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MELDUNG/699: Marco Huck mit Ulli Wegner - Alexander Powetkin ohne Teddy Atlas (SB)



WBA-Champion muß sich ohne seinen US-Trainer vorbereiten

Der reguläre Weltmeister der WBA im Schwergewicht, Alexander Powetkin, lebt in Rußland, sein Trainer Teddy Atlas in den USA, und beim Berliner Promoter Sauerland Event ist man nicht gerade glücklich über diese Konstellation. Die räumliche Distanz bringt zwangsläufig Probleme mit sich, die auf Dauer in eine Zerreißprobe mit ungewissem Ausgang münden. So muß sich der Champion ohne seinen Trainer auf die Titelverteidigung gegen seinen ambitionierten Teamkollegen Marco Huck vorbereiten, der Tag für Tag Ulli Wegner an seiner Seite weiß.

Atlas kann dieses Manko nicht beheben, da ihn ein Vertrag mit dem US-amerikanischen Sender ESPN verpflichtet, 40 Wochen im Jahr als Experte "Friday Night Fights" zu begleiten. Der renommierte Trainer weiß, wie enttäuschend die Konsequenzen für Powetkin sind, doch müßten alle Beteiligten zu ihrem Wort stehen. Man habe vereinbart, daß er nach Rußland komme, wenn "Friday Night Fights" nicht läuft, und der Boxer andernfalls nach New York reise. Darauf habe man sich geeinigt, und daran sei nun nicht zu rütteln.

Wie Teddy Atlas unterstreicht, könne er definitiv nicht nach Rußland gehen, da er mit der Arbeit für ESPN seine Familie ernähre. Wegen dieser Tätigkeit habe er vor Jahren aufgehört, Boxer zu trainieren. Er sei dessen müde und verstehe nicht, warum die Leute in diesem Sport nicht zu ihrem Wort stehen. Folglich hängt die künftige Zusammenarbeit zwischen Atlas und Powetkin davon ab, ob der Russe bereit ist, fortgesetzt zu pendeln.

Dieser mißlichen Situation stehen die Fortschritte gegenüber, die Alexander Powetkin seit Beginn ihrer Zusammenarbeit im Sommer 2009 gemacht hat. Der Erfolg kann sich sehen lassen, da der russische Schwergewichtler Weltmeister geworden ist. Allerdings steht nach wie vor Wladimir Klitschko als Superchampion der WBA über ihm, dem er auf dringenden Rat seines Trainers aus dem Weg gegangen ist. Somit bleibt Powetkin vorerst die große Ausnahme unter den weltweit führenden Schwergewichtlern, da alle anderen gegen die Klitschkos verloren haben. Wie Atlas betont, sei das langfristige Ziel stets Wladimir Klitschko geblieben. Er wolle aber sichergehen, daß man diesen Kampf erst annimmt, wenn Powetkin dafür bereit ist. Dieser habe noch etwas Zeit gebraucht, sei mit jedem Kampf besser geworden und besitze nun eine eigene Identität.

Daß Atlas immer wieder auf die Bremse trat, kam Powetkin offensichtlich zugute, führte zwischenzeitlich aber zu heftigem Streit mit Promoter Sauerland. Angesichts gegenseitiger Vorwürfe schien das Tischtuch zwischen den beiden Parteien bereits endgültig zerschnitten zu sein. Man raufte sich jedoch wieder zusammen und wurde mit dem Titelgewinn belohnt. Der Gürtel des Champions bleibt auch nach dem 25. Februar einem Boxer Sauerlands erhalten, wobei hinter dem internen Duell mit Marco Huck wie so oft die Frage steht, ob der kurzfristige Vermarktungserfolg den längerfristigem Rückschlag für einen der beiden Akteure und damit auch den Promoter wirklich wettmacht.

Marco Hucks Trainer Ulli Wegner, der gegen den Aufstieg seines Schützlings ins Schwergewicht war und auch dem Kampf gegen den favorisierten Weltmeister Powetkin vermutlich wenig abgewinnen kann, sieht die Karten klar verteilt. Marco steige zweifellos als Außenseiter in den Ring, doch werde er als Trainer dafür sorgen, daß sein Boxer in Bestform antrete. Dieser habe nichts zu verlieren und daher die Pflicht, alles zu geben und an der Grenze seiner Fähigkeiten zu boxen.

Auf dem Papier sieht der in 23 Profikämpfen siegreiche Alexander Powetkin zunächst nicht besser als Marco Huck aus, der bereits 35 Profikämpfe bestritten und davon nur einen verloren hat. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, daß Huck noch nie im Schwergewicht gekämpft hat und unmittelbar nach dem Wechsel in die höchste Gewichtsklasse einen Weltmeister vor die Fäuste bekommt. Ulli Wegner steht fest zu seinem Schützling, wie man das von ihm kennt: Marco wolle nun einmal eine neue Gewichtsklasse ausprobieren, und so habe er ihn bei seinen Plänen unterstützt.

Der erfahrene Trainer nimmt aber zugleich kein Blatt vor den Mund, was Hucks Erklärung betrifft, ihm seien im Cruisergewicht langsam die Gegner ausgegangen. Dem könne er nicht zustimmen, unterstreicht Wegner, der zu Recht geltend macht, daß im alten Limit durchaus noch gefährliche Kontrahenten bereitgestanden hätten. Dessen ungeachtet freue er sich auf den Kampf gegen Powetkin, richtet der Trainer den Blick nach vorn. Wenn jemand die Gratwanderung bewältigen kann, Marco Huck anzuspornen und zugleich jede Selbstüberschätzung auszutreiben, dann ist es Ulli Wegner. Gut möglich, daß sich diese erprobte und enge Zusammenarbeit am Ende als Joker erweist, der für Alexander Powetkin ohne Teddy Atlas zum Stolperstein wird.

23. Januar 2012



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