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SCHAUSPIEL/1019: Magdeburg - Dostojewskijs »Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner«, 25.3., 22.4.


THEATER MAGDEBURG

»eine komische Creation ersten Ranges ...«

Vlad Troitsky inszeniert die Deutschsprachige Erstaufführung von Fjodor M. Dostojewskijs »Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner«, die am Samstag, dem 18.3.2017, um 19.30 Uhr im Schauspielhaus/Bühne Premiere feierte


Der Spielplan des Schauspiels in der Saison 2016/2017 widmet sich dem gegenwärtig hochaktuellen Themenkomplex Macht und Machtmissbrauch. Dieser inhaltliche Schwerpunkt schlägt sich auch in der Deutschsprachigen Erstaufführung von Fjodor M. Dostojewskijs »Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner« nieder. Mit der Premiere der Deutschsprachigen Erstaufführungen sowohl von Klims Solo-Abend »Das Mädchen mit den Streichhölzern« am Donnerstag, dem 9. 3. und Dostojewsijs »Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner«, jeweils in der Regie von Vlad Troitsky, wird die im Mai 2016 mit dem Theaterfestival »Wilder Osten. Ereignis Ukraine« begonnene deutsch-ukrainische-Theaterkooperation fortgesetzt. Das von Troitsky 1994 gegründete Dakh-Theater gilt als eines der wichtigsten freien ukrainischen Theater, deren Produktionen zu Gastspielen weltweit eingeladen werden.

Dostojewskij erzählt in seinem Roman vom Leben in der russischen Provinz des 19. Jahrhunderts: Der junge Sergej reist auf Einladung seines Onkels auf das Gut Stepantschikowo, auf dem dieser mit seinen Kindern, deren Erzieherin, seiner Mutter Generalin und dem ominösen Foma Opiskin lebt. Opiskin, der als gedemütigter Hausnarr des verstorbenen Generals, eine uferlose Eigenliebe und ein infernalisches Bedürfnis nach Bewunderung und Verehrung entwickelt, ist ein gescheiterter Schriftsteller und Tyrann. Auf Stepantschikowo will er oberste moralische Instanz sein, spielt sich schonungslos auf und attackiert den Hausherrn sowie die Bewohner. Und doch wird er geduldet, sogar angebetet und er versteht es, seine Macht zu nutzen...

Dostojewsikijs 1859 erschienener für ihn eher untypischer Roman ist nach dem Strukturprinzip der Komödie aufgebaut. Er nahm sich ein großes literarisches Sujet zum Vorbild: Molières Tartuffe. Der russische Autor modernisiert den etwa 200 Jahre älteren »Tartuffe« - auch hier versteht sich ein Heuchler darin, die Gunst eines arglosen Hausherren zu gewinnen - gestaltet den Frömmler Opiskin allerdings psychologisch komplexer. Während Tartuffe ein Betrüger und seine Frömmigkeit eine Maske ist, glaubt Foma Opiskin allmählich tatsächlich an seine Worte, auch wenn er weiß, dass diese ein Schwindel und Lügenkonstrukte sind. Der narzisstische Despot überschätzt sich und seine Intellektualität maßlos. Am Ende siegt seine krankhafte Unverschämtheit gar noch über den Edelmut seiner Gastgeber. Thomas Mann schrieb über Dostojewsijs zu Unrecht unbekannte Erzählung: »eine komische Creation ersten Ranges, unwiderstehlich an Shakespeare und Molière heranreichend ...«

Der Regisseur Vlad Troitsky legt den Fokus seiner Inszenierung auf die Dynamik, die die einzelnen Figuren miteinander erzeugen. Er kreiert einen musikalisch-dramatischen Theaterabend mit rituellen Zügen - ein Markenzeichen seiner Regiehandschrift. In seiner Inszenierung interessiert ihn weniger eine historisch korrekte Darstellung des Stoffes, sondern die Fragen nach Machtmissbrauch und danach, inwiefern der Mensch dazu bereit ist, frei zu sein.

Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner

von Fjodor M. Dostojewskij
Psychogramm eines Masochisten
Für die Bühne bearbeitet von Klim und Vlad Troitsky
Deutschsprachige Erstaufführung

Regie/Bühne/Kostüme - Vlad Troitsky
Dramaturgie - Maiko Miske

Mit: Pia-Micaela Barucki, Jenny Langner, Michaela Winterstein, Cornelius Gebert, Marian Kindermann, Amadeus Köhli, Zlatko Maltar, Philipp Quest, Alexander von Säbel, Thomas Schneider, Burkhard Wolf

Premiere am Samstag, 18.3 2017, 19.30 Uhr im Schauspielhaus/Bühne
Weitere Vorstellungen: Sa. 25.3./Sa. 22.4. 2017, 19.30 Uhr, Schauspielhaus/Bühne

Karten Premiere: 24 / ermäßigt 14
Karten weitere Vorstellungen: 20 / ermäßigt 10 Euro

Kartenreservierung und -kauf an der Theaterkasse:
Tel. 0391/40 490 490 oder online: www.theater-magdeburg.de
oder per Mail: kasse@theater-magdeburg.de

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Quelle:
Theater Magdeburg
Universitätsplatz 9, 39104 Magdeburg
Internet: www.theater-magdeburg.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 21. März 2017

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