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MELDUNG/668: Quartett der Extraklasse dominiert Supermittelgewicht (SB)



Ernte des Super-Six-Turniers noch längst nicht eingefahren

Das Finale des Super-Six-Turniers, in dem der weltbeste Boxer des Supermittelgewichts gekürt werden sollte, liegt erst wenige Tage zurück, und schon haben Erwägungen über weitere attraktive Kämpfe in dieser stark besetzten Gewichtsklasse Hochkonjunktur. Neben Turniersieger Andre Ward aus den USA und dessen britischem Gegner Carl Froch komplettieren IBF-Weltmeister Lucian Bute und der Däne Mikkel Kessler aus dem Sauerland-Boxstall das Quartett der prominentesten Akteure. Wenngleich ein Duell zwischen Ward und Bute die offene Frage aus der Welt schaffen könnte, ob das Turnier ohne den in Kanada lebenden Rumänen am Ende tatsächlich die absolute Spitzenklasse präsentiert hat, winkt der Kalifornier vorerst ab. Er müsse nicht sofort gegen Lucian Bute kämpfen, zumal eine Revanche mit Mikkel Kessler durchaus attraktiv sei, um verbliebenen Zweifeln hinsichtlich ihres Turnierkampfs den Boden zu entziehen.

Ward hatte vor heimischem Publikum in Oakland eine ausgezeichnete Leistung geboten, Kessler aber auch mit nicht geahndeten Kopfstößen traktiert, die schließlich zum Abbruch und damit der Niederlage des Dänen führten. Der Kalifornier ist ein begnadeter Konterboxer, der über erstklassige technische und taktische Fertigkeiten verfügt. Er kennt jedoch auch keinerlei Skrupel zu klammern sowie Kopf und Schulter vorzustrecken, um seinen Gegner zu blockieren, was Ringrichter in den USA so gut wie nie zu monieren pflegen. Ward ist seit Mitte der 1990er Jahre als Amateurboxer und im Anschluß als Profi ungeschlagen, wobei ihn die Kombination von boxerischen Vorzügen und gewogenem Kampfgericht im heimischen Umfeld namentlich für ausländische Gegner zu einer uneinnehmbaren Bastion macht.

Die offenbar von Ward bevorzugte Konstellation könnte Froch begünstigen, sich im nächsten Schritt mit Lucian Bute zu messen. Da der Brite nicht nur das Finale des Turniers, sondern dabei auch den Titel des WBC verloren hat, könnte er sich im Falle eines Sieges über Bute mit dem Gürtel der IBF schadlos halten. Sein Promoter Eddie Hearn ist jedenfalls von dieser Aussicht angetan und spricht diesbezüglich gar von einer logischen Konsequenz. Er sei zuversichtlich, dieses Duell baldmöglichst auf die Beine stellen zu können.

An einer Revanche mit Carl Froch ist neben Andre Ward aber auch Kesslers Promoter Kalle Sauerland interessiert. Der Däne hatte nach seiner Niederlage gegen Ward, die ihn den Gürtel der WBA kostete, in der nächsten Runde des Turniers Froch in Dänemark nach Punkten besiegt. Wenngleich die Wertung des Kampfgerichts durchaus akzeptabel war, beklagte der Brite einen Heimvorteil seines Gegners, so daß auch in dieser Hinsicht ein Rückkampf seinen eigenen Reiz hätte. Sauerland, der das Konzept des Turniers entwickelt hatte, ist augenscheinlich bestrebt, dessen Früchte weit über das Finale hinaus zu ernten.

Auch er spricht von offenen Fragen und bringt natürlich insbesondere seinen Boxer ins Spiel: Er könne sich sogar zwei weitere Duelle zwischen Kessler und Froch vorstellen, eines in Dänemark und eines in England, regt Sauerland ein Miniturnier von überschaubarem Format an. Man könnte dort auftreten, wo die größte Resonanz beim Publikum anzutreffen sei. Wenngleich man sich natürlich darüber freuen würde, Mikkel Kessler wieder als Weltmeister zu sehen, sei ein Kampf gegen Carl Froch so hochwertig, daß es dazu keines Gürtels bedürfe. Der Brite habe trotz der Niederlage im Finale seinen Marktwert durch die Turnierteilnahme vervielfacht und sei derzeit als Gegner so heiß begehrt, daß er unter dem Strich am Ende gewonnen habe.

22. Dezember 2011



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