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MELDUNG/555: Monte Barrett besiegt David Tua auch bei der Revanche (SB)



Punktniederlage herber Rückschlag für den Neuseeländer

Bei seinem ersten und einzigen Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht unterlag der Neuseeländer David Tua im Jahr 2000 dem Briten Lennox Lewis. Seither hat er eine wechselvolle Karriere absolviert und träumt auch als 38jähriger noch immer davon, eines Tages Champion zu werden. Als Tua im Juli 2010 mit dem US-amerikanischen Veteranen Monte Barrett in den Ring stieg, schien dieser namhafte, aber dem Ende seiner Laufbahn nahe Gegner bestens geeignet zu sein, den Neuseeländer in den Ranglisten emporklettern zu lassen. Es kam jedoch anders, denn Tua drängte auf eine frühzeitige Entscheidung, doch verausgabte er sich dabei und wäre gegen Ende des Kampfs beinahe selbst auf den Brettern gelandet.

Nach dieser Niederlage forderte David Tua Revanche, die ihm Monte Barrett nun gewährt hat. Des damaligen Kampfverlaufs eingedenk begann der Neuseeländer diesmal verhalten. Dies erlaubte es seinem Gegner, alsbald die Initiative zu ergreifen und aus der Distanz boxend eine Runde nach der andern für sich zu entscheiden. Tua, der sich im dritten Durchgang eine Rißwunde am rechten Auge zugezogen hatte, die ihn fortan behinderte, boxte viel zu passiv, um auf den Zetteln der Punktrichter Anschluß zu halten.

Erst in der zweiten Hälfte des Kampfs schien der Neuseeländer allmählich aufzuwachen, doch klammerte Barrett routiniert im Infight und ließ auf diese Weise seinen Gegner nicht zu Entfaltung kommen. In der zehnten Runde versuchte Tua endlich, das Blatt mit Macht zu wenden. Er setzte den US-Amerikaner mehrfach in den Seilen fest und bearbeitete ihn mit zahlreichen Schlägen. Gegen Ende der elften Runde rettete Monte Barrett der Gong und in der zwölften mußte er nach zwei schweren Treffern zu Boden gehen. Er kam jedoch mühsam wieder auf die Beine und überstand die letzte halbe Minute aufrecht stehend. Wenngleich David Tua im Endspurt die entscheidende Wende um ein Haar herbeigeführt hätte, mußte er doch eine knappe Punktniederlage hinnehmen, die auf den gesamten Kampfverlauf gesehen durchaus angemessen war (113:113, 112:115, 112:115).

Wie Monte Barrett nach seinem Sieg berichtete, habe er nach dem Kampf gegen David Haye sein gesamtes Geld verloren. Der 40jährige dankte Neuseeland für diese Chance und kündigte an, nach einer Bedenkzeit zu entscheiden, ob er weiterboxen werde. David Tua, der zuvor in der Rangliste der WBO an dritter Stelle notiert war, mußte mit dieser erneuten Niederlage gegen den US-Amerikaner einen herben Rückschlag einstecken, der einen Titelkampf in weite Ferne rückt.

Promoter Cedric Kushner räumte unumwunden ein, daß die Chance wohl dahin sei, wie erhofft gegen Vitali Klitschko anzutreten. Jetzt müsse er sich erst einmal mit Tua zusammensetzen, um die nächsten Schritte zu beraten. Trainer James Bashir gab sich optimistischer und bezeichnete es als selbstverständlich, daß sein Schützling wieder in den Ring steigen werde. Er sei immer noch jung genug, gefährlich und ein konkurrenzfähiger Kämpfer. Schließlich sei Bernard Hopkins 46 Jahre alt und erneut Weltmeister geworden. Leider hinkt der gern gezogene Vergleich mit Hopkins im Falle Tuas gleich in doppelter Hinsicht: Der legendäre US-Amerikaner war einst Weltmeister aller Verbände im Mittelgewicht und boxt heute als Champion im Halbschwergewicht beinahe ebenso gut wie zu seiner besten Zeit. Weder das eine noch das andere kann David Tua für sich in Anspruch nehmen.

15. August 2011



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