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MELDUNG/678: Mike Tyson zieht einen Schlußstrich unter seine Vergangenheit (SB)



Der 45jährige hat seinen Lebenswandel komplett umgestellt

In einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat der frühere Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson einen definitiven Schlußstrich unter seine ebenso turbulente wie angefeindete Vergangenheit gezogen. Wenngleich man schmerzlich bilanzieren muß, daß die hochentwickelte und dabei weithin unverstandene Boxkunst seiner besten Tage der Vergessenheit anheimgefallen ist wie auch die rebellischen und nicht zu zähmenden Aspekte seiner jungen Jahre restlos als Torheit und Bösartigkeit diskreditiert bleiben, hört man zumindest eines mit Erleichterung: Er hat überlebt und scheint eine Existenzweise gefunden zu haben, die die Dämonen aller Art für absehbare Fristen bannt.

Wie der 45jährige heute zu berichten weiß, habe er sein Leben komplett umgestellt: "Mein Ego hat mich verrückt gemacht. Ich war zu jung, alles ging viel zu schnell, ich hatte keine Chance, mich zu entwickeln. Ich war ein Arschloch, ein Spinner, ein Verrückter, ein besessener Irrer. Im ersten Teil meines Lebens war ich dabei, mich selbst zu zerstören. Es wird nie mehr einen Boxer geben, der mehr Pillen schluckt, als ich es getan habe. Ich war ein zorniger junger Mann, ein Rebell. Ich hätte nie gedacht, dass ich 30 werde. Ich bin froh, dass ich noch lebe." [1]

Den "exzessiven", den "wahren Mike", sagt Tyson, gebe es nicht mehr: "Früher war ich nie zu Hause, jetzt eigentlich nur noch. Langeweile bedeutet für mich Sicherheit. Ich bin ein Extremist, kenne nur schwarz oder weiß. Ich trinke keinen Alkohol, ich rauche nicht, nehme keine Drogen. Ich ernähre mich vegan, kein Fleisch, keine Milch, keine Eier. Ich esse Rosinen, Tomatensuppe, trinke Kamillentee. Ich wiege 100 Kilo, vor zwei Jahren waren es noch 160."

Tyson, bis heute jüngster Champion in der Geschichte des Schwergewichts, nimmt die Klitschkos gegen den Vorwurf in Schutz, sie boxten langweilig. "Die Leute wollen einen Champ, der vernichtet, aber das ist nicht objektiv. Im Boxen geht es ums Gewinnen, und was tun Vitali und Wladimir? Sie gewinnen. Sie machen kaum Fehler, sie warten auf ihre Chance wie eine Kobra. Das sieht nicht spektakulär aus, ist aber erfolgreich."

Eine mögliche Rückkehr in den Ring schließt Tyson, der in seiner Karriere rund 400 Millionen Dollar verdient und jetzt 27 Millionen Dollar Schulden hat, kategorisch aus: "Ich bin nicht mehr in der Lage, jemanden einzuschüchtern, ich flöße niemandem mehr Angst ein mit meiner Erscheinung. Ich habe den Biss nicht mehr."


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Nikolai Walujew kehrt nicht mehr in den Ring zurück

Nikolai Walujew, gewissermaßen der boxerische Gegenentwurf zu Mike Tyson, da er zeit seiner Karriere in erster Linie von seiner riesenhaften Statur profitierte und erst spät nennenswerte technische Ansätze erkennen ließ, hängt die Boxhandschuhe an den Nagel. Zwar ist in der Branche die vermeintliche Endgültigkeit solcher Entscheidungen bekanntlich mit Vorsicht zu genießen, doch spricht im Falle des hühnenhaften Russen alles dafür, dem exzessiven Raubbau an der Physis vernünftigerweise ein Ende zu setzen. Wie der 38jährige in einem Interview unterstrich, werde er 2012 keinesfalls in den Ring zurückkehren und daher seine sportliche Laufbahn wahrscheinlich beenden. Nachdem er sich bei den letzten Parlamentswahlen in Rußland einen Sitz in der Duma sichern konnte, will sich nun voll und ganz seiner Politikerkarriere widmen.

Der 2,13 m große und mehr als 150 kg schwere Gigant kämpfte seit 1993 im Prolilager. Dank eines glücklichen Siegs über den Puertoricaner John Ruiz wurde er 2005 zum ersten Mal WBA-Weltmeister im Schwergewicht. Nach drei erfolgreichen Titelverteidigungen gegen Owen Beck, Monte Barrett und Jameel McCline verlor er seinen Gürtel 2007 an den Usbeken Ruslan Tschagajew, der bei der Hamburger Universum Box-Promotion unter Vertrag steht. Im Jahr 2008 holte sich Walujew zwar mit einem erneuten Sieg gegen John Ruiz den Titel zurück, doch führte die WBA zu dieser Zeit zwei Champions, da Tschagajew nach wie vor nicht entthront war. Nach einem weiteren umstrittenen Sieg gegen Evander Holyfield trat der Russe im November 2009 in Nürnberg zu seinem mutmaßlich letzten Profikampf an, in dem er David Haye knapp nach Punkten unterlag und den Gürtel des Weltmeisters an den Briten abtreten mußte. Im Laufe seiner Karriere hat der lange ungeschlagene Nikolai Walujew 50 Kämpfe gewonnen und nur zwei verloren.

Fußnote:

[1] http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,806429,00.html

2. Januar 2012



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