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MELDUNG/565: Froch und Ward auf Werbetour für ihr Turnierfinale (SB)



Brite geht auf Londoner Pressekonferenz in die verbale Offensive

Das Super-Six-Turnier wurde von Promoter Kalle Sauerland konzeptionell entworfen und in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Sender Showtime realisiert. Dabei sollten je drei namhafte Boxer des Supermittelgewichts aus Europa und den USA zunächst eine Vorrunde mit drei Kämpfen bestreiten, in der die Gegner einander zugelost wurden. Danach zogen die vier Punktbesten ins Halbfinale ein, dessen Sieger schließlich zum krönenden Abschluß im Finale aufeinandertreffen. Dort soll nicht nur der weltbeste Akteur dieser international hochkarätig besetzten Gewichtsklasse, sondern auch durch die Zusammenführung der Titel der Weltmeister der Verbände WBA und WBC ermittelt werden.

Nachdem das Turnier in der Anfangsphase die hochgesteckten Erwartungen erfüllt hatte, traten im weiteren Verlauf Unwuchten auf. Aus eigenem Antrieb ausscheidende Teilnehmer, verletzungsbedingte Ausfälle und unter wenig glaubwürdigen Vorwänden aussteigende Akteure verhinderten eine geschlossene und zügige Abwicklung. Es mußten Kandidaten nachnominiert und Kompromisse bei der Durchführung gemacht werden, worauf das Turnier auf Grund der Verzögerungen und mehrfach wechselnden Konstellationen an Spannung verlor. Bei Sauerland Event zog man daraus die Konsequenz, das geplante Turnier im Cruisergewicht auf vier Teilnehmer zu begrenzen, von denen man drei selbst unter Vertrag hat.

Im Finale des Super-Six-Turniers treffen am 29. Oktober Andre Ward aus den USA und der Brite Carl Froch in Atlantic City aufeinander. Während Ward den Titel des WBA-Superchampions einbringt, steigt Froch als WBC-Weltmeister in den Ring. Für den 34jährigen Briten stehen 28 Siege und eine Niederlage zu Buche, der Olympiasieger von Athen 2004 aus Oakland ist in 24 Kämpfen ungeschlagen. Im Turnier hat Carl Froch zum Auftakt den US-Amerikaner Andre Dirrell in Nordengland besiegt, dann gegen Mikkel Kessler in Dänemark verloren und schließlich Arthur Abraham auf neutralem Boden deklassiert. Im Halbfinale bekam es der Brite in Atlantic City mit dem Jamaikaner Glen Johnson zu tun, der ihm nach Punkten unterlag. Andre Ward nahm im November 2009 in Oakland Mikkel Kessler Sieg und Gürtel der WBA ab, setzte sich dann gegen Allan Green und Sakio Bika durch und ließ schließlich im Halbfinale Arthur Abraham keine Chance.

Zum Auftakt ihrer Werbetour für das Finale gaben Carl Froch und Andre Ward in London eine gemeinsame Pressekonferenz. Dann geht es weiter nach New York, worauf sich die beiden zum Abschluß in Oakland noch einmal den Medienvertretern stellen. Ward hatte England zuletzt 2001 besucht, als er noch zu Amateurzeiten mit der US-Mannschaft gegen das britische Team antrat. Der Kalifornier erinnerte daran, daß vor Beginn des Turniers nicht wenige an seinem Können gezweifelt hätten. Inzwischen habe er jedoch aus Zweiflern Gläubige gemacht, die ihn zum Favoriten erklärten. Vor solchen Einschätzungen hüte er sich, da man nie vorsichtig genug sein könne. Weder Carl Froch noch er selbst könnten sich bislang als Legenden bezeichnen, denn diese Ehre müsse man sich erst verdienen. Das Turnierfinale sei indessen einer jener Kämpfe, in denen Legenden geboren werden.

Carl Froch ging in seiner Stellungnahme zunächst auf die Kritik am Turnierverlauf wie insbesondere dessen schleppenden Verlauf ein. Man dürfe jedoch nicht vergessen, daß diese Duelle der sechs besten Supermittelgewichtler andernfalls nie zustande gekommen wären. Im bevorstehenden Finale stünden sich die zwei besten Boxer gegenüber, wie man es sich im Spitzensport nur wünschen könne. Er habe sich zehn Wochen lang intensiv auf diesen Kampf vorbereitet, um auch den Gürtel der WBA nach England zu holen, wo er sehr lange Zeit bleiben werde.

Andre Wards Gegner im Turnier hätten ihn nicht sonderlich beeindruckt. Es seien zwar gute Kämpfer gewesen, doch habe habe keiner von ihnen auf dem Level geboxt, den man nun erreicht habe. Der einzige hochklassige Gegner Wards sei der Däne Mikkel Kessler gewesen, und der Verlauf des damaligen Kampfs habe ihm überhaupt nicht gefallen. Froch moniert, daß der Däne als amtierender Weltmeister in die Heimatstadt des Amerikaners reisen mußte und dort von Ward mit diversen Kopfstößen traktiert wurde, die Verletzungen hervorriefen.

Solange der Kampf am 29. Oktober sauber und fair verlaufe, mache er sich keine Sorgen wegen Ward. Der schlage zwar schnell, aber längst nicht so rasant wie Andre Dirrell, den er locker beherrscht habe, gab sich Carl Froch vor heimischer Presse zuversichtlich, das Finale des Super-Six-Turniers für sich entscheiden zu können.

25. August 2011



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