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MELDUNG/636: Don King plant Neuauflage des "Rumble in the Jungle" (SB)



Vitali Klitschko und Bermane Stiverne sollen in Addis Abeba boxen

Promoter Don King, der 1974 den legendären "Rumble in the Jungle" mit Muhammad Ali und George Foreman in Szene gesetzt hat, macht sich derzeit für die Neuauflage einer Weltmeisterschaft im Schwergewicht in Afrika stark. Er möchte WBC-Champion Vitali Klitschko und dessen Pflichtherausforderer Bermane Stiverne im Februar oder März in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, kämpfen lassen. Wie Stivernes Manager Camille Estephen bestätigte, habe Don King angefragt, ob im Lager des Herausforderers Interesse an dieser Option bestehe. Man habe sich gerade die Titelverteidigung Lucian Butes gegen Glen Johnson in Quebec City angesehen, als King angerufen und gesagt habe, alle sollten dringend nach Florida kommen. Der Promoter wolle sichergehen, daß Bermane bereit ist: "Er ist es. Wir werden gewinnen", übte sich Estephen in Zuversicht.

Die wird man im Lager des Herausforderers noch in großen Portionen brauchen, gilt er doch als krasser Außenseiter im Kampf gegen Vitali Klitschko, der sich lieber einen attraktiveren Gegner ausgesucht hätte. Da der Verband jedoch die Pflichtverteidigung bis spätestens 19. März 2012 anberaumt hat, muß sich der Ukrainer fügen. Daß er Gefallen am Vorhaben Don Kings findet, ist jedoch kaum anzunehmen. Da sich die Klitschkos eigenständig vermarkten, haben sie in der Vergangenheit Geschäftsbeziehungen mit dem US-Promoter tunlichst vermieden. King hat die beiden Ukrainer zeitweise umworben, in anderen Fällen aber auch herabgewürdigt. Davon abgesehen sollte Vitali Klitschko besonnen genug sein, den bevorstehenden Durchschnittskampf nicht am legendären Duell zwischen Ali und Foreman messen zu lassen.

Beide zählten zu den berühmtesten Boxern ihrer Zeit, was man zumindest von Bermane Stiverne gewiß nicht sagen kann. Der 32 Jahre alte Kanadier ist seit seinem Sieg im Ausscheidungskampf gegen Ray Austin sogenannter Silberchampion des WBC und damit erster Kandidat zur Herausforderung des Weltmeisters. Stiverne ist wesentlich schwerer als David Haye oder Tomasz Adamek, die ursprünglich aus dem Cruisergewicht kamen und den Klitschkos schon körperlich unterlegen waren. Andererseits ist sowohl Haye als auch Adamek ein besserer Boxer, als es Stiverne je sein wird, was für dessen Gang mit Klitschko nichts Gutes verheißt. Samuel Peter und Chris Arreola, die zum Zeitpunkt ihrer Kämpfe gegen den WBC-Champion stärker als der Kanadier einzuschätzen waren, konnten ihre Wucht nicht nennenswert gegen Klitschko durchsetzen. Nichts spricht dafür, daß dies ausgerechnet Bermane Stiverne besser gelingen sollte.

Ende September sprach der Herausforderer in einem Interview mit Fighthype über seine Aussichten im Kampf gegen Vitali Klitschko. Wie er versicherte, gehe es ihm dabei nicht ums Geld. Alle Kandidaten vor ihm hätten es ernsthaft versucht, den Riesen zu schlagen. Jedem sei klar gewesen, daß es sich um die Chance seines Lebens handelte. Daher werde auch er in den Ring steigen, um den Gegner niederzuschlagen oder selbst auf den Brettern zu landen. Nach all den Jahren schätze er sich glücklich, in diese Position aufgestiegen zu sein. Etwas Schlimmeres, als zu verlieren, könne ihm dabei ohnehin nicht passieren. Als sei ihm bewußt geworden, wie defensiv diese Aussage klingen mußte, fügte er sogleich martialisch hinzu, daß man ihn schon umbringen müsse, wolle man ihn aufhalten. Die Sache sei einfach zu groß, um nicht sein Bestes zu geben. Er werde alles geben und den Ring hinterher ohne Bedauern verlassen. Die Klitschkos seien nicht unschlagbar, und so wolle er seine Chance suchen.

Auf die Frage, welche Lehren er aus dem Kampf gegen Ray Austin gezogen habe, antwortete Stiverne lachend, er wisse nun, daß er auch kämpfen könne, wenn er krank sei. Er sei damals mit hohem Fieber in den Ring gestiegen, von dem selbst seine Betreuer nichts wußten. Da die Qualifikation für den Titelkampf auf dem Spiel stand, wollte er keinen Rückzieher machen. Entsprechend seiner schlechten Verfassung habe er nicht gut gekämpft, aber dennoch gewonnen. Ihm sei nichts anderes übriggeblieben, als auf die Gelegenheit zum Niederschlag zu warten, und die habe er dann ja auch wahrgenommen. Erzählt habe er bislang niemandem davon, da er kein zweiter David Haye sei wolle, der seine Zehe zur Entschuldigung für die Niederlage heranziehe.

Er habe Klitschkos Kampf gegen Tomasz Adamek studiert, und wenn der Pole auch ein erstklassiger Boxer sei, gehöre er doch im Grunde nicht ins Schwergewicht. Das gelte selbst für David Haye, der einem Klitschko schon von der Statur her nicht gefährlich werden könne. Was ihn selbst betreffe, habe er gegen Ray Austin auf Grund seiner Krankheit nicht das gezeigt, wozu er fähig sei. So sei aus einem leichten Kampf ein Problem geworden, da er vor der zehnten Runde im Rückstand gelegen habe und alles mit einem Volltreffer klarmachen mußte. Mental sei er bereit für Vitali Klitschko und physisch werde er sich im Trainingslager so gut vorbereiten, daß er zum gegebenen Zeitpunkt in Bestform antreten könne. [1]

Fußnote:

[1] http://www.fighthype.com/pages/content10828.html

10. November 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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