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MELDUNG/589: Marco Huck wählt die argentinische Option (SB)



Nächste Titelverteidigung gegen Rogelio Rossi

Marco Huck verteidigt den WBO-Titel im Cruisergewicht am 22. Oktober in der Arena Ludwigsburg gegen den Argentinier Rogelio Rossi. Nachdem sich die Pläne zerschlagen hatten, den Weltmeister im Herbst gegen WBC-Champion Krzysztof Wlodarczyk aus Polen zur Vereinigung der beiden Titel gegeneinander antreten zu lassen, disponierte man bei Sauerland Event um. Der 26 Jahre alte Wahl-Berliner durfte selbst entscheiden, ob er lieber eine Revanche gegen den Russen Denis Lebedew bestreiten wollte, bei der es sich um eine Pflichtverteidigung handeln würde, oder Rogelio Rossi als Herausforderer in einer freiwilligen Verteidigung seines Gürtels annehmen wollte.

Aus Perspektive Marco Hucks, der von 34 Profikämpfen nur einen verloren hat, wäre der 31jährige Denis Lebedew die schwierigere Aufgabe gewesen. Am 18. Dezember 2010 hatte sich der WBO-Weltmeister in der Berliner Max-Schmeling-Halle nur knapp und umstritten mit 2:1 Punktrichterstimmen gegen den 31 Jahre alten Russen durchgesetzt. Lebedew, der 22 Kämpfe gewonnen und lediglich gegen Huck verloren hat, führt die Rangliste der WBO an. Nachdem er im Mai den 42jährigen Roy Jones jun. in Moskau besiegt hat, plant er nun offenbar, sich Anfang November mit dem 43jährigen James Toney eine weitere in die Jahre gekommene US-amerikanische Boxlegende vorzunehmen.

Mit dem 29 Jahre alten Rogelio Rossi dürfte Huck weniger Probleme bekommen, da der Argentinier neben 17 Siegen auch zwei Niederlagen sowie ein Unentschieden auf dem Konto hat und in der Rangliste der WBO erst an 15. Stelle geführt wird. Allerdings bezog der Herausforderer aus Buenos Aires seine beiden Niederlagen schon im zweiten und dritten Profikampf, worauf er in den folgenden 17 Auftritten ungeschlagen blieb und im Zuge seines Aufstiegs den argentinischen Titel und die Südamerika-Meisterschaft gewann. In diesem Jahr stand er bereits zweimal im Ring und setzte sich jeweils frühzeitig durch.

Da der zwei Meter große Herausforderer Marco Huck beträchtlich überragt, muß sich Trainer Ulli Wegner für die Vorbereitung etwas einfallen lassen. Soweit es um Kondition und Kraft gehe, verlaufe die Arbeit natürlich wie üblich. Für die Sparringsphase bereite er jedoch einige Überraschungen vor. Rogelio Rossi boxe in der Rechtsauslage und habe wie viele seiner Landsleute gewiß ein ausgesprochenes Kämpferherz. Daher dürfe man diesen Herausforderer keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen und im Training nicht lockerlassen, wolle man den Titel erfolgreich verteidigen.

Huck selbst räumte ein, daß er noch nie gegen einen derart großen Gegner gekämpft habe, den am Kopf zu treffen sicher nicht so einfach sein werde. An Zuversicht mangelt es dem Champion indessen nicht, zumal er gute Erinnerungen an Ludwigsburg hat. Dort stand er vor zwei Jahren schon einmal im Ring und wurde vom Publikum hervorragend unterstützt. Von den Zuschauern beflügelt werde er den argentinischen Riesen bei den Hörnern packen.

Der Geschäftsführer von Sauerland Event, Chris Meyer, zeigte sich erfreut, einen so interessanten Herausforderer gefunden zu haben. Die Zuschauer in Ludwigsburg dürften sich auf einen spektakulären Titelkampf freuen, bei dem sie sicher auf ihre Kosten kämen.


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Tyson Fury besiegt Nicolai Firtha in Runde fünf

Der britische Schwergewichtler Tyson Fury ist auch im 16. Profikampf ungeschlagen geblieben. Er setzte sich in Belfast durch einen Abbruchsieg in der fünften Runde gegen den erfahrenen US-Amerikaner Nicolai Firtha durch. Angesichts eines turbulenten Gefechts kamen die Zuschauer auf ihre Kosten, zumal Fury zwischenzeitlich eine kritische Phase überstehen mußte.

Zunächst dominierte der amtierende britische und Commonwealth-Champion vor allem mit seinem Jab das Geschehen, während Firtha bereits in der ersten Runde stark aus der Nase blutete. Diese Rollenverteilung setzte sich auch im zweiten Durchgang fort. In der dritten Runde kam der US-Amerikaner jedoch mit einem rechten Haken durch, dem er augenblicklich einen linken folgen ließ. Sichtlich angeschlagen drohte Fury zu Boden zu gehen, doch rettete er sich mit Klammern über diese kritische Situation.

In der folgenden Runde übernahm der Brite wieder die Initiative und traktierte seinen Gegner mit schweren Treffern. Firtha konnte sich kurz vor der Pause nur noch mit Klammern aufrecht halten und wurde vom Ringrichter stehend angezählt. Das vorzeitige Ende kam dann in der fünften Runde, als der US-Amerikaner erneut zahlreiche Treffer einstecken mußte und daraufhin aus dem Kampf genommen wurde.

Im anschließenden Interview sprach Fury von einem spektakulären Kampf, der seinen irischen Fans sicher gefallen habe. Nicolai Firtha sei ein zäher Kämpfer, der an diesem Abend jedoch zu viele Treffer abbekommen habe. Der Brite erinnerte in seinem Resumee daran, daß der US-Amerikaner zuletzt dem gesamten Repertoire Alexander Powetkins zwölf Runden lang standgehalten habe. Zugleich räumte Fury aber selbstkritisch ein, daß er seine eigene Defensive noch erheblich verbessern müsse.

Promoter Mick Hennessy lobte den Auftritt seines Schützlings in den höchsten Tönen und gab sich überzeugt, daß Tyson Fury die Zukunft im Schwergewicht gehöre. Da er erst 23 Jahre alt sei, wolle man ihn Schritt für Schritt aufbauen und zunächst zum Europameister machen. Ihn jetzt gegen einen Weltmeister antreten zu lassen, wäre sicher unklug, doch schon in 18 Monaten werde er mit allen Champions den Boden aufwischen, mischte Hennessy eine realistische Einschätzung mit berufsständischer Anpreisung seines Boxers. Sollte die gebotene Nüchternheit, die Tyson Fury bislang auszeichnet, weiterhin sein Wegbegleiter bleiben und ihn davon abhalten, sich in einem verfrühten Titelkampf verheizen zu lassen, könnte er zu einem Schwergewichtler avancieren, der der Ära nach den Klitschkos seinen Stempel aufdrückt.

20. September 2011



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