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MELDUNG/548: Außenseiter Adamek braucht mehr als nur sein Heimpublikum (SB)



Im Falle eines Sieges gegen Vitali wartet Wladimir Klitschko

Wenn Tomasz Adamek am 10. September im neuerrichteten städtischen Stadion von Wroclaw (Breslau) in den Ring steigt, boxt er vor ausverkauftem Haus und kann der rückhaltlosen Unterstützung seiner polnischen Landsleute sicher sein. Was wäre das für eine Sensation, sollte er Vitali Klitschko bezwingen und den Ukrainer als Weltmeister des WBC im Schwergewicht entthronen! Die Wetten stehen gegen den Ranglistenersten der Verbände WBC und WBO, obgleich er mit 44 Siegen und nur einer Niederlage eine bessere Bilanz als die 42 gewonnenen und zwei verlorenen Kämpfe des Champions vorzuweisen hat. An Erfahrung und Können fehlt es Adamek nicht, war er doch früher Weltmeister im Halbschwer- und Cruisergewicht, wohl aber an Statur, um es mit Klitschko aufnehmen zu können. Vitali Klitschko, der in seiner Profikarriere noch nie am Boden war und robuster als sein jüngerer Bruder Wladimir ist, wird der Herausforderer nicht ins Reich der Träume schicken können, zumal Adamek im Gegensatz zum Champion ohnehin nicht als Knockouter gilt. Gefragt sind folglich Strategie und Taktik, die freilich beim Boxen relativ eng im Kontext der über Jahre entwickelten Kampfesweise angesiedelt sind.

An Motivation, das Bestmögliche aus seiner Außenseiterrolle zu machen, fehlt es dem 34 Jahre alten Polen sicher nicht, zumal ihm angeblich im Falle des Sieges ein Kampf gegen Wladimir Klitschko in Aussicht steht. Das jedenfalls behauptet Trainer Roger Bloodworth, der sich dabei auf eine Vertragsklausel beruft, der zufolge sein Schützling sogar verpflichtet wäre, sich dem jüngeren Bruder zu stellen. Sollte es wider Erwarten dazu kommen, stünden alle vier maßgeblichen Gürtel in einem Kampf auf dem Spiel, was ein spektakuläres Novum im Schwergewicht wäre.

Vitali Klitschko hat dem Vernehmen nach sein Trainingslager im österreichischen Going verlassen, um in seine Heimat zu reisen, nachdem die Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko in der Ukraine festgenommen worden war. Klitschko, der Vorsitzender einer kleinen westlich ausgerichteten Reformpartei ist, dürfte jedoch die Vorbereitung in Kürze fortsetzen und wird wohl wie angekündigt in Polen antreten.

Unterdessen bereitet sich Tomasz Adamek in Pennsylvania auf den bislang wichtigsten Kampf seiner Karriere vor. Er hat den hochgewachsenen Deontay Wilder und den schlagstarken Malik Scott als Sparringspartner engagiert, die ihn wenn irgend möglich vor ähnliche Probleme stellen sollen, wie sie im Kampf gegen Vitali Klitschko zu erwarten sind.


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Alexander Powetkin wieder mit Trainer Teddy Atlas vereint

Alexander Powetkin, der am 27. August in Erfurt gegen Ruslan Tschagajew um den regulären Titel der WBA im Schwergewicht kämpft, kann vor diesem schweren Gang jede Unterstützung gebrauchen. Da sich sein US-amerikanischer Trainer Teddy Atlas zunächst auf Grund seiner Verpflichtung bei ESPN nicht in der Lage gesehen hatte, seinen Schützling in der entscheidenden Phase der Vorbereitung zu betreuen, schienen diesem die Felle bereits im Vorfeld wegzuschwimmen. Inzwischen ist es Atlas jedoch gelungen, sich für die kommenden Wochen loszueisen und der schwierigen Aufgabe zu widmen, den Russen auf Bestform zu trimmen.

Glücklich ist der US-Trainer dennoch nicht, denn wie er erneut deutlich machte, hätte er sich erheblich mehr Zeit gewünscht, um seinen Boxer für einen Kampf um die Weltmeisterschaft bereitzumachen. Die Entscheidung habe jedoch nicht in seiner Hand gelegen. Nachdem Powetkin bereits ein Grundlagentraining in Rußland absolviert hat, obliegt es nun Atlas, in den verbliebenen Wochen im Sparring verlorenen Boden gutzumachen.

8. August 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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