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BERICHT/020: Die weihnachtliche Revue für Kinder im Zimmertheater der Kieler Komödianten (SB)


"Ihr Kinderlein kommet" - Ein gemütlicher Liederabend schenkt Ideen für die Weihnachtszeit


Bis zum 19. Dezember können die jüngsten Theatergäste der Kieler Komödianten noch einem bunten Reigen aus klassischen Weihnachtsgedichten und winterlichen Liedern beiwohnen. Wo in den letzten Jahren traditionell eine Geschichte aus dem reichen Fundus der Grimms Märchen aufgeführt worden ist, gibt das Ensemble des ersten professionellen Privattheaters in Kiel dieses Jahr eine "Weihnachtsrevue für Kinder" zum Besten. Die weihnachtliche, lustige, aber manchmal auch ernsthafte Bedeutung der alten Texte wird im liebevoll erdachten szenischen Spiel für die Kinder spannend illustriert und unterhaltsam aufgelockert.

Das Weihnachtsrevue-Ensemble der Komödianten - © Theater Die Komödianten

Das Weihnachtsrevue-Ensemble der Komödianten
© 2010 Theater Die Komödianten

Wer kennt sie nicht, die unangenehme Leere vor der Bescherung? Zwei Schwestern, gespielt von Anne Harten und Anke Pfletschinger, warten ungeduldig auf das Christkind und müssen sich, zurückgeworfen auf ein altes weihnachtliches Lieder- und Gedichtebuch, ihre Langeweile mit eigenen Ideen, Spielen und Liedern vertreiben.

Die Kieler Komödianten, so erzählte Regisseur Christoph Munk dem Schattenblick am Premierennachmittag, wollen mit ihrem Stück, das sie alle gemeinsam erarbeitet haben, zum Mitsingen anregen und ihre gesammelten Ideen gegen die Langeweile der kommenden Weihnachtstage dem Publikum mit auf den Weg geben. Jeder habe seine Kindheitserinnerungen vom Heiligabend in der Familie mit einfließen lassen und sich ein besonders schönes Lied oder Gedicht gewünscht, das sie dann in die weihnachtliche Revue für Kinder ab vier Jahren aufgenommen haben. Dabei seien Stücke, die sich auf den feierlichen Weihnachtsabend beziehen, wie zum Beispiel "O du Fröhliche" und "Stille Nacht, Heilige Nacht", mit Absicht ausgespart worden, so der Regisseur weiter, denn das seien Lieder, die für das Weihnachtsfest im Familienkreis einen nicht zu unterschätzenden und einzigartigen Stellenwert hätten.

Die romantisch musikalische Untermalung der Flöten- und Drehorgelspielerin Anne Rohde, die bei fast allen Liedern mitsingt, doch leider kaum in die Bühnenhandlung des Theaterstücks eingebunden ist, weckt leise Erinnerungen an kalte und rotgolden glühende Kinderpunschabende auf dem Weihnachtsmarkt, aber die Auftritte von Peter Schmidt, der den versponnenen Mundharmonika spielenden Papa Toni mimt, wirken etwas steif. Seine väterlichen Anekdoten sind zwar dazu gedacht, das warme Gefühl der heimeligen Gemütlichkeit noch zu verstärken, bremsen die Handlung des Stückes aber manchmal unnötig aus und spielen dabei die etwas kühle und spärlich geschmückte Kulisse des weihnachtlichen Wohnzimmers zu sehr in den Vordergrund.

Das Ensemble, das für sein witziges Spiel mit den kleinen Theaterbesuchern in Stücken wie "Der kleine Prinz" seit langem überregional bekannt ist, hat sich auch in der weihnachtlichen Revue ausdrücklich auf die Fahnen geschrieben, nicht nur musikalisch mit seinen Zuschauern zu interagieren. Das bisweilen stark überspannte Mienenspiel von Anke Pfletschinger läuft dem anregenden, kindlichen Wohlbehagen, das Anne Harten als freches, doch verträumtes Mädchen in natürlichen, wirkungsvollen Gesten in den Theatersaal zaubert, aber eher entgegen. Komödianten! Nehmt euch die Zeit, nur ein wenig behutsamer ins Publikum zu lauschen, so werdet ihr die ungehemmte Freude eurer Zuschauer zur vollen Entfaltung bringen!

Mit diesem weihnachtlichen Liederabend für Kinder jedenfalls wird endlich auch in norddeutschen Gefilden eine Bewegung aufgenommen, die momentan eher in Süddeutschland das verlorene Gut deutscher Volkslieder und alter Melodien zurück in die Häuser der Familien zu bringen sucht, erklärte Regisseur Munk weiter, der unter anderem das südwestdeutsche 'Liederprojekt, ein Benefizprojekt für das Singen mit Kindern', als aktuelles Beispiel dieser Bewegung nennt. Die Komödianten, das sagt schon der Name, fühlen sich dem fahrenden Künstlervolk der Theaterleute leidenschaftlich verpflichtet. Und sie wollen, das betont Markus Dentler, der Intendant des freien Hauses, Theater ohne die mittlerweile übliche Schockwirkung spektakulärer Knalleffekte machen. Überraschenderweise würden sich gerade die Kinder aus diesem Grunde gern an ihre Theaterbesuche bei den Kieler Komödianten zurückerinnern.

Leise also soll in uns mit alten Liedern und Gedichten als Botschaftern aus ganz anderen weihnachtlichen Zeiten, in denen noch ausschließlich Dinge auf den Wunschzetteln standen, die man nicht in eine Steckdose stecken kann, eine geahnte Erinnerung geweckt werden. Und spätestens beim Gedicht von duftenden Bratäpfeln mit Zimt und knackend gerösteten Mandelkernen hängen Kinder und Erwachsene an den Lippen der Komödianten, die es in ihrem lebendigen Liederreigen mit dem Publikum zusammen schließlich doch schaffen, schauspielerisch eine ganze Welt festlicher Süßigkeiten zu entfalten und damit zeigen, was es kann, das Theater von innen.

Weihnachtlich geschmückter Eingang des Theaters Die Komödianten - © 2010 by Schattenblick

© 2010 by Schattenblick

25. November 2010