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MELDUNG/654: Felix Sturm nimmt Anleihe bei Mahatma Gandhi (SB)



Werbetrommel wird gnadenlos gerührt

Am Freitagabend verteidigt Felix Sturm vor rund 13.000 Zuschauern in der Mannheimer SAP Arena den Titel des Superchampions der WBA im Mittelgewicht gegen den Briten Martin Murray. Der Weltmeister wie auch der übertragende Sender Sat.1 haben keinen Aufwand gescheut, um das unter dem Motto "Ring on Fire" inszenierte Spektakel weithin anzukündigen. Für den Werbe-Trailer stellte sich Sturm stundenlang in eine Schmiede in Hagen, und in der Pressemappe ist von der "heißesten Schlacht des Jahres" zu lesen. Im Vorprogramm treten die Söhne Mannheims um Frontmann Xavier Naidoo mit ihrem Titel "Kill all Psychopaths" auf. Der 32 Jahre alte Leverkusener hat sogar den indischen Freiheitskämpfer Gandhi für sich entdeckt: "Einen Leitsatz von Mahatma Gandhi finde ich für mich besonders passend: Stärke wächst nicht aus körperlicher Kraft, vielmehr aus unbeugsamem Willen."

Da sich Felix Sturm in seinem letzten Kampf nur knapp und umstritten durchsetzen konnte, hat er einiges gutzumachen. Eine Keilerei wie gegen den Iren Matthew Macklin soll es nicht wieder werden, sondern vielmehr "feines, technisches Boxen", wozu ihm auch Trainer Fritz Sdunek dringend rät: "Vor dem Kampf gegen Macklin hatte Felix andere Sachen im Kopf." Diesmal sei er in den vier Wochen mit 90 Runden Sparring voll bei der Sache gewesen. "Wir haben Murray studiert und die entsprechende Taktik erarbeitet. Wir sind bestens vorbereitet, um den Titel zu verteidigen. Er muß sich nur an unsere Taktik halten."

Der 29jährige Herausforderer ist in 23 Kämpfen ungeschlagen, britischer Meister und wird an Nummer drei der WBA-Weltrangliste geführt. In der unabhängigen Rangliste BoxRec.com taucht er allerdings erst an 32. Stelle auf. Auf der Pressekonferenz in Walldorf beließ es der Herausforderer nicht bei einem kurzen Wort des Dankes für diese Chance, sondern erklärte, seine Fans würden den Kampf zu einem Heimspiel für ihn machen. Felix sei schon lange ein großer Champion, doch am Freitag werde er ihn dominieren und sich den Titel holen. Davon träume er seit Jahren.

Auch sein Promoter Gareth Williams zeigte sich redefreudig, als er sich überschwenglich für diese "phantastische Gelegenheit" bedankte. Dem schloß sich auch Manager Neil Marsh an, worauf er es als größten Fehler Felix Sturms bezeichnete, Murray auszuwählen. Martin sei topfit und werde sich diese Chance nicht entgehen lassen: "Seine Zeit ist gekommen."

Felix Sturm ist seit fast zehn Jahren im Profigeschäft, hat 36 Kämpfe gewonnen und zwei verloren, wobei eine Niederlage gegen Oscar de la Hoya in den USA die Folge eines krassen Fehlurteils war. Er machte deutlich, daß er aus seinem schwachen Auftritt gegen Macklin die Konsequenzen gezogen hat: "Ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Jeder große Champion macht mal einen schlechten Kampf, das ist abgehakt." Der Titelverteidiger kündigte an, er werde alles überbieten, was bislang in der SAP Arena geboten worden sei. Da in dieser Halle auch Wladimir Klitschko aufgetreten ist, hat Sturm die Latte durchaus hoch gehängt. Wenngleich jeder Boxer im Vorfeld eines Kampfs von einer ausgezeichneten Vorbereitung zu berichten pflegt, betonte der Champion, daß er diesmal zehn Wochen perfekte Einstimmung absolviert und sich noch nie so gut gefühlt habe: "Wenn ich das umsetzen kann, bin ich kaum zu schlagen."

Wie der Weltmeister ankündigte, habe er sich hohe Ziele gesetzt: "Ich will meinen Titel verteidigen, um auch in Zukunft große Kämpfe machen zu können. Ich möchte meine Klasse noch fünf oder sechs Jahre dominieren und zeigen, daß ich jeden Gegner besiegen kann." Die spektakulärste Option wäre natürlich ein Duell mit Sergio Martinez, den der Verband WBC als sogenannten Diamantchampion führt. Der Argentinier gilt derzeit als weltbester Boxer des Mittelgewichts, was Felix Sturm natürlich bestreiten würde. Dieser genießt den Vorteil, daß ihm die WBA Pflichtverteidigungen seines Titels erspart und ihm somit freie Hand bei der Gegnerwahl läßt. "Ich bin Superchampion und habe Privilegien", erklärt Felix Sturm. "Der WBA-Champion muß mehr tun."

Damit ist Gennadi Golowkin gemeint, der den Leverkusener seit geraumer Zeit zum Kampf fordert, worauf er im Prinzip als regulärer Weltmeister des Verbands auch Anspruch hat. Der in 21 Profikämpfen ungeschlagene Kasache verteidigt seinen Titel am 10. Dezember in der Düsseldorfer Esprit-Arena gegen Lajuan Simon aus den USA. Dieser Kampf geht im Vorprogramm des Auftritts Wladimir Klitschkos mit dem Franzosen Jean-Marc Mormeck über die Bühne.

30. November 2011



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