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MELDUNG/632: Audley Harrison klammert sich an eine vage Hoffnung (SB)



Britischer Schwergewichtler beschwört ein spätes Wunder

Bei seinem Wechsel ins Profilager dank einer Olympiamedaille mit Vorschußlorbeeren überhäuft, wurde der britische Schwergewichtler Audley Harrison schon vor Jahren von nationalen Konkurrenten in die Schranken gewiesen. Nach der desaströsen Niederlage gegen David Haye schien der Zeitpunkt endgültig gekommen, einen Schlußstrich zu ziehen. Hochtrabend als "Battle of Britain" angekündigt, enttäuschte der Kampf zwischen dem damaligen WBA-Weltmeister und seinem Herausforderer am 13. November 2010 auf ganzer Linie. Die 20.000 Zuschauer in Manchester bekamen einen der deprimierendsten Titelkämpfe im Schwergewicht seit Jahren zu sehen, da Harrison noch schlechter als befürchtet war. Er brachte in drei Runden nur einen einzigen Treffer ins Ziel und verlor dann durch technischen K.o. gegen Haye, der nach zwei verhaltenen Durchgängen nur einmal Druck machen mußte, um den Herausforderer auszuschalten. Angesichts der desolaten Vorstellung Harrisons, die weithin mit Unverständnis und Häme quittiert wurde, zog die britische Boxkommission sogar in Erwägung, als Strafmaßnahme einen Teil seiner Kampfbörse einzuziehen.

Der inzwischen 40 Jahre alte Harrison klammert sich indessen noch immer an die vage Hoffnung, er werde es seinen einheimischen Rivalen zeigen und am Ende mit dem langersehnten Kampf um die Weltmeisterschaft die Ernte einfahren. Mit einer durchwachsenen Profibilanz von 27 Siegen und fünf Niederlagen gilt Audley Harrison nach wie vor als viertbester britischer Schwergewichtler, obgleich er seit dem Debakel gegen Haye nicht mehr im Ring gestanden hat. Nun will er die vor ihm plazierten Tyson Fury, Dereck Chisora und Sam Sexton der Reihe nach aufrollen und sich mit starken Leistungen den Klitschkos empfehlen. Den Ukrainern seien die Gegner ausgegangen, zumal sie nicht ständig gegen kleinere Kontrahenten antreten könnten. Zwar sei sein letzter Auftritt ein Desaster gewesen, doch habe er dabei gewissermaßen neben sich gestanden, appelliert Harrison an den guten Willen eines Publikums, das ihn weitgehend abgeschrieben haben dürfte.


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David Haye hält sich die Hintertür offen

Wenngleich David Haye seine Karriere zu seinem 31. Geburtstag am 13. Oktober offiziell beendet hat, heißt das nicht, daß er sich keine Hintertür offengehalten hätte. Die Niederlage gegen Wladimir Klitschko am 2. Juli in Hamburg war zwar ein großer Zahltag für den Briten, doch sicher nicht das Finale seiner Laufbahn, wie er es sich erträumt hatte. Dem Vernehmen nach werden Gespräche über einen Kampf gegen Vitali Klitschko geführt, der im Frühjahr vor großer Kulisse in einem deutschen Stadion ausgetragen werden soll. Für Haye ist der ältere Klitschko die einzige Option, die ihn veranlassen könnte, aus dem sportlichen Ruhestand zurückzukehren, womöglich doch noch ein letztes Glanzlicht zu setzen und ein zweites Mal kräftig abzukassieren. Aus Sicht des Ukrainers sind alle anderen Optionen weit weniger attraktiv, zumal Pflichtherausforderer Bermaine Stiverne nirgendwo Begeisterungsstürme auslösen dürfte.

Anläßlich der Präsentation seiner Autobiographie "Making Haye" erging sich der frühere Champion im Cruisergewicht und WBA-Weltmeister im Schwergewicht in allerlei Andeutungen über eine mögliche Fortsetzung seiner Laufbahn. So hob der 31jährige hervor, daß sein Buch das Ende offenlasse und man ein weiteres Kapitel niemals ausschließen könne. Die Zeit werde zeigen, ob ihn die Klitschkos eines Tages mehr brauchten, als er sie benötige. Wünschten die beiden leichte Erfolge, könnten sie weitermachen wie bisher. Suchten sie aber eine echte Herausforderung, würden sie wohl an seine Tür klopfen. Sollten sie nicht einem Kampf interessiert sei, habe er damit aber kein Problem, da er einfach weiterziehe. Deutlicher könnte David Haye kaum signalisieren, wie gerne er sich von Vitali Klitschko in den Ring bitten ließe.

5. November 2011



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