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MELDUNG/596: Dmitri Pirog läßt sich nicht aus dem Konzept bringen (SB)



Pflichtherausforderer Gennadi Martirosian überfordert

Weltmeister Dmitri Pirog hat den Titel der WBO im Mittelgewicht erfolgreich verteidigt. Im heimischen Krasnodar dominierte er den Pflichtherausforderer Gennadi Martirosian zehn Runden lang, worauf dieser vorzeitig aus dem Kampf genommen wurde. Während der Champion damit auch in seinem 19. Profikampf ungeschlagen blieb, stehen für den ebenfalls in Rußland lebenden Armenier nunmehr 22 Siege und drei Niederlagen zu Buche.

Zwar suchte der Herausforderer von Beginn an den Schlagabtausch, doch ging dieser auf Grund der wenig stabilen Deckung Martirosians durchweg zu seinen Lasten. Der 31jährige mußte bereits in der zweiten Runde zahlreiche Treffer hinnehmen und verfügte nicht über die boxerischen Mittel, diese Gefahr abzuwenden. Wenngleich er seinerseits Schläge ins Ziel zu bringen versuchte, fehlte es diesen doch an der erforderlichen Wirkung. Der Titelverteidiger konnte mit seiner Führhand weitgehend ungehindert schalten und walten, wobei er mit seinen Haken das Gesicht seines Gegners vom vierten Durchgang an deutlich zeichnete. In der fünften Runde machte der Herausforderer endlich eine bessere Figur, als er mit einigen Kombinationen zum Zuge kam. Pirog ließ sich indessen nicht irritieren und gewann bald wieder die Oberhand.

Als er das Tempo erhöhte, wurde rasch klar, daß der Gegner sein Pulver bereits verschossen hatte. Im neunten Durchgang war es schlecht um Martirosian bestellt, der etliche Wirkungstreffer verkraften mußte. Der Weltmeister setzte ihm weiter zu und drängte auf eine Entscheidung, wobei er nun auch seine rechte Schlaghand immer häufiger einsetzte. Der Herausforderer, dessen Auge inzwischen fast zugeschwollen war, suchte im zehnten Durchgang sein Heil in verzweifelten Attacken. Pirog ließ ihn zunächst gewähren und beschränkte sich weitgehend auf seine Deckungsarbeit. Als sein Kontrahent dann erschöpft den Druck verringerte, fiel der Titelverteidiger mit heftigen Angriffen über ihn her. In der Pause zog Martirosians Ecke schließlich die Konsequenzen und ließ ihren Boxer nicht mehr zur elften Runde antreten.

Damit hatte der überforderte Ranglistenerste seinen Meister gefunden, während Pirog den im Juli letzten Jahres gewonnenen Titel zum zweiten Mal erfolgreich verteidigen konnte. Der Champion unterstrich seinen Anspruch auf einen Vereinigungskampf mit einem anderen Weltmeister, der seinen Namen international bekannt machen könnte. Derzeit spricht jedoch wenig dafür, daß sich ein Titelträger seiner Gewichtsklasse für ein Kräftemessen mit dem Russen interessiert.


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IBF-Turnier kürt Herausforderer im Mittelgewicht

Ebenfalls im Mittelgewicht führt die IBF ein Turnier mit vier Kandidaten durch, in dem der Pflichtherausforderer des Weltmeisters Daniel Geale ermittelt werden soll. Am 7. Oktober beginnt die erste Runde, wenn der Russe Roman Karmazin (Nummer 7) in Burbank, Illinois, auf Osumanu Adama (Nummer 6) trifft. Während der erfahrene Karmazin 40 Kämpfe gewonnen, vier verloren und zwei unentschieden beendet hat, kann sein Gegner mit 19 Siegen und zwei Niederlagen aufwarten.

In der zweiten Begegnung treffen aller Voraussicht nach Sam Soliman (Nummer 8) und Peter Quillin (Nummer 10) aufeinander, was natürlich die Frage aufwirft, warum nicht besser plazierte Boxer um das Vorrecht kämpfen, sich mit dem IBF-Champion zu messen. Die Begeisterung für derartige Turniere hält sich zumal bei den führenden Akteuren meist in Grenzen, da sie sich aus nachvollziehbaren Gründen nicht gern vertraglich in einen derartigen Modus einbinden lassen. Jeder hofft auf die Chance, bei einer freiwilligen Titelverteidigung eines Weltmeisters rascher zum Zuge zu kommen.

Sam Soliman hat zwar bereits 39 Kämpfe gewonnen, aber andererseits auch schon elf verloren. Hingegen weist Peter Quillin eine makellose Bilanz von 25 Siegen auf, weshalb man ihm gute Aussichten einräumt, auch im kommenden Kampf ungeschlagen zu bleiben. Soliman gibt sich zweckoptimistisch überzeugt, Quillin die erste Niederlage beizubringen, und lobt seine eigene Form in den höchsten Tönen. Er sei heute besser als bei seinem Kräftemessen mit Winky Wright im Jahr 2005, wobei der beträchtliche zeitliche Abstand deutlich macht, wie sehr es ihm in jüngerer Zeit an präsentablen Ruhmesblättern mangelt. Auch der Verweis auf potentielle Kandidaten wie Exweltmeister Sebastian Sylvester, die das Duell mit ihm scheuten, vermag nicht zu überzeugen. Der Greifswalder will möglichst rasch wieder Champion werden, so daß ihm ein Sieg über Soliman nicht weiterhelfen würde.

28. September 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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