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MELDUNG/679: Andre Dirrell und Jermain Taylor melden sich erfolgreich zurück (SB)



Nach 21 Monaten Pause sucht Dirrell wieder Anschluß an die Spitze

Im Super-Six-Turnier der namhaften Akteure des Supermittelgewichts hatte der US-Amerikaner Andre Dirrell zum Auftakt in Nordengland knapp nach Punkten gegen den Briten Carl Froch verloren. In seinem zweiten Kampf besiegte er am 27. März 2010 in der Joe Louis Arena von Detroit den Berliner Arthur Abraham durch dessen Disqualifikation in der elften Runde. Das Duell sollte ursprünglich bereits am 23. Januar ausgetragen werden, doch fand man zu diesem Zeitpunkt merkwürdigerweise keine geeignete Halle. Als neuer Termin wurde der 6. März vereinbart, den Dirrell jedoch absagen mußte, nachdem er sich im Training eine Rückenverletzung zugezogen hatte. Statt in Palm Springs fand der Kampf schließlich in Dirrells Heimatstadt statt.

Im Oktober 2010 stieg Andre Dirrell aus dem Turnier aus. Er führte zur Begründung nicht näher spezifizierte neurologische Probleme an. Daher trat er nicht wie vorgesehen gegen seinen Landmann Andre Ward an. Die beiden hatten zu einem früheren Zeitpunkt erklärt, sie seien seit Jahren befreundet und würden deshalb nicht miteinander kämpfen. Sie standen schon bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen gemeinsam in der Staffel ihres Landes. Während Ward damals die Goldmedaille im Halbschwergewicht gewann, sicherte sich Dirrell Bronze im Mittelgewicht. Die beiden arbeiteten als Amateure mitunter im Sparring zusammen, gaben einander aber angeblich das Wort, nie einen Wettkampf gegeneinander auszutragen. Zunächst hielten sie einen Streit um den Austragungsort ihres ausgelosten Duells im Turnier vor. Ward bestand darauf, auch den dritten Kampf in seiner Heimatstadt Oakland zu bestreiten, Dirrell wollte hingegen nur vor heimischem Publikum in Detroit boxen. Schließlich zog der ärztliche Befund, Dirrell sei nicht in der Lage zu trainieren, einen Schlußstrich, der alle weiteren Spekulationen obsolet machte.

Nach einer langen Pause von 21 Monaten ist Andre Dirrell nun in kalifornischen Cabazon erfolgreich in den Ring zurückgekehrt. Der 28jährige benötigte lediglich zwei Runden, um den handverlesenen Aufbaugegner Darryl Cunningham zu besiegen und seine Bilanz auf 20 Siege und eine Niederlage zu verbessern. Während in der ersten Runde nichts Aufregendes geschah, schlug Dirrell im folgenden Durchgang trotz erfolgten Trennkommandos des Ringrichters nach. Damit handelte er sich eine Ermahnung ein, doch irritierte der Zwischenfall Cunningham augenscheinlich, da dieser nach der Freigabe des Kampfs die Deckung hängenließ. Dirrell nutzte dies augenblicklich und schlug den Gegner mit einer linken Geraden zu Boden. Cunningham kam zwar noch einmal auf die Beine, doch gelang es ihm nicht, sich zu erholen. Nach einem Haken im Infight landete er ein zweites Mal auf den Brettern und wurde diesmal aus dem Kampf genommen.

Im anschließenden Interview zeigte sich der Sieger erleichtert, wieder im Ring zu stehen und sich bewährt zu haben. Er habe Cunningham nicht auf die leichte Schulter genommen und erwartet, daß der Kampf länger dauern werde und ihm Gelegenheit böte, zu seinem früheren Timing zurückzufinden. Ihm komme es vor, als müsse er von Grund auf neu anfangen. Zwar seien Timing und Tempo schon wieder gut entwickelt, doch liege noch ein langer Weg an die Spitze vor ihm. Er sei nun 28 Jahre alt und werde hart daran arbeiten, sich in diesem Jahr einen Titel zu sichern. Zunächst muß sich allerdings erst einmal zeigen, auf welcher Position Dirrell nach seiner langen Abwesenheit in den Ranglisten geführt wird. Da die Konkurrenz im Supermittelgewicht von hoher Qualität ist, dürfte es für ihn nicht leicht sein, sich in absehbarer Zeit wie erhofft in Szene zu setzen.


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Jermain Taylor schüttelt den Rost ab

Auch Jermain Taylor gehörte zu den ursprünglichen Teilnehmern des Super-Six-Turniers und verließ es vorzeitig. Der US-Amerikaner hatte zum Auftakt der Serie am 17. Oktober 2009 in Berlin gegen den Lokalmatador und früheren IBF-Weltmeister im Mittelgewicht, Arthur Abraham aus dem Sauerland-Boxstall, durch Knockout vierzehn Sekunden vor Ende der zwölften und letzten Runde verloren. Taylor, der einst die Gürtel aller vier großen Weltverbände im Mittelgewicht hielt, zog sich dabei eine Gehirnerschütterung zu. Die Ärzte diagnostizierten offenbar sogar Hirnblutungen und Gedächtnisverlust als Folge des Niederschlags.

Mitte Januar 2010 gab Taylor seinen Ausstieg aus dem Turnier bekannt. Eine Pause sei unverzichtbar, um Geist und Körper eine dringend notwendige Erholungszeit zu gönnen, da er nun schon seit 20 Jahren boxe, gab der damals 31jährige in einer Stellungnahme bekannt. Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, weshalb er sich ausgiebig mit seiner Familie beraten habe. Obgleich Jermain Taylor durch den Rückzug aus dem Turnier mehrere Millionen Dollar verlor, war seine Entscheidung durchaus nachvollziehbar und vernünftig. Er hatte vier seiner letzten fünf Kämpfe verloren und war überdies bei den letzten drei Auftritten schwer k.o. gegangen.

Am selben Wochenende wie Andre Dirrell ist nun auch Jermain Taylor in den Ring zurückgekehrt. Er hatte dabei beträchtliche Mühe, seinen Aufbaugegner Jessie Nicklow in acht Runden zu besiegen, und verletzte sich überdies an der rechten Schlaghand. Nach 26 Monaten Pause fehlte Taylor vor allem in der Anfangsphase sichtlich die Kampfpraxis und so brauchte er mehrere Runden, um mit dem Timing zurechtzukommen. Schließlich war er jedoch eindeutig Herr im Ring, wenngleich auffiel, daß er von der vierten Runde an seine Rechte nur selten einsetzte, um sie zu schonen. Nach dem Schlußgong der sechsten Runde mußte er einen Punktabzug wegen Nachschlagens hinnehmen und entschuldigte sich später für diese völlig unnötige Aktion. In den folgenden beiden Durchgängen zermürbte er seinen Gegner, der dann in der achten Runde nach einer Kombination Taylors etwas vorschnell aus dem Kampf genommen wurde.

Jermain Taylor, für den nun 29 Siege, vier Niederlagen und ein Unentschieden zu Buche stehen, würdigte Jesse Nicklow hinterher als einen zähen Burschen, der zum Kämpfen gekommen sei. Er selbst habe anfänglich Probleme gehabt, wieder in Schwung zu kommen, was ihm in der Folge jedoch immer besser gelungen sei. Sein Jab sei nach wie vor da, und er wolle einfach Spaß im Ring haben. Er habe keinen festen Zeitplan und werde einfach jeden Kampf annehmen, zu dem sich die Möglichkeit ergebe.

3. Januar 2012



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