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MELDUNG/698: Exilkubaner Rigondeaux demonstriert überragendes Können (SB)



WBA-Champion Rico Ramos in sechs Runden entthront

Das sprichwörtliche Können exilkubanischer Boxer verdankt sich einer fundierten Ausbildung in einem Sportfördersystem, die weltweit ihresgleichen sucht. Das galt zumindest zu der Zeit, als jene Akteure, die heute im Profigeschäft Furore machen, auf Kosten der kubanischen Bevölkerung eine höchst erfolgreiche Karriere im Amateurlager durchliefen und für ihr Land Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sammelten. Von europäischen und US-amerikanischen Promotern, die Schleppern mitunter Millionen bezahlten, außer Landes gebracht, verwerten diese Akteure das ihnen von der sozialistischen Gesellschaft Kubas ermöglichte Potential für ihr persönliches Fortkommen und füllen zugleich die Taschen ihres Managements wie auch der führenden Sender.

Der im Superbantamgewicht kämpfende Guillermo Rigondeaux wurde angesichts einer phänomenalen Amateurlaufbahn im Profilager mit Vorschußlorbeeren überhäuft, war er doch in der Vergangenheit je zweimal Olympiasieger und Weltmeister geworden. Obgleich der 31jährige erst acht Auftritte unter professionellen Bedingungen bestritten und gewonnen hatte, räumte man ihm eine Titelchance ein. Allerdings waren zuvor die Meinungen geteilt, ob er tatsächlich schon reif für diese anspruchsvolle Aufgabe sei. Die Art und Weise, wie der Kubaner das Problem löste, ließ jedoch alle Skeptiker verstummen.

Er traf in Las Vegas auf den in 20 Kämpfen ungeschlagenen WBA-Champion Rico Ramos, der zweifellos zu den Besten seiner Gewichtsklasse zählt. Rigondeaux, der bislang dafür bekannt war, seine Kämpfe zurückhaltend zu beginnen und den Gegner zunächst zu studieren, eröffnete seinen Auftritt überraschend offensiv. Offenbar konsterniert mußte Ramos zurückweichen und wurde kurz vor der Pause nach einem Treffer an der Stirn sogar angezählt. Der von dem Druck des Kubaners überforderte Titelverteidiger konnte in dieser Phase von Glück reden, daß ihn der Gong vor einem frühen Scheitern rettete. Da der US-Amerikaner nun wußte, mit welcher Gefahr er sich konfrontierte, war er in der Folge auf der Hut. Dank seiner überlegenen Technik kontrollierte Rigondeaux das Geschehen im Ring, ohne sich allzu sehr ins Zeug zu legen.

Erst als das Publikum unruhig zu werden begann und auf seine Kosten kommen wollte, forcierte der Herausforderer das Tempo und drängte nun auf eine Entscheidung. Diese bahnte sich in der sechsten Runde an, als Ramos nach Treffern zum Körper und gegen die Schläfe offenbar Zeit schinden wollte, indem er einen regelwidrigen Schlag auf den Hinterkopf monierte. Ringrichter Joe Cortez ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und gab den Kampf bald wieder frei, womit der Untergang des Champions seinen Lauf nahm. Der Kubaner setzte vehement nach, während Ramos sein Heil in einer geschlossenen Doppeldeckung suchte. Dies wurde ihm zum Verhängnis, da ihm Rigondeaux sogleich einen schweren Körpertreffer versetzte. Geschlagen lag der US-Amerikaner am Boden, wo er von Cortez ausgezählt wurde.

Guillermo Rigondeaux hat sich damit verdient und in beeindruckender Manier zum neuen WBA-Weltmeister im Superbantamgewicht gekrönt. Nunmehr in neun Profikämpfen ungeschlagen, die er fast ausnahmslos vorzeitig für sich entscheiden konnte, unterstrich er seinen Anspruch, dem Kreis der stärksten Boxer seiner Gewichtsklasse anzugehören. Kaum hatte er alle Zweifel an seinem Entwicklungsstand im Profilager aus dem Feld geschlagen, als auch schon Spekulationen über mögliche Duelle der Superlative gegen den Japaner Toshiaki Nishioka oder gar Nonito Donaire von den Philippinen die Runde machten.

Schon im Vorfeld seines jüngsten Auftritts dachte Rigondeaux über den Kampf gegen Ramos hinaus. Er hatte den Wunsch geäußert, sich mit Nonito Donaire zu messen, der am 4. Februar gegen den früheren Champion Wilfredo Vazquez sein Debüt im Superbantamgewicht gibt. Trainer Ismael Salas gab daraufhin die Parole aus, gegen Rico Ramos in Bestform anzutreten, um dank eines überzeugenden Siegs darüber hinausreichenden Plänen den Weg zu bereiten. Auch Manager Boris Arenciabia bekräftigte die Absicht, wenn irgend möglich gegen den Sieger des Kampfs zwischen Donaire und Vazquez anzutreten. Man wolle nur gegen die allerbesten Gegner in dieser Gewichtsklasse kämpfen und setze auf jene Duelle, die für das Publikum am attraktivsten seien.

22. Januar 2012



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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