will im Duell mit dem Ukrainer nicht viel besagen.

Nach seinem Sieg in Uncasville hatte der Pole realistisch bilanziert, daß er noch einige Aufbaukämpfe benötige, um sich womöglich Ende nächsten Jahres an eine bedeutende Herausforderung zu wagen. Sinnvoll wäre diese Karriereplanung allemal, da man gegen Klitschko mit einer Niederlage rechnen muß. Andererseits bietet sich angesichts des Monopols der Ukrainer die Gelegenheit so schnell nicht wieder, um die Weltmeisterschaft zu kämpfen und dabei insbesondere finanziell einen guten Schnitt zu machen. Von einer Teilung der Einkünfte, wie sie David Haye auf Jahre hinaus aller Geldsorgen enthoben haben dürfte, kann Wach allerdings nur träumen, den die Klitschkos auch hinsichtlich der Börse so klein wie möglich halten werden.


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Kelly Pavlik hat sich offenbar verkalkuliert

In der Vergangenheit galt der weiße Mittelgewichtler Kelly Pavlik aus Youngstown, Ohio, als weltbester Boxer seines Limits. Er war Weltmeister der Verbände WBC und WBO, woraufhin man ihn damals stärker einschätzte als Arthur Abraham (IBF) und Felix Sturm (WBA). Eine überraschende Niederlage gegen den Argentinier Sergio Martinez, der sein überragendes Können seither mehrfach unter Beweis gestellt hat, stürzte Pavlik nicht nur vom Thron des Champions, sondern auch in eine Lebenskrise. Nachdem er längere Zeit nicht mehr gekämpft hatte und sich Berichte über Alkoholprobleme häuften, unterzog er sich schließlich einer Therapie und nahm anschließend auch in sportlicher Hinsicht einen neuen Anlauf.

Wie es nun scheint, hat sich Pavlik mit der Absage der geplanten Kämpfe gegen Darryl Cunningham und Lucian Bute verkalkuliert. In Zusammenarbeit mit dem Sender Showtime sollte er für den Aufbaukampf gegen Cunningham am 6. August zwar nur 50.000 Dollar erhalten, dann aber beim Duell mit IBF-Weltmeister Bute im Herbst eine Titelchance samt der Börse von 1,35 Millionen Dollar bekommen. In der Meinung, der in Kanada lebende Rumäne habe dem Dänen Mikkel Kessler eine wesentlich höhere Gage von 3,5 Millionen Dollar angeboten, zog Kelly Pavlik zurück.

Wie inzwischen bekannt wurde, sollte Kessler lediglich 750.000 Dollar zuzüglich einer Prämie von Showtime sowie sämtlichen Einnahmen aus dem dänischen Fernsehen erhalten. Angesichts dieser vergleichsweise geringen Garantiebörse entschied man sich beim Berliner Promoter des Dänen, Sauerland Event, statt dessen für die Herausforderung des WBO-Weltmeisters Robert Stieglitz aus dem Magdeburger Boxstall SES. Nach Pavliks Rückzieher, der nach aktuellem Kenntnisstand auf einer Desinformation unbekannter Herkunft gründete, sucht sein Team nach einer Alternative. Man hat Interesse an einem Kampf gegen Brian Magee signalisiert, den Interimschampion der WBA. Sollte es dazu kommen, wäre die Börse deutlich niedriger als im Falle Butes und Pavlik, sollte er gewinnen, nur einer von drei Weltmeistern der WBA.

7. August 2011



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