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MELDUNG/576: Gegnerische Vermarkter werfen Klitschkos Knebelverträge vor (SB)



Andererseits profitiert die Konkurrenz von den Ukrainern

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus zufolge werfen gegnerische Vermarkter dem Management von Vitali und Wladimir Klitschko Knebelverträge vor. So habe einem Pflichtherausforderer Vitalis im vergangenen Jahr eine Vertragsstrafe von 250.000 Dollar gedroht, falls er eine Presseveranstaltung nicht besucht hätte. Anreise, Hotel und Verpflegung sollte der Herausforderer selbst zahlen. Das sei "branchenunüblich", sagte ein Insider, der namentlich nicht genannt werden wollte. Dem entgegnete Klitschko-Manager Bernd Bönte, es werde hart verhandelt, was aber "im Geschäftsleben normal" sei. [1]

Ungeachtet ihrer Vorwürfe räumen die Vermarkter ein, daß sich alle schon aus finanziellen Gründen danach drängten, mit einem der Klitschko-Brüder in den Ring zu steigen. Nach den Worten Promoter Ahmet Öners profitiere man natürlich von den Klitschkos. Im März trat sein kubanischer Schützling Odlanier Solis gegen Vitali Klitschko an und mußte bereits in der ersten Runde wegen einer schweren Knieverletzung aufgeben. Dennoch erhielt Solis die Börse von 1,8 Millionen Dollar, an der auch sein Promoter mitverdient.

Unterdessen haben die Klitschkos dem Ansinnen Evander Holyfields eine Absage erteilt, ihn als Herausforderer zu akzeptieren. Wie Wladimir Klitschko gegenüber dem Focus unterstrich, werde man das nie machen, da ein solcher Kampf nicht fair wäre. Der 49jährige US-Amerikaner sei nur noch ein Schatten seiner Glanzzeit. Pläne hinsichtlich des Endes ihrer Karriere haben die Ukrainer nicht. Wladimir Klitschko hob lediglich hervor, daß er ohne weitere Niederlage die Boxhandschuhe an den Nagel hängen wolle.


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Kampf zwischen Tyson Fury und Nicolai Firtha bestätigt

Fast möchte man meinen, daß niemand Lust verspürt, mit dem britischen Schwergewichtler Tyson Fury in den Ring zu steigen. Dieser ist nicht nur von so imposanter Statur, daß er den Klitschkos zumindest in dieser Hinsicht auf gleicher Augenhöhe begegnen könnte, sondern gilt seit seinem Sieg gegen Dereck Chisora auch als Kronprinz seiner Gewichtsklasse auf der Insel gleich hinter David Haye. Jedenfalls zog sich die Suche nach einem geeigneten Gegner für seinen nächsten Auftritt am 17. September so lange hin, daß man befürchten mußte, er werde notgedrungen mit einem indiskutablen Kontrahenten konfrontiert.

Nun konnte offiziell bestätigt werden, daß Fury in der Belfaster King's Hall auf Nicolai Firtha treffen wird. Der US-Amerikaner ist mit 32 Jahren nicht nur erheblich älter, sondern hat auch fast doppelt so viele Kämpfe wie der Brite bestritten. Dieser ist jedoch in 15 Profikämpfen ungeschlagen, während Firtha eine durchwachsene Bilanz von 20 Siegen, acht Niederlagen und einem Unentschieden vorzuweisen hat. In seinem vorletzten Kampf ging der Amerikaner mit Alexander Powetkin über die volle Distanz, was für seine Qualitäten spricht.

Nachdem zunächst Martin Rogan, Mike Perez und Leif Larsen als mögliche Gegner im Gespräch waren, hat sich Tyson Fury für einen anspruchsvolleren Prüfstein entschieden. Firtha sei jünger als Rogan und habe bereits mit stärkeren Kontrahenten als die anderen beiden genannten Boxer im Ring gestanden, unterstreicht der Brite seine Absicht, sich nicht mit leichten Aufgaben abzugeben. Da ihm nur zwei Wochen Vorbereitung auf den US-Amerikaner blieben, sei dies zwar ein riskantes Unterfangen, doch wolle er den irischen Fans einen echten Kampf bieten. Da Firtha zwölf Runden gegen Powetkin, der nun David Hayes alten Gürtel trägt, durchgehalten habe, wisse jeder, der sich halbwegs im Boxsport auskennt, daß es das bevorstehende Duell in sich habe. So kurz nach dem Kampf gegen Chisora sei das ein echter Test, doch werde er dieser Herausforderung gewachsen sein, bekräftigt Tyson Fury seine erklärte Absicht, sich Schritt für Schritt an die Weltspitze im Schwergewicht heranzuarbeiten.

Fußnote:

[1] http://www.focus.de/magazin/kurzfassungen/focus-36-2011-konkurrenz-wirft-klitschkos-knebelvertraege-vor_aid_661937.html

6. September 2011



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