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MELDUNG/660: Amir Khan überraschend von Lamont Peterson entthront (SB)



Wachablösung im Halbweltergewicht unter fragwürdigen Umständen

Amir Khan hat die Titel des WBA-Superchampions und IBF-Weltmeisters im Halbweltergewicht überraschend an Lamont Peterson verloren. Der Brite bezahlte das Wagnis, sich seinem Pflichtherausforderer vor dessen Heimpublikum in Washington D.C. zu stellen, mit einer sensationell anmutenden Niederlage unter fragwürdigen Umständen. Vom Kampfgericht begünstigt setzte sich der US-amerikanische Außenseiter über zwölf Runden knapp nach Punkten durch (111:114, 113:112, 113:112) und verbesserte seine Bilanz auf 30 Siege, eine Niederlage und ein Unentschieden. Für den gescheiterten Titelverteidiger aus Nordengland stehen nun 26 gewonnene und zwei verlorene Auftritte zu Buche.

Seiner Favoritenrolle entsprechend dominierte Khan im Convention Center in der Anfangsphase den Kampf und schickte seinen Gegner bereits in der ersten Runde auf die Bretter. Allerdings war Peterson mehr gestolpert als gefährlich getroffen worden. Solange der Brite seine Schnelligkeit und überlegene Beinarbeit konsequent ausspielte, behielt er klar die Oberhand. Von der dritten Runde an ließ er sich jedoch zunehmend in den Schlagabtausch an den Seilen verwickeln, worauf das Duell nach vier Runden ausgeglichen war. Von seinem Trainer Freddy Roach ermahnt fand der Titelverteidiger in den folgenden beiden Durchgängen zu seiner boxerischen Linie zurück und schien auf der Siegerstraße zu steuern.

Erst in der siebten Runde machte Peterson wieder Boden gut, als er den Kontrahenten mehrfach an den Seilen stellen und mit Schlägen zu Kopf und Körper bearbeiten konnte. Überdies zog Ringrichter Cooper dem Briten einen Punkt wegen Wegstoßens des Gegners ab, ohne zuvor eine klare Ermahnung ausgesprochen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt begann sich abzuzeichnen, daß der Referee dem Gast nicht gerade gewogen und offenbar geneigt war, die Regeln im Zweifelsfall zu seinen Lasten auszulegen. Da sich der Brite auch im achten Durchgang aufs Klammern oder Weglaufen beschränkte, gelang es dem Herausforderer, sich mit etlichen Körpertreffern in Szene zu setzen.

In der folgenden Runde übernahm Khan die Initiative und schickte seinen Gegner mit einer schweren Rechten beinahe ein zweites Mal zu Boden. Danach boxte der Herausforderer zwar weiter im Vorwärtsgang, doch war es der Brite, der die klareren Treffer ins Ziel brachte. Auch die zwölfte und letzte Runde schien eindeutig an den Titelverteidiger zu gehen, bis dieser plötzlich einen weiteren Punkt wegen Wegstoßens abgezogen bekam, der ihn letzten Endes die Titel kostete.

Nachdem der Jubel über den Sieg des Lokalmatadors verklungen war, sprach dieser von harter Arbeit und einem langen Weg, bis er schließlich ans Ziel gekommen sei. Er sei als krasser Außenseiter angetreten und habe sich nach dem frühen Niederschlag durchbeißen müssen. Khan habe ihn oft heruntergedrückt, wofür ein Punktabzug gerechtfertigt gewesen wäre. Weggeschoben zu werden habe ihm hingegen nichts ausgemacht. Er werde sich dem Briten auf jeden Fall zur Revanche stellen.

Sichtlich erbost kritisierte Amir Khan im Interview, er habe es an diesem Abend mit zwei Gegnern zu tun gehabt. Während er sauber gekämpft und die klareren Treffer gelandet habe, sei Peterson immer wieder mit gesenktem Kopf in ihn hineingerannt, so daß er ihn wegschieben mußte. Seit zwanzig Jahren habe man in Washington keine Boxkämpfe mehr veranstaltet, und nun habe man gesehen, warum das so war. Er sei jederzeit zu einem Rückkampf bereit.


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Im Januar trifft Sergei Liachowitsch auf Eddie Chambers

Am 21. Januar geht in Philadelphia ein hochkarätiger Kampf im Schwergewicht über die Bühne. Dabei steigt der frühere WBO-Weltmeister Sergei Liachowitsch erstmals nach seiner Niederlage gegen den Finnen Robert Helenius wieder in den Ring und mißt sich mit Eddie Chambers, der seit Jahren dem Kreis der führenden US-amerikanischen Akteure in der höchsten Gewichtsklasse angehört. Während der Weißrusse mit 25 Siegen und vier Niederlagen antritt, hat sein Kontrahent 36 gewonnene und zwei verlorene Kämpfe vorzuweisen.

Der 35 Jahre alte Liachowitsch hatte im Kampf gegen Helenius zunächst eine gute Figur gemacht, bis er von der Schlagwirkung des Gegners zermürbt vorzeitig unterlag. Inzwischen wird er von dem älteren Floyd Mayweather trainiert, der insbesondere die Defensive seines Schützlings verbessern möchte. Eddie Chambers sollte im Oktober einen Ausscheidungskampf der IBF gegen seinen Landsmann Tony Thompson bestreiten, dessen Sieger bei diesem Verband das Vorrecht winkte, Wladimir Klitschko herauszufordern. Nachdem Chambers jedoch wegen einer Rückenverletzung absagen mußte, fiel er in der Rangliste der IBF weit auf den 14. Platz zurück.

Liachowitschs Promoterin Kathy Duva, die den Kampfabend in Philadelphia organisiert, warb für das geplante Duell mit den Worten, sie wolle dem unwürdigen Eindruck der Schwergewichtsszene etwas entgegensetzen. Die Kandidaten stünden Schlange, um sich von den Klitschkos vermöbeln zu lassen, und vermieden es zugleich, untereinander zu kämpfen. Mit Liachowitsch und Chambers präsentiere sie zwei hochklassige Schwergewichtler, die bereit seien, das Risiko einzugehen, sich miteinander zu messen. Man könne von einem attraktiven Kampf ausgehen, in dem beide Boxer gleichermaßen Chancen auf den Sieg hätten. Wer dieses Duell gewinne, werde in den Ranglisten einen deutlichen Sprung nach oben machen, was den Reiz dieses Duells zusätzlich steigere.

12. Dezember 2011



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