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MELDUNG/633: Denis Lebedews Frische überfordert Routinier James Toney (SB)



Russe neuer Interimsweltmeister der WBA im Cruisergewicht

Denis Lebedew ist neuer Interimsweltmeister der WBA im Cruisergewicht. Der Russe dominierte den 43jährigen US-Amerikaner James Toney in Moskau über zwölf Runden und gewann unangefochten nach Punkten (120:108, 120:108, 120:107). Während sich Lebedew damit auf 23 Siege bei nur einer Niederlage verbesserte, stehen für den Veteranen nun 73 gewonnene, sieben verlorene und drei unentschieden beendete Auftritte zu Buche.

Der Lokalmatador fand nach einem verhaltenen Auftakt wesentlich rascher in den Kampf und brachte einige Treffer ins Ziel, während Toney eine gute Deckungsarbeit zeigte, aber sehr passiv agierte. Zwar versuchte der US-Amerikaner in der Folge, mit seinem Jab Kombinationen vorzubereiten, doch hatte er Probleme mit der Reichweite seines Gegners. Als sich Toney darauf verlegte, an den Seilen stehend Lebedew kommen zu lassen, um eine Konterchance zu eröffnen, wirkte er dabei unsicher und schien sich eine Verletzung am linken Bein zugezogen zu haben. Wieder überzeugte der Russe mit seinen Aktionen und in der dritten Runde erwischte er seinen Gegner am Kinn, der daraufhin erneut ins Stolpern geriet.

Auf die Dauer gelang es dem US-Amerikaner immer weniger, den Schlägen Lebedews auszuweichen, der eine Runde nach der andern gewann und dabei fast nach Belieben schalten und walten konnte. Der Russe schlug Kombinationen und wich dann behende aus, so daß Toney keine Konterchance hatte. Mitunter bedenklich schwankend wurde der Veteran oft vom Schwung seiner eigenen Schläge davongetragen, bis er schließlich in der achten Runde seine Vorgehensweise geringfügig änderte und auf Konter mit der rechten Geraden setzte. Da seine Kondition rapide zu schwinden schien, konnte er Lebedew damit jedoch nicht ans Zeug flicken, der weiterhin souverän agierte.

James Toney, der in seiner langen Karriere noch nie vorzeitig verloren hatte, hielt sich tapfer auf den Beinen und gab nicht auf, wenngleich sein Trainer Buddy McGirt ihm in der Pause mit Abbruch drohte. Lebedew suchte nun den Niederschlag, doch der US-Amerikaner überstand auch die verbliebenen Runden und konnte den ungleichen Kampf wenigstens aufrecht stehend beenden.

Wie Toney nach der klaren Niederlage erklärte, sei Denis Lebedew ein großartiger Kämpfer. Wehgetan habe ihm der Russe aber nie, während die Knieverletzung das weit schwerwiegendere Problem gewesen sei. Wenngleich das keine Ausrede sein solle, habe diese Einschränkung doch seine Leistung maßgeblich beeinträchtigt. Er sei keineswegs am Ende, werde sich gründlich auskurieren und danach in den Ring zurückkehren. Es gebe noch viel zu erledigen, und auf seiner Wunschliste stünden eine Menge Leute.

Denis Lebedew kann nach diesem ungefährdeten Erfolg als neuer Interimsweltmeister der WBA den regulären Titelträger Guillermo Jones aus Panama herausfordern. Wie sein Manager Wladimir Hrijunow auf der Pressekonferenz monierte, kämpfe Jones nur einmal im Jahr. Im Grunde müßte ihm der Verband wegen Inaktivität den Titel aberkennen. Unter diesen Umständen sei die wahrscheinlichste Option ein Kampf gegen Antonio Tarver in England. Promoter Frank Warren sei sehr an diesem Duell interessiert und versuche, es auf die Bahn zu bringen.

Sollte es dazu kommen, nähme Denis Lebedew nach seinen Siegen über Roy Jones jun. und James Toney eine weitere US-amerikanische Legende ins Visier. Der 42jährige Antonio Tarver hatte überraschend dem Australier Danny Green den Titel des kleinen Verbands IBO abgenommen und ist seither wieder im Geschäft der Titelkämpfe. Er saß im Moskauer Eispalast am Ring, um sich seinen möglichen Gegner aus der Nähe anzusehen.

6. November 2011



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