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MELDUNG/601: Im Mittelgewicht bleibt Sergio Martinez das Maß aller Dinge (SB)



Exeuropameister Darren Barker unterliegt in der elften Runde

Der ehemalige Europameister Darren Barker lieferte Sergio Martinez in der Boardwalk Hall von Atlantic City einen beherzten und überraschend starken Kampf, doch vermochte auch er den WBC-Diamond-Champion im Mittelgewicht nicht zu bezwingen. Der 36 Jahre alte Argentinier setzte sich durch K.o. in der elften Runde durch und verbesserte seine Bilanz auf 48 Siege, zwei Niederlagen und zwei Unentschieden, während sich der 29jährige Brite in seinem 24. Profikampf erstmals geschlagen geben mußte.

Zwar suchte der klar favorisierte Titelverteidiger von Beginn an seine Konterchance, doch bot der Brite eine taktisch überzeugende Leistung, boxte mit einer robusten Deckung und ließ seinen Gegner zunächst kaum zum Zuge kommen. Barker traf in der Anfangsphase sogar des öfteren, doch unternahm er zu wenig, um die ersten Runden für sich zu entscheiden. Daß ihm dieser Kampf einiges abverlangen würde, merkte der Argentinier spätestens in der vierten Runde, als seine Nase nach einem Uppercut Barkers stark zu bluten anfing. Nachdem der Brite in der vierten und fünften Runde einen guten Eindruck hinterlassen hatte, setzte sich Martinez in der Folge besser in Szene und ging aus einem Schlagabtausch gegen Ende des sechsten Durchgangs als Sieger hervor.

Da Barker mit seiner Doppeldeckung nach wie vor wenig Trefferfläche bot, schlug der Argentinier nun verstärkt zum Körper. Wie man dies früher schon bei Martinez gesehen hatte, lud er seinen Gegner mit hängenden Fäusten zum Angriff ein, was dem Herausforderer jedoch schlecht bekam. In der zehnten Runde war er nach einer rechten Geraden sichtlich angeschlagen, wobei sein Gesicht inzwischen beiderseits deutliche Spuren aufwies. Das vorzeitige Ende folgte in der elften Runde, als der Brite zu Boden gehen mußte und von Ringrichter Eddie Cotton ausgezählt wurde.

Wie der Argentinier im anschließenden Interview erklärte, habe sein Gegner einen guten Job gemacht. Daher sei es erforderlich gewesen, ihn langsam auseinanderzunehmen. Wenngleich man gegen den wenig bekannten Briten eine klarere Dominanz des Champions erwartet hatte, der als weltbester Mittelgewichtler gehandelt wird, schadet dieser letzten Endes erfolgreiche Auftritt Martinez nicht. Möglicherweise lockt er damit sogar Gegner an, die ihm bislang tunlichst aus dem Weg gegangen sind. Bernard Hopkins, der sich bei 170 amerikanischen Pfund mit ihm treffen wollte, wird es aller Voraussicht nach aber nicht sein. Sergio Martinez winkte mit dem Hinweis ab, dieses Gewicht liege immer noch zu hoch für ihn.


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Andy Lee setzt sich gegen Brian Vera durch

Im Vorprogramm des Duells zwischen Sergio Martinez und Darren Barker setzte sich der irische Mittelgewichtler Andy Lee einstimmig nach Punkten gegen Brian Vera durch. Da der Ire wie Martinez bei Promoter Lou DiBella unter Vertrag steht, könnte der Sieg sein Türöffner zum erhofften Titelkampf gegen den Argentinier gewesen sein. Während er vor dreieinhalb Jahren noch gegen Vera verloren hatte, zeigte sich der inzwischen von Emanuel Steward trainierte 27jährige taktisch gereift und ließ sich diesmal nicht von seinem Temperament mitreißen.

Wie schon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen gelang Andy Lee auch diesmal ein früher Niederschlag, als sein Gegner in der zweiten Runde zu Boden ging. Der Ire steckte zwar im folgenden Durchgang seinerseits einige Treffer weg, doch blieb er bei seiner Marschroute, den Kampf aus der Distanz zu führen. Brian Vera trug nach einem unabsichtlichen Kopfstoß in der vierten Runde eine Rißwunde an der linken Augenbraue davon und fand sich im sechsten Durchgang erneut auf den Brettern wieder, doch wurde dies nicht als regulärer Niederschlag gewertet.

Nach den festgesetzten zehn Runden fuhr der Ire einen klaren Punktsieg ein (99:90, 99:90, 98:91) und kann nun mit einer Bilanz von 27 Siegen und einer Niederlage aufwarten. Brian Vera, der ihm mit seinem Kampfgeist Paroli geboten hatte, verschlechterte sich auf 19 gewonnene und sechs verlorene Auftritte.

Wie Andy Lee nach seinem Erfolg im Interview analysierte, sei er darauf bedacht gewesen, den Gegner zu treffen und sich sofort wieder zu entziehen, um sich nicht für dessen Schläge zu öffnen. Er habe durchaus vorgehabt, Vera durch einen Niederschlag auszuschalten, doch habe es ihm dieser Gegner nicht leicht gemacht. Die Bedeutung dieses Sieges sei nicht zu bemessen, sagte Lee, dem die Erleichterung deutlich anzusehen war. Die Vorbereitung habe Jahre gedauert, und wenn er an diesem Abend besiegt worden wäre, hätte ihn das bis ans Ende seines Lebens verfolgt.

3. Oktober 2011



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