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MELDUNG/581: Gamboa verabschiedet sich mit einem Sieg aus dem Federgewicht (SB)



Kubaner zu schnell für den Mexikaner Daniel Ponce de Leon

Der Kubaner Yuriorkis Gamboa aus dem Arena-Boxstall hat in Atlantic City den Mexikaner Daniel Ponce de Leon durch eine technische Entscheidung in der achten Runde besiegt. Da sich der Mexikaner bei einem unabsichtlichen Zusammenstoß eine Rißwunde an der Stirn zugezogen hatte, die eine Fortsetzung des Kampfs verhinderte, wurde dem Reglement entsprechend für die Wertung der Stand auf den Zetteln der Punktrichter zum Zeitpunkt des Abbruchs zugrunde gelegt, auf denen Gamboa klar in Führung lag (80:72, 80:72, 79:73). Während der weiterhin ungeschlagene Kubaner seine Bilanz auf 21 gewonnene Profikämpfe verbesserte, stehen für Ponce de Leon nunmehr 41 Siege und vier Niederlagen zu Buche.

Die Kontrahenten gingen vorsichtig zu Werke, da sie um die beiderseitigen Stärken wußten, so daß sich ein guter, aber keineswegs spektakulärer Kampf entwickelte. Ponce de Leon suchte hinter einer sicheren Deckung Schutz, um angesichts der Schnelligkeit des Kubaners nicht ins offene Messer zu laufen. Gamboa war vor der gefährlichen Linken seines Gegners auf der Hut und blieb ständig in Bewegung, womit er den Mexikaner offensichtlich vor unlösbare Probleme stellte. So brachte der Kubaner wesentlich mehr Schläge ins Ziel und baute seinen Vorsprung aus. Nachdem die beiden Boxer in der achten Runde unglücklich mit den Köpfen zusammengestoßen waren, zeigte sich eine tiefe Wunde über Ponce de Leons Nasenwurzel, worauf der Kampf zunächst unterbrochen und dann endgültig abgebrochen wurde.

Wie der Kubaner nach seinem Sieg berichtete, habe man ihn vor der Schlagwirkung des Gegners gewarnt. Daher habe er darauf geachtet, den Schlägen auszuweichen, was ihm auch sehr gut gelungen sei. Für ihn sei es wichtig gewesen, diesmal mehr als nur drei oder vier Runden zu kämpfen. Er habe frühzeitig gespürt, daß der Mexikaner nicht in seiner Liga boxe und ihn nicht treffen könne. Daher sei es ihm darum gegangen, Erfahrung zu sammeln und die Zeit im Ring zu genießen. Wäre der Kampf nicht abgebrochen worden, hätte er Ponce de Leon in den letzten Runden niedergeschlagen.

Promoter Ahmet Öner bezeichnete Gamboas Stil als einzigartig und spektakulär. Der Kubaner wecke damit Erwartungen beim Publikum, bei jedem seiner Auftritte ein Feuerwerk zu erleben. Ihm selbst habe es jedoch gefallen, daß sein Boxer nicht in der Offensive zu viel riskiert und statt dessen den Kampf so gut kontrolliert habe. Er habe einen Gamboa gesehen, der einen weiteren Schritt zu einem kompletteren Kämpfer vollzogen hat.

Da Öner bereits den Aufstieg Gamboas in eine höhere Gewichtsklasse angekündigt hatte, überraschte die Bestätigung des Kubaners nicht, daß er mit dem Federgewicht abgeschlossen habe. In diesem Limit gebe es für ihn nichts mehr zu beweisen. Er wolle gegen die besten Boxer der Welt kämpfen und sich mit lebenden Legenden wie Manny Pacquiao messen. Er habe im Federgewicht die Besten besiegt und werde damit nach seinem Wechsel fortfahren.


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Jean-Marc Mormeck als Gegner Wladimir Klitschkos im Gespräch

Nach seinem unangefochtenen Sieg gegen den überforderten Polen Tomasz Adamek in Breslau legt Vitali Klitschko eine Pause ein und wird wohl erst im kommenden Jahr in den Ring zurückkehren. Daher wendet sich die Aufmerksamkeit nun wieder seinem jüngeren Bruder und dessen Suche nach einem geeigneten Gegner zu. An Kandidaten, die für einen Titelkampf und eine entsprechende Börse versichern würden, sie könnten es mit den Ukrainern aufnehmen, herrscht zwar kein Mangel. Wohl aber gestaltet sich die Suche nach Herausforderern immer schwieriger, denen das Publikum diese Behauptung tatsächlich abnimmt.

Dem Vernehmen nach hat Wladimir Klitschko ein Auge auf Jean-Marc Mormeck geworfen, der schon im vergangenen Jahr als Herausforderer im Gespräch war. Damals entschied sich der Ukrainer jedoch für den Briten Dereck Chisora, wobei dieser Kampf bekanntlich nicht zustande kam. Angeblich könnte Klitschkos Gang mit dem Franzosen am 3. oder 10. Dezember in Düsseldorf über die Bühne gehen, doch ist man gut beraten, die Sache vor einer offiziellen Bestätigung nicht für bare Münze zu nehmen.

Der 39 Jahre alte Mormeck war wie David Haye und Tomasz Adamek zuvor Weltmeister im Cruisergewicht, bis er in Paris von dem Briten entthront wurde. Auch er stieg ins lukrativere Schwergewicht auf, wo er einen guten, aber dem breiteren Publikum wenig geläufigen Namen hat. Im Herbst letzten Jahres sah ihn die IBF als Teilnehmer eines Viererturniers vor, in dem der nächste Herausforderer Wladimir Klitschkos ermittelt werden sollte. Der Franzose hatte daran jedoch ebenso wenig Interesse wie die anderen benannten Kandidaten, die in diesem Modus zu Recht einen kontraproduktiven Umweg sahen. Einige Zeit später bekundete Alexander Powetkins Trainer Teddy Atlas die Absicht, seinen Schützling gegen den Franzosen um den WBA-Titel kämpfen zu lassen, sofern dieser vakant würde. Wenngleich sich all diese Pläne zerschlugen, läßt sich daran doch immerhin ablesen, daß Jean-Marc Mormeck schon mehrmals Aussichten auf einen Titelkampf hatte. Sollte die Wahl Wladimir Klitschkos tatsächlich auf ihn fallen, wäre das also keine große Überraschung.

12. September 2011



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