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MELDUNG/619: Argentinischer Riese auf Normalmaß geschrumpft (SB)



Marco Hucks Gegner erheblich kleiner als angenommen

Im Vorfeld der Titelverteidigung Marco Hucks, der am Samstag in Ludwigsburg gegen Rogelio Rossi den Gürtel der WBO im Cruisergewicht zu Markte trägt, war insbesondere von der ungewöhnlichen Größe des Argentiniers die Rede. Da der zwei Meter große Herausforderer den Champion beträchtlich überrage, müsse sich Trainer Ulli Wegner für die Vorbereitung etwas einfallen lassen, hieß es des öfteren. So arbeitete man denn mit Hockern, Kisten und Plateauschuhen, um die Übergröße dieses Kontrahenten zu simulieren. Wie sich nun auf der Pressekonferenz herausgestellt hat, war diese Mühe umsonst: Entgegen offiziellen Angaben ist der Argentinier lediglich 1,92 m groß und überragt den Weltmeister damit nur um fünf Zentimeter.

Der sei wohl vor Angst geschrumpft, scherzte der erstaunte Huck, nachdem er den Herausforderer eigenhändig vermessen hatte. Ihm sei jedoch egal, ob sein Gegner groß oder klein ist, denn er schlage sie alle. Von Rossi lasse er sich den Titel bestimmt nicht nehmen: "Weltmeister wird der höchstens im Traum." Rossi, der das Verwirrspiel offensichtlich genoß, räumte ein, daß er natürlich keine zwei Meter groß sei. Doch wenn man Angst habe, wie das bei Huck wohl der Fall sei, komme einem der Gegner immer größer vor, als er tatsächlich ist. Er werde den Weltmeister besiegen und den Gürtel mit nach Hause nehmen, gab sich der Argentinier siegessicher. Kein Problem, meint Trainer Ulli Wegner. Man habe beim Sparring große und kleine Partner gehabt und sei daher auf alles eingestellt. Wäre Rossi schlau gewesen, hätte er sich auf die Zehenspitzen gestellt, um größer zu wirken: "Ich glaube nicht, daß er gegen Marcos Siegeswillen und seine Explosivität bestehen kann", schloß der 69jährige.

Man kann nur mutmaßen, ob sich diese kuriose Episode tatsächlich einer Fehlinformation verdankte oder vielmehr eine kleine Inszenierung war, um den Argentinier aufzuwerten und für Gesprächsstoff zu sorgen. Marco Huck, der 33 Kämpfe gewonnen und nur einen verloren hat, stand vor der Wahl, entweder gegen den Pflichtherausforderer Denis Lebedew anzutreten oder den Titel freiwillig gegen Rossi zu verteidigen. Der 31jährige Russe wäre sicher die schwierigere Aufgabe gewesen. Am 18. Dezember 2010 hatte sich der WBO-Champion in Berlin nur knapp und umstritten mit 2:1 Punktrichterstimmen gegen Lebedew durchgesetzt, der seither eine Revanche fordert. Der Russe hat 22 Kämpfe gewonnen, lediglich gegen Huck verloren und führt die Rangliste der WBO an.

Marco Huck zog den drei Jahre älteren Herausforderer aus Buenos Aires vor, für den neben 17 Siegen auch zwei Niederlagen sowie ein Unentschieden zu Buche stehen. Rossi wird in der WBO-Rangliste erst an 15. Stelle geführt, wobei er allerdings seine beiden Niederlagen schon im zweiten und dritten Profikampf bezogen hat. Danach bleib er in den folgenden 17 Auftritten ungeschlagen und gewann im Zuge seines Aufstiegs den argentinischen Titel und die Südamerika-Meisterschaft.

Zweiter Hauptkämpfer der Veranstaltung in Ludwigsburg ist Dominik Britsch, der den Intercontinentaltitel der IBF im Mittelgewicht gegen den US-Amerikaner Billy Lyell verteidigt. Während der 23jährige Neckarsulmer in 25 Profikämpfen ungeschlagen ist, steigt der Herausforderer mit einer Bilanz von 24 gewonnenen und neun verlorenen Auftritten in den Ring. Wie Britsch berichtet, habe er gemeinsam mit seinem Trainer Ulli Wegner eine erfolgversprechende Taktik ausgearbeitet, um Lyells Willen zu brechen, der stets nach vorn zu marschieren pflegt. In der Nähe seines Heimatortes aufzutreten, sei zwar ein starker Druck, doch zugleich auch eine zusätzliche Motivation, vor heimischen Fans mit einer besonders starken Leistung aufzuwarten.


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Bernard Hopkins hofft auf Revision des Urteils

Wer nach der unglücklichen Niederlage von Bernard Hopkins gegen Chad Dawson Zweifel an dem Auftritt des 46jährigen in der fraglichen Situation gehegt haben mochte, findet nun die ersten Angaben des entthronten WBC-Weltmeisters im Halbschwergewicht bestätigt. Hopkins hatte sich in der zweiten Runde des Kampfs auf den abtauchenden Herausforderer gelehnt, worauf ihn dieser regelrecht aushob und dabei zu Boden warf. Inzwischen wurde die Verletzung, die sich der Titelverteidiger dabei zuzog, als eine Gelenksprengung in der Schulter diagnostiziert. Hopkins nimmt eigenen Angaben zufolge derzeit Schmerzmittel ein und trägt den Arm in der Schlinge, um eine Verschlimmerung zu verhindern. Weitere Untersuchungen sollen folgen.

Unterdessen hofft der vorerst als Champion abgelöste Bernard Hopkins, daß die kalifornische Boxkommission das Urteil vom letzten Samstag aufhebt, Chad Dawson für die Regelwidrigkeit disqualifiziert und ihm den Titel zurückgibt: "Das war kein Unfall. Ich hätte mir den Hals oder die Wirbelsäule brechen können. Ich habe eine Familie."

21. Oktober 2011



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