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MELDUNG/703: Im Schwergewicht faßt Jugendwahn nicht Fuß (SB)



Veteran Hasim Rahman bekommt eine weitere Titelchance

Wenngleich die Klage wohlbegründet ist, das Schwergewicht drehe sich seit Jahren im Kreis und warte mit den ewig gleichen Namen auf, bleibt doch immerhin eines positiv anzumerken: Jugendwahn faßt in der Königsklasse nicht Fuß. Das Diktat, man müsse in immer jüngeren Jahren immer extremere Leistungen erzielen und die unbrauchbaren Alten frühzeitig entsorgen, beherrscht in dieser Gewichtsklasse nicht das Feld. Wohl gab es einen Mike Tyson, der als jüngster Schwergewichtsweltmeister aller Zeiten Geschichte schrieb, doch seither geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung. Vitali Klitschko ist inzwischen 40 Jahre alt und setzt doch beständig erstklassige physiologische Werte in konditionelle Vorteile um, während er zugleich seine unorthodoxe, aber effiziente Kampfesweise perfektioniert hat.

Auch der US-amerikanische Exweltmeister Hasim Rahman ist mit 39 Jahren für einen Spitzensportler nicht mehr der Jüngste. Seine Bilanz von 50 Siegen, sieben Niederlagen und zwei Unentschieden unterstreicht, wie lange er schon im Ring steht. Er ist derzeit Pflichtherausforderer der WBA und wird seine Chance bekommen, um den Titel zu kämpfen. Nachdem der Verband ursprünglich festgelegt hatte, daß der reguläre Champion Alexander Powetkin seinen Gürtel bis spätestens 27. Februar gegen Rahman verteidigen muß, galt es eine Absprache herbeizuführen. Da der Russe bekanntlich am 25. Februar gegen seinen Teamkollegen Marco Huck antritt, mußte man sich mit dem US-Amerikaner ins Benehmen setzen.

Der Geschäftsführer des Berliner Promoters Sauerland Event, Chris Meyer, reiste eigens an den Verbandssitz der WBA, um sich dort mit Rahmans Promoter Greg Cohen zu treffen. Bei dieser Zusammenkunft einigte man sich darauf, daß der Exweltmeister den Sieger des Kampfs zwischen Powetkin und Huck binnen 120 Tagen herausfordern darf. Damit ist das letzte verbliebene Hindernis aus dem Weg geräumt, und das Duell kann in der Stuttgarter Porsche Arena wie geplant über die Bühne gehen. Alexander Powetkin ist in 23 Profikämpfen ungeschlagen, Marco Huck hat 34 Auftritte gewonnen und einmal verloren. Sollte sich der als Außenseiter gehandelte Huck durchsetzen, wäre er der erste Cruisergewichtler, der sich ohne vorherige Aufbaukämpfe einen Titel im Schwergewicht gesichert hat.


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Johnathon Banks und DaVarryl Williamson in der Münchner Olympiahalle

Am 18. Februar verteidigt Vitali Klitschko den Titel des World Boxing Council (WBC) im Schwergewicht in der Münchner Olympiahalle gegen den britischen Herausforderer Dereck Chisora. Im Vorprogramm kommt es zu einem weiteren Schwergewichtskampf, der ursprünglich bereits für den 10. Dezember geplant war. Damals sollte Wladimir Klitschko gegen den Franzosen Jean-Marc Mormeck antreten, doch mußte der Ukrainer seinen Auftritt wegen einer akuten Erkrankung absagen und später auf den 3. März verschieben. Johnathon Banks und DaVarryl Williamson mußten sich ebenfalls in Geduld üben und mit einem neuen Termin anfreunden.

Banks, der 27 Kämpfe gewonnen, einen verloren und einen weiteren unentschieden beendet hat, steht bei der Promotion K2 der Klitschkos unter Vertrag. Der bereits 43 Jahre alte Williamson kann auf 27 Siege und sechs Niederlagen zurückblicken. Beide haben schon einmal um die Weltmeisterschaft gekämpft und verloren: DaVarryl Williamson mußte sich 2005 in einem wenig attraktiven Duell dem IBF-Champion Chris Byrd knapp nach Punkten geschlagen geben. Johnathon Banks unterlag 2009 dem damaligen IBF-Weltmeister im Cruisergewicht, Tomasz Adamek aus Polen, durch technischen K.o. in der achten Runde.


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Springt Denis Boitsow für Alexander Dimitrenko ein?

Der eingebürgerte Schwergewichtler Alexander Dimitrenko trägt sich Medienberichten zufolge schon geraume Zeit mit dem Gedanken, sich von der Universum Box-Promotion zu trennen. Nun scheint der ehemalige Europameister sein Vorhaben in die Tat umzusetzen und will den Hamburger Promoter bei der nächstmöglichen Gelegenheit verlassen. Aus diesem Grund könnte der von der Europäischen Box-Union angesetzte Kampf um den vakanten Titel gegen Kubrat Pulev ohne Dimitrenko stattfinden.

Sollte es dazu kommen, würde Denis Boitsow als Ranglistenzweiter nachrücken, der ebenfalls bei Universum unter Vertrag steht. Kubrat Pulev aus dem Berliner Sauerland-Boxstall ist in 15 Profikämpfen ungeschlagen. Die Versteigerung des Kampfs um die Europameisterschaft im Schwergewicht findet am 31. Januar statt. Ob Dimitrenko oder Boitsow mit von der Partei ist, wird sich also in Kürze endgültig entscheiden.

27. Januar 2012



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