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MELDUNG/722: Punktrichter retten Tavoris Cloud den Gürtel (SB)



Fragwürdiger Sieg über starken Spanier Gabriel Campillo

Die Mehrzahl der Zuschauer, Experten und Medienvertreter sahen den Spanier Gabriel Campillo als Sieger, doch zwei der drei Punktrichter sorgten im texanischen Corpus Christi dafür, daß Tavoris Cloud den Gürtel des IBF-Weltmeisters im Halbschwergewicht behalten durfte. Als hätten sie zwei verschiedenen Kämpfen beigewohnt, werteten die Offiziellen 116:110 und 114:112 für den Titelverteidiger sowie 115:111 zugunsten des Herausforderers. Nachvollziehbar war nur das letztgenannte Urteil, das freilich nicht verhindern konnte, daß der US-Amerikaner bevorteilt wurde und nun in 25 Auftritten ungeschlagen ist. Für Campillo, der sich ausgezeichnet gehalten hatte, stehen jetzt 21 Siege, vier Niederlagen und ein Unentschieden zu Buche.

Anfangs sah alles nach einem ungefährdeten Durchmarsch des Favoriten aus, der den Herausforderer bereits Mitte der ersten Runde zu Boden schickte und wenig später einen zweiten Niederschlag folgen ließ. Damit war der Kampf jedoch keineswegs entschieden, da der Spanier im zweiten Durchgang nicht nur gefaßt wirkte, sondern alsbald die Oberhand gewann. Während der Titelverteidiger nun häufig ins Leere schlug, brachte Campillo flüssige Kombinationen ins Ziel und fügte Cloud eine Rißwunde über dem Auge zu. Auch in der Folge fand der Weltmeister kein Mittel gegen die Offensive des Gegners und wirkte zusehends ratlos. Erst die letzten beiden Runden verliefen wieder ausgeglichen, so daß ein knapper Punktsieg des Herausforderers zu erwarten stand.

Dennoch rettete der Heimvorteil dem bei Don King unter Vertrag stehenden Tavoris Cloud den Sieg, wobei offenbleibt, wie es zu den beiden klaren Wertungen zugunsten des Champions kommen konnte. Dieser gab sich im anschließenden Interview mit dem Sender Showtime überzeugt, daß er verdient gewonnen habe, weil er meistens angegriffen und seinen Gegner mehrmals niedergeschlagen habe. Der Spanier habe häufig geschlagen und damit wohl beim Publikum den Eindruck erweckt, er sei überlegen. Die Punktrichter hätten jedoch seine eigenen Schläge gewertet, die härter gewesen seien als die des Gegners. Er habe Respekt vor Campillo, der ein guter Kämpfer sei. Der Herausforderer hatte nicht zum ersten Mal unter fragwürdigen Umständen verloren und reagierte relativ gelassen auf das Fehlurteil. Er habe mit einer hervorragenden Strategie geboxt und mach der ersten Runde einen außergewöhnlichen Kampf geboten. Deshalb verlange er eine umgehende Revanche.


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Spektakuläres Duell zwischen Yuriorkis Gamboa und Brandon Rios

Am 14. April soll ein spektakuläres Duell über die Bühne gehen. Im Mandalay Bay Casino in Las Vegas kämpfen Yuriorkis Gamboa und Brandon Rios um den vakanten WBA-Titel im Leichtgewicht. Während der in 21 Kämpfen ungeschlagene Kubaner früher Weltmeister zweier Verbände im Federgewicht war und gleich um zwei Gewichtsklassen aufsteigt, hat der ehemalige Leichtgewichtschampion Rios 29 Kämpfe gewonnen und einen unentschieden beendet. Nach den Plänen des Senders HBO sollten die beiden ursprünglich bei einer Veranstaltung im März gegen andere Gegner antreten und Werbung für ein Duell im Sommer machen. Inzwischen haben die Verantwortlichen jedoch umdisponiert und auf einen früheren Kampf der beiden Stars gedrängt.

Gamboa zeigte sich erfreut, daß die Einigung über die Konditionen herbeigeführt werden konnte. Dies sei eine große Chance und ein perfekter Test, seine außergewöhnlichen Qualitäten zu demonstrieren. Es komme eben darauf an, bedeutende Kämpfe zu bestreiten und entsprechend belohnt zu werden. Die Bedingungen des geschlossenen Vertrags halte er für sehr fair. Diese Auffassung konnte sein Promoter Ahmet Öner nicht ganz teilen, der einräumen mußte, daß die Details überwiegend zu Gunsten der Gegenseite ausgefallen seien. Dennoch habe man das Ziel erreicht und sei sehr froh, eine Einigung über diesen perfekten Kampf erzielt zu haben.


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Grünes Licht für Kampf zwischen Felix Sturm und Sebastian Zbik

Felix Sturm ist seit März 2010 Superchampion des Verbands WBA, der ihm eine großzügige Frist bis zur ersten Pflichtverteidigung seines Titels einräumt. Dies gestattet es dem Mittelgewichtler, der seit seiner Trennung von der Hamburger Universum Box-Promotion die Vermarktung in die eigenen Hände genommen hat, seine Gegner sorgfältig auszusuchen. Viermal hat er den Gürtel bislang freiwillig verteidigt, wobei es einige Male denkbar knapp zuging.

Mehrfach war Sebastian Zbick als möglicher Gegner im Gespräch, doch hatte Sturm in der Vergangenheit dieser Option stets eine Absage erteilt. Der für Universum boxende Schweriner war 2011 Weltmeister des WBC und hat sich wiederholt für ein innerdeutsches Duell mit dem Kölner starkgemacht, dem nun nichts mehr im Weg zu stehen scheint. Die Managements der beiden Boxer haben sich schon vor Wochen geeinigt, doch stand bislang die Zustimmung der WBA aus. Jetzt hat der Verband grünes Licht für diese Titelverteidigung gegeben, die am 13. April entweder in Köln oder in Oberhausen stattfinden soll. Während Felix Sturm 36 Kämpfe gewonnen, zwei verloren und zwei unentschieden beendet hat, kann Sebastian Zbik mit 30 Siegen und einer Niederlage aufwarten.

20. Februar 2012



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