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MELDUNG/663: WBC-Präsident präsentiert ehrgeiziges Turnierprojekt (SB)



Weltcup mit Boxern aus acht Gewichtsklassen geplant

Am Samstag erreicht das Super-Six-Turnier mit dem Finale seinen Höhepunkt, bei dem der US-Amerikaner Andre Ward und der Brite Carl Froch einander im Ring gegenüberstehen. Während dieser Kampf für die Experten und das speziell interessierte Sportpublikum durchaus seinen Reiz hat, muß man die erhoffte Breitenwirkung des Turniers und seinen Beitrag zur Belebung des Boxgeschäfts doch mit Fragezeichen versehen. Promoter Kalle Sauerland, der dieses Konzept entwickelt und mit dem US-amerikanischen Sender Showtime realisiert hat, kann ein Lied von den Problemen singen, die diversen beteiligten Boxer und deren Management unter einen Hut zu bringen, von Unvorhersehbarkeiten wie Verletzungen oder Rücktritten von der Teilnahme aus anderen Gründen ganz zu schweigen. Die Attraktivität dieses Formats lebt nun einmal von seiner zeitnahen Durchführung, da andernfalls das Interesse der Medien und Fans erlahmt. Bei Sauerland Event zog man daraufhin die Konsequenz, das geplante Turnier im Cruisergewicht auf vier Teilnehmer zu reduzieren und damit hoffentlich handhabbarer zu machen.

Um so erstaunlicher mutet daher das ambitionierte Vorhaben des World Boxing Council (WBC) an, einen Weltcup durchzuführen, der zwischen Mai und Ende Dezember 2012 über die Bühne gehen soll. Soweit bislang bekannt, ist die Teilnahme von Boxern aus acht Gewichtsklassen vorgesehen, wobei dem Sieger jedes Limits bis zu 250.000 Dollar als Preisgeld winken. WBC-Präsident José Sulaiman, der auf dem derzeit in Las Vegas stattfindenden WBC-Konvent mit seinem ehrgeizigen Projekt überraschte, pries sein Ziehkind in den höchsten Tönen an. Der 40 Wochen dauernde Weltcup werde gut fürs Boxen sein und sei eines der bedeutendsten Vorhaben, daß der Verband seit einem halben Jahrhundert auf die Beine stelle. Man habe eine mündliche Abmachung mit den amerikanischen Fernsehsendern und erwarte die Teilnahme aller Weltmeister der WBC-Föderationen, was regionale, internationale und Silberchampions einschließe. Man glaube, daß Boxer aus 164 Ländern an dem Weltcup teilnehmen werden, wobei es sehr wichtig sei, daß jeder Promoter seine Champions darauf hinweist, an diesem Turnier teilzunehmen.

Man braucht nicht zwischen den Zeilen zu lesen um zu erkennen, daß sich das Projekt - vorsichtig ausgedrückt - noch in einem Frühstadium befindet und die Bewerbung seitens WBC-Präsident Sulaimans etwas vorwegnimmt, was die Konsistenz des Nebulösen bislang kaum zugunsten größerer Verdichtung übersteigt. Dem Vernehmen nach sollen sechs der acht geplanten Gewichtsklassen bereits feststehen, nämlich die traditionellen Limits Fliegengewicht, Federgewicht, Leichtgewicht, Weltergewicht, Mittelgewicht und Schwergewicht. Das vorzugeben dürfte freilich der mit Abstand leichteste Teil der Übung sein.


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Urteil des Kampfs zwischen Hopkins und Dawson revidiert

Am 15. Oktober mußte Bernard Hopkins seinem US-amerikanischen Landsmann Chad Dawson den WBC-Titel im Halbschwergewicht überlassen, nachdem ihr Kampf auf ebenso spektakuläre wie umstrittene Weise geendet hatte. Als sich Hopkins in der zweiten Runde ein weiteres Mal auf den tief abduckenden Dawson lehnte, bäumte sich dieser ruckartig auf und schleuderte den Champion damit zu Boden, der sich dabei eine Schulterverletzung zuzog. Bernard Hopkins, der auf Grund seiner Verletzung nicht weiterboxen konnte, machte geltend, daß sein Gegner ihn regelwidrig niedergeworfen habe, weshalb der Kampf nicht gewertet werden dürfe. Ringrichter Pat Russell entschied jedoch auf technischen K.o. und sprach dem Pflichtherausforderer den Sieg zu.

Mit seinem Einspruch gegen die Wertung des Kampfs und den damit verbundenen Titelverlust erzielte Hopkins einen ersten Durchbruch, als das WBC die Entscheidung des Ringrichters nicht anerkannte und die Wertung auf technisches Unentschieden änderte, so daß Bernard Hopkins weiterhin Weltmeister blieb. Nun hat auch die kalifornische Boxkommission das ursprüngliche Urteil aufgehoben und mithin die alten Verhältnisse definitiv wiederhergestellt.

Bei einem Treffen der Kommission revidierte Ringrichter Pat Russell sein Urteil, wonach die entscheidende Aktion von Hopkins ausgegangen sei und Dawson keine Schuld treffe. Er räumte ein, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, da die Einstufung "ohne Wertung" angemessen gewesen wäre. Die kalifornische Boxkommission stimmte mehrheitlich einer Aufhebung des Urteils zu, so daß Hopkins' Niederlage vom 15. Oktober nun auch offiziell aus seiner Bilanz gestrichen wird.

16. Dezember 2011



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