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GESCHICHTE/220: Bedeutende Sportpersönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte - Teil 10 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 17 / 27. April 2010
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Bedeutende Sportpersönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte (10)

Heinrich Hünecke - Vom Dorfschullehrer zum DSB-Vizepräsidenten


Sein sportliches und berufliches Leben war voller Höhen und Tiefen: Vom Dorfschullehrer stieg er zum Schulrat auf, vom Vereinsturnwart zum 1. Vizepräsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB). Heinrich Hünecke war Begründer, Vorsitzender und schließlich Ehrenvorsitzender des Landessportbundes Niedersachsen und wurde dennoch am Ende seines Wirkens wegen "bundesschädigenden Verhaltens" aus der von ihm selbst mitbegründeten niedersächsischen Sportorganisation ausgeschlossen und erst in jüngster Zeit (2008) rehabilitiert.

Hünecke wurde am 20. August 1891 als zweiter Sohn eines Bauern in Brebber bei Hoya (Niedersachsen) geboren und besuchte nach der Volksschule die Präparandenanstalt und das Schullehrerseminar in Bederkesa (Kreis Cuxhaven). 1912 bestand er die erste Lehrerprüfung und trat seine erste Lehrerstelle in Westbeverstedt im damaligen Kreis Geestemünde an; 1914 folgte die zweite Prüfung. Er nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil, schied jedoch nach Verletzungen 1916 aus dem Kriegsdienst aus und nahm seine Lehrertätigkeit wieder auf.

Hünecke engagierte sich in der turnerischen Vereinsarbeit, war auf regionaler Ebene im Schulsport überaus aktiv und gehörte für die SPD dem Gemeinderat und dem Kreistag an. 1928/29 absolvierte er im Alter von 37 Jahren ein Studium an der Preußischen Hochschule für Leibesübungen in Berlin-Spandau mit sehr guten Ergebnissen und wurde anschließend Oberschullehrer in Hannover, im August 1934 aber durch die Nationalsozialisten aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Nach einer Tätigkeit als Betriebssportlehrer bei den Deutschen Edelstahlwerken in Hannover-Linden wurde er 1940 wieder als Oberschullehrer für Turnen eingestellt. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besetzung Hannovers durch die Briten gehörte Hünecke zu den "Männern der ersten Stunde" bei der Reorganisation und dem Neuaufbau des Schulwesens. Er wurde bereits im Juni 1945 zum Schulrat berufen, wechselte Ende 1945 aber als Sportreferent in das spätere Kultusministerium. Dort genoss er bei Minister Adolf Grimme - den er aus der Vorkriegszeit kannte - großen Freiraum. Er war verantwortlich für den Neuaufbau der staatlichen Sportförderung, engagierte sich in Schulsport und Sportlehrerausbildung und hatte eine Schlüsselrolle bei Vorarbeiten für die Gründung der Sporthochschule Köln.

Parallel dazu wirkte Hünecke führend beim Aufbau der neuen demokratischen Sportorganisation in Niedersachsen, der Britischen Zone und der späteren Bundesrepublik mit. Er wurde im Juli 1946 zum Vorsitzenden des Sportausschusses Niedersachsen - des späteren LSB - gewählt und blieb dies bis zu seinem Rücktritt 1955. Er war Initiator der ersten Sporttagung für die britische Zone im Mai 1946 in Detmold und gehörte als ein Exponent des Einheitsprinzips zu den Vorkämpfern für den Deutschen Sportbund, auch als Beisitzer in der im Oktober 1948 in Bad Homburg gegründeten Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sport (ADS).

Die Gründung des Deutschen Sportbundes am 10. Dezember 1950 an seinem Wohnort Hannover ist ebenfalls mit seinem Wirken im Hintergrund eng verbunden. Heinrich Hünecke wurde zum 1. Vizepräsidenten des DSB gewählt und war von 1952 bis 1958 bis zu seinem Rückzug aus dem Sport Beisitzer im DSB-Präsidium. Aus Rücksicht auf Gesundheit und Familie war er bereits im Juni 1955 vom Amt des niedersächsischen LSB-Vorsitzenden zurückgetreten und vom Landessporttag einstimmig zum LSB-Ehrenvorsitzenden ernannt worden. Zu seinen Ehren wurde eine Heinrich-Hünecke-Stiftung für die Ausbildung von Sportlehrkräften errichtet. Im Zusammenhang mit dem damaligen Toto-Skandal in Niedersachsen legte Hünecke zeitweilig sein Amt als Ehrenvorsitzender des LSB nieder und stellte auch Strafanträge gegen damalige LSB-Vorstandsmitglieder; die Verfahren wurden allerdings eingestellt. Nach einem langwierigen Schiedsgerichtsverfahren, bei den sich Hünecke durch sein Vorgehen mehr und mehr ins Abseits brachte und schließlich ganz allein stand, wurde er im April 1960 aus dem LSB Niedersachsen ausgeschlossen.

Hünecke starb zurückgezogen am 6. November 1971 in Hannover. In nachträglicher Würdigung seiner Leistungen benannte das LSB-Präsidium die Sporthalle der Akademie des Sports in Hannover im November 2008 in Heinrich-Hünecke-Halle.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 17 / 27. April 2010, S. 31
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 1. Mai 2010