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MELDUNG/646: Peter Manfredo gegen Julio Cesar Chavez auf verlorenem Posten (SB)



WBC-Champion im Mittelgewicht setzt sich in der fünften Runde durch

Julio Cesar Chavez jun., Sohn der gleichnamigen mexikanischen Boxlegende, hat den WBC-Titel im Mittelgewicht erstmals erfolgreich verteidigt. Er traf im texanischen Houston auf Peter Manfredo jun., der ihm nicht das Wasser reichen konnte und in der fünften Runde aus dem Kampf genommen wurde. Während der ungeschlagene Champion seine Bilanz auf 44 Siege und ein Unentschieden ausbaute, stehen für den gescheiterten Herausforderer nunmehr 37 gewonnenen sieben verlorene Auftritte gegenüber.

Der 25 Jahre alte Mexikaner hatte sich den Gürtel am 4. Juni in Los Angeles gesichert, als er Sebastian Zbik aus dem Universum-Boxstall knapp und umstritten nach Punkten besiegte. Der Schweriner brachte zwar die Mehrzahl der Schläge ins Ziel, doch hielten die Punktrichter dem in der Schlußoffensive starken mexikanischen Pflichtherausforderer die klareren Treffer zugute. Wenngleich man damals nicht von einem regelrechten Fehlurteil sprechen konnte, wäre dieser Kampf in Deutschland wohl zugunsten des Titelverteidigers gewertet worden.

Da Chavez beim Duell mit Manfredo nach dem Wiegen fast neun Kilo zugelegt hatte, wirkte er körperlich so überlegen, als stünden Boxer aus zwei verschiedenen Gewichtsklassen im Ring. Um der oftmals extremen Gewichtsreduzierung bis zum offiziellen Wiegen und dem nachfolgenden nicht minder ungewöhnlichen Zuwachs an Masse entgegenzuwirken, sind einige Verbände dazu übergegangen, am Morgen des Kampftags einen zweiten Gang auf die Waage vorzuschreiben, bei dem ein festgelegter Schwankungsbereich nicht überschritten werden darf. Die Wirkung dieser Maßgabe, die sowohl der sportlichen Fairneß als auch der Gesundheit der Boxer geschuldet ist, kann das Problem jedoch nur eingrenzen, nicht aber aus der Welt schaffen.

Nachdem die Kontrahenten zurückhaltend begonnen hatten, ging der Titelverteidiger im zweiten Durchgang dazu über, sein Repertoire auszuspielen, und traf Manfredo kurz vor der Pause mit einem gefährlichen Konter. Da der Herausforderer erkannte, daß ihm Chavez aus der Distanz überlegen war, suchte er die Halbdistanz. Als der Mexikaner in der vierten Runde langsamer zu Werke ging, gelangen Manfredo einige Körpertreffer. Daraufhin setzte er auch im folgenden Durchgang auf diese Vorgehensweise, doch bremste ihn jäh ein rechter Haken gegen die Schläfe. Nun war Chavez nicht mehr zu halten, der Manfredo in den Seilen stellte und ihn mit einer Serie von Treffern bearbeitete, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Obgleich der Herausforderer nicht verteidigungsunfähig wirkte, war er doch offensichtlich schwer angeschlagen. Dieser Eindruck veranlaßte Ringrichter Lawrence Cole, einzuschreiten und den Kampf zu beenden.

Im anschließenden Interview mit dem übertragenden Sender HBO zog Peter Manfredo einen Vergleich mit seiner Niederlage gegen den Waliser Joe Calzaghe, bei der man ihn ebenfalls sehr schnell aus dem Kampf genommen hatte. Gegen Chavez sei es dasselbe gewesen, haderte der US-Amerikaner mit dem vorzeitigen Abbruch. Er räumte jedoch ein, daß ihm Chavez einen schweren Treffer verpaßt habe und solche Entscheidungen eben zum Boxen gehörten. Ihm sei ohnehin klar gewesen, worauf er sich einließ, als er gegen den Weltmeister vor dessen Heimpublikum antrat. Da er vor dem Kampf angekündigt hatte, er werde seine Karriere im Falle einer Niederlage beenden, erwartete man eine entsprechende Stellungnahme. Es sei nicht gut für ihn gelaufen: "Ich bin kein HBO-Kämpfer. Jedes Mal, wenn ich hier antrete, verliere ich", deutete Manfredo ein Ende seiner Laufbahn an.

Julio Cesar Chavez zog die positive Bilanz, daß er sich erstmals auf seine boxerischen Fähigkeiten und die Defensive konzentriert habe, was ihm seines Erachtens recht gut gelungen sei. Da es seinem Naturell entspreche, sich auf eine Schlägerei einzulassen, habe er diesmal versucht, sich etwas mehr aufs Boxen zu verlegen, weil das besser für ihn sei.

Als führender Mittelgewichtler gilt indessen Sergio Martinez, der seine beiden Gürtel am grünen Tisch verloren hat. Wie Chavez erklärte, fürchte er keinen Gegner. Der Argentinier sei ein großer Champion, doch überlasse er seinem Promoter die Entscheidung, die nächsten Schritte seiner Karriere zu planen und einzuleiten. Wenngleich man nicht ausschließen sollte, daß Chavez schon jetzt eine gute Figur gegen Martinez machen könnte, wäre er doch gut beraten, sich der größten Gefahr in seiner Gewichtsklasse zu einem späteren Zeitpunkt zu stellen. Das scheint man auch in seinem Umfeld so zu sehen, da die Strategie, sich verstärkt auf die technischen und taktischen Aspekte zu konzentrieren, auf den dringenden Rat seines Trainers zurückgehen dürfte.

21. November 2011



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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