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MELDUNG/611: Jean-Marc Mormeck krasser Außenseiter gegen Wladimir Klitschko (SB)



Ukrainer stellt vorzeitigen Sieg in Aussicht

Um die Titelverteidigung Wladimir Klitschkos gegen Jean-Marc Mormeck zu vermarkten, bedarf es einiger Anstrengungen. Wenngleich die Auftritte des ukrainischen Brüderpaars in aller Regel Selbstgänger sind und sich zumindest in Deutschland außerordentlicher Beliebtheit beim Sportpublikum erfreuen, ist nach dem Höhepunkt des Duells mit dem Briten David Haye im Juli und Vitalis überaus klarem Erfolg gegen den zuvor hochgehandelten Polen Tomasz Adamek im September eine Sättigung nicht auszuschließen. Der französische Herausforderer ist zwar Experten seit Jahren ein Begriff, doch gilt das nicht für die Mehrzahl der hiesigen Zuschauer, die kaum etwas mit diesem Namen anfangen können. Zudem hat die langjährige Dominanz der Klitschkos zwangsläufig den Eindruck genährt, niemand in der aktuellen Schwergewichtsszene könne es mit ihnen aufnehmen.

Da sich Mormeck schwerlich als überaus gefährlicher Gegner anpreisen läßt und ein Haßduell wie im Falle Hayes eines Showtalents bedarf, über das der Franzose nicht verfügt, verlegt sich Wladimir Klitschko darauf, einen überlegen herausgeboxten und insbesondere vorzeitigen Sieg in Aussicht zu stellen. Bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf, wo der Kampf am 10. Dezember im Fußballstadion über die Bühne gehen soll, gab sich der Ukrainer kühl und fast schon herablassend. Die Kampfansage seines Gegners ließ er reglos und wie gelangweilt vorüberziehen, um dann für den 60. Profikampf seiner Karriere den 50. K.o.-Sieg anzukündigen: Er werde dem Herausforderer keine Chance geben und ihn im Ring zerstören. Zu diesem Zweck wolle er alles dafür tun, den Franzosen auf die Bretter zu schicken. Auf Mormecks Erklärung, er werde das Glaskinn Klitschkos zerbrechen, erwiderte der Ukrainer, er habe vielleicht ein Glaskinn, doch den Franzosen ausschalten, bevor er es auch nur einmal angefaßt habe.

Klitschko, der sich wie immer in den Tiroler Bergen auf den Kampf vorbereitet, hat im Laufe seiner langen und erfolgreichen Karriere nur dreimal verloren und ist seit dem 10. April 2004 ungeschlagen. Mit Blick auf die 50.000 Zuschauer, die im Stadion erwartet werden, sprach der Ukrainer von dem besonderen Gefühl, in einer solchen Arena zu boxen. Müde sei er noch lange nicht, da jeder Kampf eine neue Herausforderung für ihn darstelle. Die Körpergröße seines Gegners sei nicht entscheidend, da man im Ring stets mit Überraschungen rechnen müsse. Deshalb nehme er auch diesen Kampf sehr ernst, der kein Spaziergang für ihn sei. Wladimir sei logischerweise der Favorit und Jean-Marc der Underdog, räumte Klitschkos Manager Bernd Bönte indessen unumwunden ein.

Jean-Marc Mormeck wirkt schon von seinen körperlichen Voraussetzungen her nicht wie ein Kontrahent, der die Siegesserie Wladimir Klitschkos beenden könnte. Der Franzose ist 17 cm kleiner, 13 kg leichter und vier Jahre älter als der 35jährige Superchampion der Verbände WBA und WBO sowie Weltmeister der IBF und IBO. Mormeck war früher Champion der Verbände WBA und WBC im Cruisergewicht, bis ihm David Haye 2007 die beiden Gürtel abnahm. Wie der Brite ist auch Mormeck später ins lukrativere Schwergewicht aufgestiegen, wo er seit 2009 jedoch erst drei Auftritte gegeben hat. Von 40 Profikämpfen hat der aus Guadalupe stammende Franzose 36 gewonnen und vier verloren, wobei er inzwischen als Boxer eingeschätzt wird, der den Zenit seines Könnens überschritten hat.

Natürlich fügt sich der Herausforderer nicht in die Rolle des chancenlosen Außenseiters. Kanonenfutter werde er für den Weltmeister keineswegs sein, versicherte Mormeck. Dies sei der Kampf seines Lebens, denn er wolle der erste Schwergewichtschampion in der Geschichte Frankreichs werden. Er habe fast alle Auftritte Klitschkos gesehen oder kommentiert, sagte der Herausforderer, der zuweilen als Ringexperte für das Fernsehen arbeitet. Wie er anführte, habe auch Klitschko schon Kämpfe verloren und sei nicht unschlagbar. Er selbst habe stets die Herausforderung gesucht und sei in der Vergangenheit jedem einzelnen Gürtel hinterhergerannt. Jetzt biete sich ihm die einmalige Gelegenheit, sich alle Titel zu holen. Obgleich er fast 40 Jahre alt und wesentlich kleiner als Klitschko sei, solle man nicht auf seine Größe achten, sondern auf das, was in ihm stecke. Er sei fest entschlossen und habe die Kraft, es zu schaffen, da er ein Krieger im Ring sei.

13. Oktober 2011



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