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PELZTIER/060: Pelze - Verordnung muss umgesetzt werden (tierrechte)


tierrechte Nr. 55, Februar 2011
Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.

Pelze: Verordnung muss umgesetzt werden

Von Stephanie Elsner


In der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung werden seit 2006 Anforderungen an das Halten von "Pelztieren" formuliert. Ende diesen Jahres müssen wieder Auflagen erfüllt werden.


In Deutschland existieren noch knapp 30 sogenannte Farmen mit fast ausschließlich Nerzen, ein Betrieb züchtet noch Füchse. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl von Chinchilla-Haltungen. Die Vorschriften der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sehen im Wesentlichen vor: größere Raumvorgaben, teilweise befestigte Böden statt durchgehende Drahtgitter sowie Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Für Füchse und Marderhunde müssen auch Grabeflächen, für Chinchillas Sandbäder, für Nerze und Sumpfbiber Schwimmbecken geschaffen werden. Leider räumt die Verordnung den Betreibern viel zu lange Übergangszeiten ein, z. B. sollen Käfighöhen sowie Schwimmbecken für Nerze und Grabmöglichkeiten für Füchse erst zehn Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung verpflichtend werden. In diesem Jahr tritt nun die zweite Stufe der Verordnung in Kraft. Beispielsweise sind ab 12.12.2011 für die ca. 400.000 Nerze vorgeschrieben: ein Quadratmeter Grundfläche für jedes ausgewachsene Tier sowie für jedes Jungtier nach dem Absetzen. Die Gesamtkäfiggröße - es sitzen ja mehrere Tiere zusammen - muss mindestens drei Quadratmeter aufweisen.


Schleswig-Holstein mustergültig

Genehmigung und Kontrolle der Pelztierhaltungen ist jedoch nicht fest geregelt. So haben in Schleswig-Holstein die Fraktionen Bündnis90/Die Grünen, SPD, Die Linke und SSW einen gemeinsamen Antrag gestellt, der die Landesregierung auffordert, darauf zu achten, dass alle Betriebe in Schleswig-Holstein die Bestimmungen zeitnah und zügig umsetzen. Zudem sollen die Veterinärbehörden angewiesen werden, im Frühjahr 2011 Kontrollen hinsichtlich der geltenden Bestimmungen vorzunehmen sowie zum 12.12.2011 die Umsetzung der weiteren Vorschriften zu kontrollieren. Im Januar hat der Ausschuss dem Landtag die Antragsannahme empfohlen und darüber hinaus ergänzt, die Landesregierung solle darauf hinwirken, dass eine - bislang gänzlich fehlende - europarechtliche Regelung umgesetzt wird, um eine breite Verbesserung des Tierschutzes zu erreichen.

Der Bundesverband setzt darauf, dass der Schleswig-Holsteinische Landtag dem Antrag zustimmt. Eine solche Entscheidung wäre mustergültig für die anderen Bundesländer.

Darüber hinaus besteht Hoffnung, dass die höheren Haltungsanforderungen und die damit verbundenen Kostensteigerungen dazu führen, dass die Tierhaltung zur Pelzgewinnung unrentabel wird.


Ziel muss ein Verbot sein

Soviel zur rechtlichen Ist-Situation. Ethisch gibt es für diese Branche keinerlei Rechtfertigung und das erklärte Ziel muss lauten: ein nationales und internationales Verbot der Haltung, Züchtung und Bejagung von "Pelztieren". Bislang führte die Bundesregierung jedoch an, dass ein Verbot der Pelztierzucht in Deutschland gegen die Berufsfreiheit des Grundgesetzes verstoßen würde. Aus einer Antwort vom 23.12.2010 der ParlamentarischenStaatssekretärin Julia Klöckner an Undine Kurth, tierschutzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, geht jedoch hervor, dass die Pelztierhaltung nur geringe wirtschaftliche Bedeutung habe und deshalb nicht einmal statistisch erfasst werde. Auch die Anzahl der Personen, die den Beruf des Pelztierzüchters ausüben sei so gering, dass die Bundesagentur für Arbeit keine gesonderte Beschäftigungsstatistik mehr führt und es keine bundeseinheitlichen Aus- oder Fortbildungsregelungen mehr gibt. Bei der Tierwirt-Ausbildung ist 2005 die Spezialisierung auf Pelztierzucht abgeschafft worden. Was stützt somit noch das Argument der Berufsfreiheit und was braucht es noch, das überfällige Verbot endlich auf die Agenda zu bringen?


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Quelle:
tierrechte - Nr. 55/Februar 2011, S. 8
Infodienst der Menschen für Tierrechte -
Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
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Telefon: 0241/15 72 14, Fax: 0241/15 56 42
E-Mail: info@tierrechte.de
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veröffentlicht im Schattenblick zum 2. April 2011