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MELDUNG/639: Pacquiao behält im dritten Duell mit Marquez die Oberhand (SB)



Erneut ein knapper und umstrittener Punktsieg des Philippiners

Manny Pacquiao hat sich nach dem Unentschieden im Jahr 2004 und einem knappen Punktsieg 2008 erneut gegen Juan Manuel Marquez durchgesetzt. Wie schon bei ihren ersten beiden Begegnungen im Ring war auch diesmal der Ausgang umstritten, da der 38jährige Mexikaner der Auffassung war, nur durch ein Fehlurteil gegen den Philippiner verloren zu haben. Indessen verteidigte Pacquiao in Las Vegas durch einen Sieg nach Punkten (114:114, 115:113, 116:112) erfolgreich den Titel der WBO im Weltergewicht. Der 32 Jahre alte Champion gewann den 15. Kampf in Folge und verbesserte seine Bilanz auf 54 Siege, drei Niederlagen und zwei Unentschieden. Für Marquez stehen nun 53 gewonnene und sechs verlorene Auftritte sowie ein Unentschieden zu Buche.

Das im Vorfeld hoch aufgeladene Duell fand vor rund 15.000 Zuschauern in der ausverkauften MGM Grand Garden Arena statt, darunter prominente Sportler wie Mike Tyson, Magic Johnson, Charles Barkley und Steve Buscemi. Sie kamen ebenso auf ihre Kosten wie Millionen Fans auf den Philippinen und in Mexiko, wobei letztere natürlich vom Ausgang des Kampfs tief enttäuscht wurden. Da Pacquiao die Liste der besten Boxer aller Gewichtsklassen anführt und Marquez bislang an fünfter Stelle geführt wurde, ging man von einem der spektakulärsten Kämpfe des Jahres aus.

Nachdem man mit zehn Gongschlägen und einer Schweigeminute der am Montag verstorbenen Boxlegende Joe Frazier gedacht hatte, nahmen die Kontrahenten den Kampf vorsichtig auf, da beide aus ihren früheren Begegnungen um die Qualitäten des Gegners wußten. Nach und nach kam das Gefecht in Schwung, und kurz vor Ende der dritten Runde setzte der Weltmeister mit einem rechten Haken ein Warnsignal. Als es dann im vierten Durchgang zu einem offenen Schlagabtausch kam, schlug die Stimmung in der Halle hohe Wellen. Die fünfte Runde ging jedoch klar an den Mexikaner, der mit seiner Rechten den bis dahin deutlichsten Treffer ins Ziel brachte.

Immer wieder sorgte Marquez in dieser Phase mit schönen Kombinationen, schnellen Kontern und wuchtigen Kopftreffern dafür, daß Pacquiao aus dem Konzept kam und zurückweichen mußte. Der Philippiner hatte offensichtlich Probleme mit diesem gefährlichen Gegner, dessen ausgezeichnetes Timing ihn ins Hintertreffen zu bringen drohte. Nachdem der Weltmeister lange Zeit die für ihn eigentlich charakteristische Genauigkeit der Schläge vermissen ließ, erhöhte er schließlich in der neunten Runde den Druck. Nun erinnerte der Kampf in seiner Dramatik an die früheren Auseinandersetzungen, zumal Marquez die Angriffe Pacquiaos mit gefährlichen Kontern erwiderte.

Im zehnten Durchgang zog sich der Champion nach einem Zusammenstoß im Eifer des Gefechts eine Rißwunde über der rechten Augenbraue zu, die ihn jedoch in der Folge kaum beeinträchtigte. In der elften Runde brachte der Philippiner häufiger Treffer ins Ziel, während sein Gegner die spektakuläreren Schläge landen konnte. Vor der zwölften und letzten Runde ließ Trainer Nacho Beristain den Mexikaner wissen, daß er dabei sei, den Kampf zu gewinnen. Das sollte sich als gravierender taktischer Fehler erweisen, da Marquez dem Weltmeister die Initiative überließ, der damit im Finale punkten konnte und ein mögliches Unentschieden in den Sieg verwandelte.

Nach diesem hochklassigen Kampf, der den in ihn gesetzten Erwartungen gerecht wurde, fiel es schwer, von einem eindeutigen Sieger zu sprechen. Pacquiao hatte es insbesondere seiner höheren Aktivität zu Ende des Duells zu verdanken, daß er nach einem sehr ausgeglichenen Verlauf schließlich auf zwei der drei Punktezettel in Führung lag. Seine Fans seien glücklich, weil er gewonnen habe, sagte der Philippiner im Interview mit dem übertragenden Sender HBO. Wenngleich Marquez stark gekämpft habe, gebühre ihm selbst der Sieg. "Es war knapp, aber ich habe gewonnen", sagte Pacquiao, dessen Worte kaum zu verstehen waren, weil die mexikanischen Fans ihrer Empörung lautstark Luft machten und begannen, Flaschen auf den Ring zu werfen. Der Mexikaner warte ab, bringe seine Konter und schlage nicht allzu häufig, zog der Sieger Bilanz. Auf einen möglichen Kampf gegen Floyd Mayweather jun. angesprochen, erklärte Pacquiao, er sei dazu bereit, gegen den US-Amerikaner anzutreten und den Fans einen guten Kampf zu bieten.

Juan Manuel Marquez, der unmittelbar nach dem Schlußgong siegesgewiß beide Arme emporgereckt hatte, sprach nach Verkündung des Urteils sichtlich enttäuscht von der zweiten Schiebung. Wie er monierte, sei seine Überlegenheit diesmal noch klarer gewesen, da er die deutlicheren Treffer ins Ziel gebracht habe. Es sei schwer, gegen einen guten Kämpfer und drei Punktrichter zu boxen. Wie es um den Fortgang seiner Karriere bestellt sei, könne er noch nicht sagen. Vielleicht beende er seine Laufbahn, vielleicht mache er weiter.

14. November 2011



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