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MELDUNG/587: Die nächsten Auftritte der Klitschkos nehmen Kontur an (SB)



Wladimir gegen Mormeck - Vitali gegen Stiverne?

Wenngleich eine offizielle Bestätigung noch aussteht, nimmt die nächste Titelverteidigung Wladimir Klitschkos doch deutlich Kontur an. Aller Voraussicht nach trifft der Weltmeister der Verbände WBO, IBF und IBO am 10. Dezember im Düsseldorfer Stadion auf Jean-Marc Mormeck. Der aus Guadaloupe stammende Franzose ist 39 Jahre alt und hat lange Zeit im Cruisergewicht geboxt. Dort brachte er die Titel zweier Verbände in seinen Besitz und wurde schließlich von dem Briten David Haye entthront. Mormeck stieg 2009 ins Schwergewicht auf, wo ihn die WBA derzeit an Nummer neun ihrer Rangliste notiert, während er bei der IBF an 12. Stelle steht und bei der WBO auf Platz 14 geführt wird. Von seinen 40 Profikämpfen hat der Franzose 36 gewonnen und vier verloren. Körperlich dürfte er dem Ukrainer unterlegen sein, da er mit 1,81 Metern immerhin 17 Zentimeter kleiner ist.

Für den 35jährigen Wladimir Klitschko stehen 56 Siege und drei Niederlagen zu Buche, wobei seine K.o.-Quote von 83,05 Prozent nichts Gutes für den Herausforderer verheißt. Für den Ukrainer ist es nicht das erste Gastspiel in der Düsseldorfer Arena, da er dort im März 2010 den US-Amerikaner Eddie Chambers durch K.o. in der zwölften Runde besiegt hat. Das Stadion faßt bei der Veranstaltung rund 50.000 Zuschauer, und da sich die Auftritte der Klitschkos in aller Regel großen Zuspruchs erfreuen, dürften die Ränge auch in diesem Fall gut gefüllt sein.

Unterdessen stehen bei WBC-Weltmeister Vitali Klitschko die Kandidaten Schlange. Nachdem David Haye wieder im Rennen ist und der Kubaner Odlanier Solis eine Revanche gefordert hat, macht nun auch der weithin unbekannte Bermane Stiverne seinen Anspruch geltend. Der 32 Jahre alte Kanadier wird vom WBC als sogenannter Silberchampion geführt und genießt damit das Vorrecht, den Weltmeister herauszufordern. Stivernes Manager Camille Estephan hofft auf eine baldige Chance für seinen Schützling und behauptet natürlich, daß sein Boxer gute Aussichten habe, Klitschko ins Reich der Träume zu schicken.

Es sei Zeit für die Klitschkos, endlich gegen einen echten Schwergewichtler zu kämpfen, spielt Estephan auf David Haye und Tomasz Adamek an, die beide aus dem Cruisergewicht aufgestiegen und daher den Ukrainern körperlich nicht gewachsen waren. Bermane Stiverne sei zwar kleiner als Vitali Klitschko, aber wie ein Panzer gebaut und habe Dampf in den Fäusten. Sollte der Ukrainer im Ring herumhüpfen und wie üblich seine Deckung hängen lassen, werde er sein blaues Wunder erleben.

Normalerweise hätte der Kanadier angesichts seines geringen Bekanntheitsgrads kaum eine Chance, von Klitschko als Gegner akzeptiert zu werden. Andererseits hat Vitali seine Pflichtherausforderer bislang stets fristgerecht abgearbeitet und trägt sich Gerüchten zufolge mit dem Gedanken, schon im November in den Ring zurückzukehren. Da mit einem Duell gegen David Haye nicht vor dem nächsten Frühjahr zu rechnen ist, wäre durchaus möglich, daß er Bermane Stiverne dazwischenschiebt.

Was die jüngsten Pöbeleien des Briten betrifft, der wieder einmal alle Register zieht, um den Kampf herbeizureden, gibt sich Klitschko gelassen. In einem Interview hatte Haye den Ukrainer als "Schißhasen" und "alten Hund", der ins Altersheim für Boxer gehöre, tituliert. Er werde ihm das Kinn zertrümmern und ihn auf die Bretter schicken, so der Brite. Wie der 40jährige Champion erwiderte, hätten schon viele angekündigt, ihn in Rente schicken zu wollen. Er sei jedoch immer noch da: "Haye ist ein Quatschkopf. Er redet und redet. Das kann man nicht mehr ernst nehmen."

Die Klitschkos kamen 1996 nach Hamburg und machten sich 2004 nach der Trennung von der Universum Box-Promotion selbständig. 2007 wurde die Klitschko Management Group (KMG) gegründet, die die Brüder seither vermarktet. Nun haben sich die beiden vor versammelter Presse bei ihren Freunden und Weggefährten mit eigens angefertigten Ringen bedankt. "Von so einem Team konnten wir zu Beginn unserer Karriere nur träumen", sagte Wladimir Klitschko. Ringe zu verleihen habe eine lange Tradition und sei schon von Muhammad Ali praktiziert worden. Sein Bruder Vitali wird mit den Worten zitiert: "Willst du Erfolg haben, mußt du die Besten um dich haben. Wir haben die Besten."

Die 30 Weißgoldringe sind mit Onyx, Rubinen und einem Diamanten besetzt. Bei den "Klitschko-Ehrenringen" handelt es sich um Spezialanfertigungen eines Hamburger Traditionsunternehmens, das vor allem durch edle Schreibgeräte bekannt ist. Den ersten Ring hatte der am 13. Juli an Krebs gestorbene Vater der Klitschkos wenige Tage zuvor nach dem Sieg Wladimirs gegen David Haye erhalten. Nun wurden Trainer Fritz Sdunek und die Mitarbeiter der KGM mit den Schmuckstücken bedacht.

18. September 2011



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