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MELDUNG/608: WBO erkennt Sergei Dsindsiruk den Titel ab (SB)



Lukas Konecny fordert neuen Weltmeister heraus

Sergei Dsindsiruk ist nicht länger WBO-Champion im Halbmittelgewicht. Da der Ukrainer seinen Titel im Verlauf von sechs Jahren nur sechsmal verteidigt hat und zuletzt den geplanten Kampf gegen Lukas Konecny wegen einer Verletzung absagen mußte, zog der Verband nun die Konsequenzen und nahm ihm den Gürtel ab. Der 35 Jahre Exweltmeister steht bei US-Promoter Gary Shaw unter Vertrag und hat von seinen 38 Profikämpfen nur einen verloren: Bei einem Abstecher ins Mittelgewicht fand er in dem überragenden Argentinier Sergio Martinez seinen Meister.

Die WBO hat den bisherigen Interimsweltmeister Dsaurbek Baisangurow zum regulären Champion ernannt, der seinen Titel unmittelbar gegen Konecny verteidigen muß. Der Tscheche steht beim Magdeburger Boxstall SES unter Vertrag und hat 47 Profikämpfe gewonnen sowie drei verloren. Für seinen Gegner werden 26 Siege und eine Niederlage notiert. Der Sieger dieses Duells ist gehalten, sich binnen 120 Tagen mit Sergei Dsindsiruk zu messen.

Damit winkt Lukas Konecny die Chance, sich für den am 30. September ausgefallenen Titelkampf schadlos zu halten. Der Tscheche war im April 2008 in Dresden umstritten an Sergei Dsindsiruk gescheitert und hat seither elf Kämpfe in Folge gewonnen. Zuletzt verteidigte der 33jährige den Titel des Europameisters im Mai erfolgreich gegen den französischen Pflichtherausforderer Hussein Bayram. Zur Feier seines 50. Profikampfs gab der Tscheche in seiner Heimatstadt Usti nad Labem eine überzeugende Vorstellung und setzte sich einstimmig nach Punkten durch. Zugleich sicherte er sich den Intercontinentaltitel der WBO.


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Alexander Dimitrenko steigt in der WBC-Rangliste auf

Am 24. September verteidigte Alexander Dimitrenko den Titel des Europameisters im Schwergewicht in Hamburg erfolgreich gegen Michael Sprott. Allerdings hatte der gebürtige Ukrainer mit deutscher Staatsbürgerschaft aus dem Universum-Boxstall unerwartete Probleme mit dem Briten, den 36 Siege und 17 Niederlagen als erfahrenen, aber keinesfalls erstklassigen Gegner ausweisen. Dessen ungeachtet ist Dimitrenko, der 32 Kämpfe gewonnen und nur einen gegen den US-Amerikaner Eddie Chambers verloren hat, dank seines jüngsten Erfolgs in der Rangliste des World Boxing Council (WBC) weiter aufgestiegen.

Nachdem der Pole Tomasz Adamek gegen Vitali Klitschko verloren hatte, büßte er die Führung der Rangliste ein. Diesen Platz belegt nun Chris Arreola aus den USA, der 2009 von Klitschko und 2010 von Adamek besiegt worden war. An zweiter Stelle folgt jetzt Alexander Dimitrenko, der eigenen Angaben zufolge Tag für Tag hart daran arbeitet, sein großes Ziel zu erreichen und Weltmeister in der Königsklasse des Boxens zu werden.


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Arena nimmt Darnell Wilson unter Vertrag

Ob Promoter Ahmet Öner diese Entscheidung allein aus sportlichen und kommerziellen Erwägungen getroffen hat, sei dahingestellt: Jedenfalls nahm er den US-amerikanischen Schwergewichtler Darnell Wilson unter Vertrag, der jüngst Juan Carlos Gomez überraschend nach Punkten besiegen konnte. Wilson hat zwar in der Vergangenheit sogar schon einmal um die Weltmeisterschaft gekämpft, doch ist er mit einer durchwachsenen Bilanz von 24 Siegen, zwölf Niederlagen und zwei Unentschieden nicht gerade ein Boxer, um den sich Promoter reißen würden.

Daß der 38jährige am 24. September bei der ersten Veranstaltung des Universum-Boxstalls unter neuer Regie ausgerechnet gegen den Kubaner gewann, gefiel Öner jedoch so gut, daß er den Amerikaner kurzerhand verpflichtete. Gomez sei in den Weltranglisten nach wie vor gut plaziert, doch habe Wilson ihn klar besiegt, was diesen natürlich interessant mache, so Öner. Darnell habe sich seines Erachtens durch diesen Erfolg gerade in Deutschland einen Namen gemacht. Das wecke Begehrlichkeiten, und deshalb habe man zugeschlagen.

Juan Carlos Gomez stand in seiner bewegten Karriere einst bei Universum unter Vertrag, wo er von Fritz Sdunek betreut WBC-Weltmeister im Cruisergewicht wurde. Obgleich der Kubaner als eines der größten Talente in dieser Gewichtsregion galt, sorgte sein Lebensstil für immer neue Konflikte mit Trainer und Promoter, die in diverse Abschiede und Wiederkünfte mündeten. Später nahm der konkurrierende Arena-Boxstall im Zuge seines Aufbaus Gomez unter Vertrag, der jedoch vor einiger Zeit wieder zu Universum zurückgekehrt ist.

Unter diesen Umständen liegt nahe, daß Ahmet Öner bei seiner Neuverpflichtung nicht zuletzt den alten Streit im Sinn hatte. Ob er bei dieser Entscheidung gut beraten war, muß sich noch erweisen. Zwar sorgte die unerwartete Niederlage des Kubaners, der 49 Kämpfe gewonnen und drei verloren hat, für beträchtliche Aufmerksamkeit, doch hat sich unterdessen bestätigt, daß sich Gomez von der zweiten Runde an mit einer schweren Schulterverletzung weiterquälte. Daß der Amerikaner gegen einen Boxer, der neun Runden lang im Grunde nur mit einer Hand kämpfen konnte, am Ende lediglich nach Punkten gewann, verwandelt das vermeintliche Ruhmesblatt wohl in ein Armutszeugnis. Wilsons Berater Donato DeMartiis freut sich um so mehr über den Glücksgriff und lobt Arena als bedeutenden und weltweit agierenden Boxstall, der für Darnell absolut Sinn mache.

10. Oktober 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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