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GESCHICHTE/195: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 62 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 4 / 26. Januar 2010
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1967/III: DSB und DOG gründen die Stiftung Deutsche Sporthilfe
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 62)

Eine Serie von Friedrich Mevert


Die Gründung der Stiftung "Deutsche Sporthilfe" durch den DSB und die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) am 26. Mai 1967 in Berlin bildete zweifellos den sportpolitischen Höhepunkt des vorolympischen Jahres. Die "Deutsche Sporthilfe" (DSH) sollte als "Sozialwerk" des deutschen Sports durch die Förderung von Spitzenathleten einen Beitrag zur Lösung der sozialen und gesellschaftlichen Probleme des Leistungssports liefern.

Nur mit knapper Mehrheit von 9:8 Stimmen hatte das DSB-Präsidium am 14. Januar in Dortmund dem Plan von Willi Daume zur Errichtung dieser Stiftung durch DSB und DOG zugestimmt. Festgelegt wurde dabei, dass die Stiftungsverwaltung durch die DOG-Geschäftsführung wahrgenommen werden sollte. Willi Daume war es gelungen, den Olympiasieger von Tokio und Mexico, Josef Neckermann, für den Vorsitz und Aufbau dieser Stiftung zu gewinnen, der in den 60er- und 70er-Jahren als Unternehmer Wirtschaftsgeschichte geschrieben hatte.

In den 21 Jahren seiner DSH-Führung setzte er Maßstäbe und wurde zum "Vater der Athleten". Nur eines war "Necko", wie ihn seine Freunde nannten, nicht, obwohl es in Rückblicken und Biografien heute oft so dargestellt wird: der Begründer der Sporthilfe. Dieses Verdienst steht Willi Daume zu.

In der Satzung der Stiftung Deutsche Sporthilfe, die am 13. Juni 1967 vom Hessischen Minister des Innern genehmigt wurde, heißt es in Paragraph 1: "Die Stiftung Deutsche Sporthilfe, am 26. Mai 1967 in Berlin vom Deutschen Sportbund und der Deutschen Olympischen Gesellschaft gegründet und am 13. Juni 1967 vom Hessischen Minister des Innern als Stiftung genehmigt, dient ausschließlich und unmittelbar dem gemeinnützigen Zweck, Sportler und Sportlerinnen, die sich auf sportliche Spitzenleistungen vorbereiten, solche erbringen oder erbracht haben, zum Ausgleich für ihre Inanspruchnahme durch die Gesellschaft und bei der nationalen Repräsentation ideell und materiell durch alle dazu geeigneten Maßnahmen zu fördern. Das geschieht insbesondere durch Hilfen jeder Art, um die sportliche Leistungsfähigkeit voll zu entfalten und zu erhalten, Unterstützungen einer ihren Anlagen, Fähigkeiten und.ihrer eigenen Einsatzfreudigkeit entsprechenden beruflichen Aus- und Weiterbildung und Linderung vorzugsweise sportbedingter sozialer Härten".

Willi Daume erklärte aus Anlass der Gründung:

"Die moderne Gesellschaft erwartet heute von ihren Spitzensportlern, daß sie sich jederzeit "zur Verfügung halten"; sie identifiziert sich mit ihnen und verleiht ihnen ein dementsprechend ungewöhnliches Maß an Prestige. Eine Gesellschaft würde verantwortungslos handeln, wenn sie ihre Spitzensportler in dem heute üblichen Maß in Anspruch nimmt, von ihnen verlangt, daß sie der Jugend mit gutem Beispiel vorangehen, asketisch leben und Opfer vieler Art bringen, die Lösung der aufgeworfenen sozialen Probleme dagegen dem einzelnen Sportler selbst überläßt. Es geht also auch darum, den Spitzensportler als Idol der Jugend zu erhalten".


Mit der Konstituierung des Vorstandes der Stiftung, deren notarieller Gründungsvertrag von DSB und DOG unter Beteiligung des NOK geschlossen wurde, nahm die DSH ihre eigentliche Arbeit auf. In Anwesenheit von DSB- und NOK-Präsident Willi Daume wurde Josef Neckermann (Frankfurt) zum Vorsitzenden gewählt, stellvertretender Vorsitzender wurde Oberstadtdirektor Dr. Werner Peterssen (Oberhausen), Mitglied des DOG-Präsidiums. Schatzmeister wurde Staatsminister a. D. Jan Eilers (Oldenburg), Vizepräsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft. Dem Vorstand gehörten ferner an: Dr. Willi Hübner (Essen), Karl-Wilhelm Leyerzapf (Darmstadt) und Rudolf Sedlmayer (München)vom DSB, Dr. Gisela Mauermayer (München) vom NOK sowie Dr. Georg von Opel (Frankfurt) und J. Heinrich Kramer (Bremerhaven) von der DOG. Dazu kommt der Sportreferent im Bundesinnenministerium Ministerialrat Dr. Cornelius von Hovora. Zum Geschäftsführer wurde Günter Pelshenke (Frankfurt) von der DOG bestellt.

Der Vorstand bestätigte den Gutachterausschuss, dem Pritz Bauer (Hamburg), Manfred Germar (Köln) und Prof. Dr. Josef Nöcker (Leverkusen) vom DSB und Gert Abelbeck (Frankfurt) von der DOG angehören. Die "Deutsche Sporthilfe" dient ausschließlich und unmittelbar dem gemeinnützigen Zweck, Spitzensportler und -Sportlerinnen durch schnelle, wirksame und unkomplizierte soziale Maßnahmen individuell zu fördern. Mit dieser Sitzung nahm die Stiftung ihre Arbeit auf. Die von den Spitzenverbänden vorzulegenden Anträge werden von dem sachverständigen und überverbandlichen Gutachterausschuß beraten.


Goldener Plan schon weitgehend erreicht

Über eine erfreuliche Zwischenbilanz konnten die Sportreferenten der Bundesländer bei ihrer Jahres-Konferenz 1967 in Berlin berichten:

"Die von der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) 1960 errechneten Soll-Zahlen des Goldenen Planes sind in den vergangenen fünf Jahren "zu einem guten Teil" erreicht worden. (...). Die Erfolge innerhalb der einzelnen Länder bei der Deckung des Bedarfs an Sporteinrichtungen ist recht unterschiedlich, doch werden konkrete Angaben darüber, einem Beschluß der Ministerpräsidenten-Konferenz folgend, nicht gemacht.

Im einzelnen wurden bis 1965 in allen Bundesländern 5.041 neue Turn-, Spiel- und Sporthallen, 4.654 neue ungedeckte Sportanlagen, 494 Freibäder, 140 Schwimmhallen und 640 Lehrschwimmbecken erstellt. Dieses Ergebnis entspricht etwa einem Drittel des von der Deutschen Olympischen Gesellschaft für 15 Jahre errechneten Bedarfs. Der Goldene Plan, der in verfassungsrechtlicher Hinsicht keine legitime Aufgabe des Bundes darstellt, wird auch weiterhin aus Bundesmitteln unterstützt. In Kürze sollen Beratungen darüber entscheiden, ob er zukünftig auch rechtlich als eine Gemeinschaftsaufgabe betrachtet wird, an der neben Gemeinden und Ländern auch der Bund vollverantwortlich beteiligt ist. In diesem Zusammenhang wird allerdings auch eine Berechnungs-Korrektur der (...) Bedarfszahlen angestrebt. (...) Die Sportreferenten (kamen) zu der Feststellung, daß die Mittel für den Sportstättenbau von den Ländern und Gemeinden nur bis 1966 in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt wurden, daß aber im laufenden Etatjahr eine rückläufige Tendenz deutlich sichtbar ist. Der Anteil des Bundes (...) im Rechnungsjahr 1967 beträgt 41 Millionen Mark gegenüber 40 Millionen Mark 1966."


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 4 / 26. Januar 2010, S. 29
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 3. Februar 2010